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Musiker Magazin 4/2019 – 1/2020

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2019 – Rückblick; Deutscher Rock & Pop Preis 2020 – Anmeldung / STORIES: Singer-Songwriterin Kiara Huber; Ann Doka – Aus »Neu« mach »Neu«. Wandel schreibt Musik; Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 15: THE ROLLING STONES – The greatest Rock & Roll band in the world (Teil 2); Burn Out Laut – Therapeutischer Soulrock; Sven Garrecht – Mit der Kleinkunst im Herzen schafft er eine Symbiose aus grooviger Popmusik und sinnigem Chanson; VOICE OVER PIANO – Entertainment auf höchstem Niveau; COPPER SMOKE – Americana Rock; KÖNIG & MEYER – Stands For your Music – seit 1949; CORAZÓN DEL CARIBE – Pures Karibik- & Kuba-Feeling / MUSIKBUSINESS: Leeza Nail – Wie kann ich Singen zum Beruf machen? / RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

62 REZENSIONEN GHOSTHER

62 REZENSIONEN GHOSTHER »Through Fire« Gut fünf Jahre nach Bandgründung treten die vier Nordrhein- Westfalen von GHOSTHER mit ihrem ersten Langspieler „Through Fire“ auf die Bildfläche der deutschen Metal-Szene. Optisch und haptisch macht das über Rough Trade und Noizegate erschienene Album bereits einiges her: Ein aufwendig und liebevoll gestaltetes Artwork trifft auf ein hochwertig produziertes Digipak das wünscht man sich häufiger von Undergroundbands erster Pluspunkt an dieser Stelle für die Band. Doch können GHOSTHER auch musikalisch überzeugen? Klare Antwort: Ja, sie können. Reihenweise tanzbare Alternative-Metal-Songs im oberen Midtempo-Bereich werden hier geliefert, die man sich sogleich auf den Dancefloors der hiesigen Rock-Clubs vorstellen kann. Kraftvolle Riffs treffen hier auf simples, aber effektives Drumming, das die Melo die - bögen perfekt unterstützt. Vergoldet wird das alles von Sängerin Jennys Stimme, die die Songs je nach Gesangs stil mal in melancholische, freudige oder wütende Rich tun gen lenkt. Musikalisch sind die zehn Songs vor allem Fans von offensichtlichen Vergleichsbands wie Paramore oder Halestorm zu empfehlen. Allerdings hört der aufmerksame Hörer stellenweise starke Anleihen an die Architects, frühe Nickelback oder Alter Bridge heraus. Generell atmet „Through Fire“ eher den Geist der späten 90er und frühen 2000er, moderne Sound-Elemente bringen die Musik aber immer wieder ins Hier und Jetzt zurück. Empfehlenswert. www.ghosther.com P.S. ALL OUR FRIENDS ARE DEAD »See You Soon« „Musik aus der Zeit, als man noch Haare trug“ ist das Motto der sieben Mitglieder von ALL OUR FRIENDS ARE DEAD. Klingt erst einmal komisch und das ist es tatsächlich auch, abgesehen davon, dass wie so oft mindestens ein Quänt - chen Wahrheit drinsteckt. Denn einerseits hat sich die Band auf das Neuinterpretieren von wahren Klassikern der Popund Rockgeschichte spezialisiert, andererseits tut sie dies mit einer Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die eine dauerhafte gute Laune während des Hörvorgangs entstehen lässt. Wie die Band ihre aufwendigen Arrangements so bekannter Songs wie „How Sweet It Is“ (Marvin Gaye), „I’m Not In Love“ (10cc) oder „Here Comes The Sun“ (Beatles) umsetzt und präsentiert, zeigt einmal mehr die der Musik ganz eigene und spezielle innewohnende Art von Humoristik. Verspielte Klaviere und Gitarren treffen auf fröhlichen Gesang, leichte Schlagzeug-Rhythmen und süffisante Background-Chöre. Zehn Cover-Versionen werden präsentiert, die einerseits darauf schließen lassen, was für eine hervorragende und ein - gespielte Band hier zusammen agiert, und andererseits die Neugierde darauf wecken, wie die Band wohl mit Eigen - kompositionen klingen mag. Für