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Musiker Magazin 2/2021

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

24 STORIES VOYAGER IV

24 STORIES VOYAGER IV »Das gegen Ende 2019 erschienene Album „Pictures At An Exhibition“ von Voyager IV wurde mehrfach ausgezeichnet und bekam den Deutschen Rock & Pop Preis in vier Kategorien: Prog-Rock-Song, Prog-Rock-Sänger, Keyboarder und Singer-Songwriter. Absolut verdient, denn so wie die hochkarätig besetzte Band den Mix aus Klassik, Rock und Jazz rüberbringt, wirkt das bekannte Material kein bisschen abgedroschen. Im Gegenteil.« MM: VOYAGER IV bestehen aus vier ausgezeichneten Musikern, die auch einzeln in dem, was sie tun, sehr erfolgreich sind. Wie kam es dazu, dass ihr gemeinsam Musik machen wollt? MARCUS: Mein Ansatz als Crossover-Pianist ist es, stilübergreifend zu arbeiten. In den letzten Jahren habe ich mit dem Marcus Schinkel Trio (Fritz Roppel – bass und Wim de Vries – drums) und dem Programm „Crossover Beethoven“ Klassik und Jazz zusammengeführt. Bei dem neuen Programm wollte ich den Crossover-Gedanken mit Rockelementen er - weitern, indem ich Einflüsse meiner Jugend von Jon Lord/Deep Purple, Supertramp, Pink Floyd und Led Zeppelin mit meiner eigenen Musik verbinde. JOHANNES: Marcus und ich haben eine ähnliche Prägung, was unseren Musikgeschmack angeht. Aber unterschiedliche Fähigkeiten. Marcus ist technisch und harmonisch sehr versiert, er hat ja Jazzpiano studiert und kann eigentlich alle möglichen Stile spielen. Mein Schwerpunkt ist eher das Songwriting, das Er - stellen von musikalischen Geschichten. Da lag es irgendwann nahe, dass wir diese beiden Schwerpunkte in einem gemeinsamen Projekt zusammenbringen. MM: Euer aktuelles Album und Programm „Pic tures At An Exhibition“/„Bilder einer Aus - stell ung“ ist angelehnt an die Komposi tio - nen des russischen Komponisten Modest Mussorgsky. Warum habt ihr ihn als Vorbild für eurer neues Album genommen? JOHANNES: Die verschiedenen Versionen der „Bilder“ begleiten mich schon seit meiner Schul - zeit. Mir hatte meine Schwester damals die Lang spielplatten von Tomita (Synthesitzer- ver sion) und Ravel (Orchester) geschenkt. Das sind sehr zeitlose, gute und emotional tragfähige Melodien. Eigentlich habe ich lange auf eine Möglichkeit gewartet, sie selber einmal zu interpretieren. MARCUS: Das Album „Pictures At An Exhibition“ von Emerson, Lake & Palmer (ELP) hatte ich als Jugendlicher von der Stadtbücherei Hagen aus - geliehen und war direkt davon begeistert. Ich hatte ja im Klavierunterricht schon die klassische Klavierfassung gespielt. Es ist ja eines der ersten Progressive-Rock-Alben der Musikgeschichte und hatte bisher ungehörte Sounds mit dem Moog-Synthesizer. www.musiker-online.tv

STORIES 25 Nach dem tragischen Tod von Keith Emerson 2016 wollte ich ein Hommage-Konzert für Keith und das Album machen, mit Johannes hat sich aber sehr schnell etwas ganz Eigenes daraus entwickelt. MM: Was sind die Geschichten der „Bilder“ eurer „Ausstellung“? MARCUS: In diesem inzwischen 150 Jahre alten Zyklus beschreibt der russische Klassik kom - ponist Modest Mussorgsky die gemalten Bilder seines vor Kurzem verstorbenen Freundes Viktor Hartmann. In den alten Versionen von ELP werden oft nur einige der Bilder beschrieben. Wir haben alle Bilder des Zyklus aufgenommen und neue musikalische Geschichten dazu er zählt. Das geht thematisch von einem alten Schloss über Ochsen und Geschichten von Arm und Reich bis zu Daedalus und Ikarus. Zusätzlich erzähle ich musikalisch von meinen Einflüssen, nicht nur von Keith Emerson, sondern auch denen anderer Synthesizerpioniere der 70er wie Jon Lord, Jan Hammer, George Duke, Herbie Hancock, Chick Corea und Joe Zawinul. JOHANNES: Geschichten sind immer dann gut, wenn sie etwas tief Persönliches erzählen können. Dann werden sie auch nie alt oder langweilig. Bei „Daedalus calling“ erzählen wir zum Beispiel den Absturz des Sohnes beim Fliegen erstmals aus der Sicht des betroffenen Ingenieurs und Vaters. Bei „Photophobia“ beschreiben wir eine Ge schichte aus meiner Vergangenheit, bei der ich aus einer vorübergehenden Erblindung langsam wieder sehen gelernt habe. Dies ist einer der wenigen Songs über