weitstirnige Kenner der Pophistorie ist „Sell Your Soul“ in jedem Fall ein Leckerbissen. allourfriendsaredead.de P.S. LUCA VASTA »Stella« Mit „Stella“ hat Luca Vasta ein Popjuwel erschaffen, das alle Facetten des Genres schimmernd aufgreift und widerspiegelt. Träumerische Melodien geben dynamischen Beats die Hand, unbändige Lebensfreude wechselt sich mit bittersüßer Melancholie ab. Luca Vastas weiches Italienisch schmiegt sich in die Akkorde, wird immer wieder von englischen Phrasen aufgebrochen und hebelt somit jegliche sprachlichen Grenzen aus: Die in Remscheid geborene Deutsche mit italienischen Wurzeln scheint durch und durch Weltbürgerin zu sein. Die Grenzen der Popmusik lotet sie charmant und selbstbewusst aus: Folkloristisch angehauchte Melodien zeigen sich im Song „Rosa“. Auf „Time“ finden elektronische Klänge Platz, während „American Dreams“ mit Streichern und einem fast schon hymnischen Chor auffährt. Dass bei der Produktion des Albums ein Profi am Werk war (Philipp Steinke arbeitet u. a. mit Mark Forster und Revolverheld zusammen), hört man jedem einzelnen Song an. Der musikalischen Vielfalt des 2019 erschienen Albums einen roten Faden zu verpassen, ist genial gelungen: „Stella“ ist durchweg hörenswert und zeigt den Facetten - reichtum, mit dem Luca Vasta ihre Liebe zur Popmusik feiert. www.lucavasta.com L.K. FRIENDS OF MUSIC »Ghostrider« Die FRIENDS OF MUSIC machen es einem wahrlich nicht leicht, etwas über sie herauszufinden. Das Booklet ihres Albums „Ghostrider“ von 2019 gibt keine Webadressen preis, das Label teilt online auch keine Informationen und auch längere Google-Recherche bleibt erfolglos. Zur Band historie kann daher wenig gesagt werden, die Musik der drei Musikfreunde lässt sich jedoch eindeutig beschreiben und zuordnen. Zehn Stücke sind auf „Ghostrider“ enthalten, die alle den Geist von klassischem, rockgeprägtem Südstaaten- Country atmen. Stücke wie „I’m Coming Home“ oder „Driving Home To Alice“ sind wunderbar vorstellbar beim sommerlichen Barbecue, einer Spritztour über die Landstraßen der Republik oder beim Bikertreffen. Auch die für die Szene obligatorische Cover-Version eines Songs von Country-Über vater Johnny Cash hat es auf die Platte geschafft: „Ghost Riders In The Sky“ wird in gleich drei unterschiedlichen Varianten präsentiert. Daneben sind auch das eingangs erwähnte „I’m Coming Home“ sowie der getragene Song „Confusion“ neben einer Radio-Version auch in einer tanzbaren Club-Version enthalten. So summieren sich die sechs Lieder inklusive ihrer band - eigenen-Coverversionen auf eine kurzweilige Dreivierte l stunde, die nicht nur deutlich macht, was der Country-Underground in Deutschland kann, sondern die auch noch Zeit bietet, über den stilistischen Tellerrand hinauszublicken. P.S. THE MAZE »From Small Things« Es müssen nicht immer die ganz großen Geschichten sein das stellt die Band theMaze auf ihrem Album „From Small Things“ unter Beweis. Der Bandname ist bei näherer Betrach - tung der langen Bandgeschichte bezeichnend: Bereits vor über 25 Jahren fanden sich Frank Senftleben und Heiner Lehmann mit ihrem Kollegen Enrico Thoms zusammen, um sich zwischenzeitlich wieder zu trennen, eigene Wege zu gehen und das Bandprojekt schließlich zu zweit aufleben zu lassen. Frank Senftleben und Heiner Lehmann kreieren auf „From Small Things“ eine solide Mischung aus Pop, Rock und Blues und verstehen es, den typischen Bandklang wenn nötig aufzupeppen, sei es durch Einsatz eines Glocken spiels in „The Sound Of Her Words“ oder einer Querflöte in „Worst Case Scenario“. Nummern wie „Get The Beat Back“ gehen ordentlich voran, während eben genanntes „Worst Case Scenario“ oder „Never Wanna Go Again“ durch entspannten Groove überzeugen. Die kleinen Dinge des Lebens stehen in der Tat im Mittelpunkt des Albums. In „If We Kiss“ fragt sich Sänger Frank Senftleben, ob aus einer Freundschaft vielleicht doch Liebe entstehen kann. „Eye To Eye“ erzählt vom Freiheitsdrang und der Versuchung, auszubrechen und den Alltag einfach hinter sich zu lassen. Das Album, dem ein paar mehr musikalische Ecken und Kanten sicherlich nicht geschadet hätten, endet mit dem Aufruf, die kleinen Dinge im Blick zu behalten und sie zum Positiven zu wenden; sind sie es doch, die unser Leben am Ende so richtig lebenswert machen. www.themaze.de L.K. musiker Magazin 4/19 1/20

REZENSIONEN 63 WATTENLÄUFER »Wi bruuk keen Kalifornien!« Wozu nach Kalifornien ziehen, wenn man auch an der Nordsee wohnen kann? Das fragen sich die WATTENLÄUFER auf ihrer neuesten Platte und bringen die Antwort gleich mit: „Wi bruuk keen Kalifornien!“ Da kann man schließlich keinen „Gröönkohl op‘n Disch“ essen! Gleich der erste titelgebende Song macht ordentlich Stimmung und bringt eine Fröhlichkeit und Lebenszugewandtheit mit, die sich trotz besungenen typisch norddeutschen „Schietwetter“ durchs Album zieht. Klassiker wie der „Jung mit‘n Tüdel band“ oder das „Shanty Party-Rock- Potpourri“ werden sym pathisch aufgegriffen und mit einem eigenen musikalischen Touch versehen, die Herkunft und der Dialekt mit Humor genommen. Aus dem bekannten „Im Wagen vor mir“ wird so zum Beispiel „In dr Boot för mi“. Die sechsköpfige Platt rock-Band ist mit hörbarem Spaß und Leiden schaft bei der Sache und kombiniert eingängige Melodien voller Leich tig keit mit ihrem Dialekt. Auch die gefühlvollen Stücke „Ik bliev bei dir“ und „Fresenhof“ können überzeugen. Fazit: „Wi bruuk keen Kalifornien!“ sollte mit seinen bodenständigen und humorvollen Songs definitiv auch Fans außerhalb Nord deutsch lands begeistern. www.wattenläufer.com L.K. VIVID CURLS »… nicht müde werden!« Sozialkritische Texte, Gänsehaut erzeugender Harmonie ge - sang, ein Mix aus Rockröhre und lyrischem Mezzosopran: Die VIVID CURLS wagen die Kombination von Anspruch und Inhalt mit dramatischer, eingängiger Melodik, abwechslungsreichen Rhythmen und fein herausgearbeiteten Songstrukturen. Hier trifft klassisches deutsches Liedermachertum àla Konstantin Wecker oder Reinhard Mey auf modernes Song - writing nach Art vieler bekannter neuer „Deutschpop- Poeten“. Inka Kuchler und Irene Schindler widmen sich inhaltlich dabei den brandaktuellen Themen unserer Zeit: die Zerrissenheit in der Gesellschaft, der Kampf um eine bessere Zukunft, das Streben der Jugend nach einer Politik, die Umwelt und zukünftige Generationen in den Fokus nimmt. Dazu werden sie unterstützt von einer hochqualitativen Band: perkussives Gitarrenspiel oder verträumtes Fingerpicking treffen auf Mundharmonika-Einspieler und Percussion - elemente. VIVID CURLS brauchen nicht viel, um ihren allseits gepriesenen und mit diversen Preisen ausgezeichneten Gesang zu unterstützen, und doch bespielen sie auf “... nicht müde werden!” die gesamte Bandbreite der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel der musikalischen Arrangements. Diese Band breite und Aktualität ist es denn auch, die den VIVID CURLS in der Vergangenheit diverse Auszeichnungen wie den Förder preis für junge Liedermacher der Hanns-Seidel- Stiftung eingebracht hat. Wenn das Duo so weitermacht, dürften noch einige weitere Preise dazukommen sei es für die tolle Musik oder ihre zum Nachdenken anregenden Texte. www.vivid-curls.de P.S. THOMAS MENTSCHES & BAND »The Lierfeld Tapes« Seit vielen Jahren ist Thomas Mentsches bereits als Singer und Songwriter in klassischer angloamerikanischer Tradition aktiv und auf den Bühnen der Republik sowie auf Platte unterwegs. Bereits seit zehn Jahren wird er dabei von seinen beiden Weggefährten Volker Arndt und Ali Ottmann begleitet, die Mentsches’ Sound mit ihrer großen musikalischen Erfahrung aus Klassik, Jazz und Reggae bereichern. Verfeinert durch die spezielle Stimme von Thomas Mentsches entsteht ein eigenständiger und unabhängiger Sound, der in dieser Form in Deutschland nicht häufig zu hören ist. Sein neuestes Werk „The Lierfeld Tapes“ spiegelt diese Eigen ständigkeit zum wiederholten Male eindrucksvoll wider. Regelmäßig holt sich Mentsches in den legendären Bars und Pubs der britischen Insel historische und musikalische Inspiration für seine neuen Werke und auch diese regelmäßigen Stippvisiten an den Wiegen der Singer- Songwriter-Szene hört man dem Album eindrucksvoll an. Auch dieses Album ist inhaltlich geprägt von den für Thomas Mentsches typischen Geschichten über Freude und Nöte des sprichwörtlichen „kleinen Mannes“. Diese auf vielen Reisen gemachten und gesammelten Erfahrungen und Er - zählungen verarbeitet der Sänger gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern zu einer wundervollen Platte, die den Geist der britischen Inseln atmet und zeitgleich doch einen eigenen Touch durchscheinen lässt. www.facebook.com/Thomas.Mentsches.Band P.S. FRANK MARTIAN »Where Ends Meet« 2019 erschien mit „Where Ends Meet“ nach langer Warte - zeit das neue Album von Frank Schulz alias Frank Martian. Das Album weckt musikalisch und stimmlich viele Erinne - rungen an die progressiven Pop- und Rockbands aus Groß - britannien in den 80er-, 90er- und frühen 2000er-Jahren. Elektronische Ele mente werden hier mit progressiven Ge - sangs strukturen und Rockriffs miteinander verbunden. Trotz der überwiegend düsteren Grundstimmung ist „Where Ends Meet“ eine positive, doch nicht übermäßig nostalgische oder verklärte Aus einandersetzung mit der gesellschaftlichen und der eigenen Vergangenheit. Für Frank Martian stellt das Album „ein ehrliches Statement und eine packende, faszinierende und oft auch tanzbare Abbildung der Vielschichtigkeit unseres modernen Lebens“ dar ein Statement, welches das Album treffend und passend zusammenfasst. Mit der Unterstützung exzellenter Musiker wird hier über elf zeitgemäß produzierte Songs die für Martian typische große stilistische Bandbreite an Ge schichten von Trennung, Tod, Begierden und Liebe präsentiert. Mal zynisch, mal erschreckend deutlich und mal mit einem Augen zwinkern musikalisch immer eigenwillig, auf Eigen - ständigkeit bedacht und keinem einengenden musikalischen Korsett folgend. Ein sehr ambitioniertes Werk. www.protonmusic.de CAPELLASTREET »Dicht an dicht« Stark vom Zeitgeist geprägt präsentieren sich CAPELLA- STREET mit ihrer neuen Single „Dicht an dicht“. Zusammen mit einem Video widmen sie sich in ihrem Song der aktuellen Klimadebatte und beziehen auch gleich eindeutig Stel - lung: Das Stück ist einerseits vom Aufruf zu mehr Umwelt - bewusstsein geprägt und andererseits ein Aufruf, sich den aktuellen Protesten für eine umweltfreundlichere Zukunft anzuschließen. Dabei geben sich CAPELLASTREET auch bewusst überhaupt keine Mühe, subtil zu klingen: Offen wollen sie dazu motivieren, sich „Dicht an dicht“ in der Fridays-for-Future-Bewegung zu sammeln und den Protest so auf der Straße zu unterstützen. Begleitet von elektronischen Beats und garniert mit poppigen und rockigen Ele - menten entsteht so ein Protestsong, der die Hörer aufrütteln und zur Aktion motivieren soll. facebook.com/CAPELLASTREET-267568193278873 P.S. Rezensenten: L.K. LINDA KNAUER P.S. PHILIPP STRUNK 4/19 1/20 musiker Magazin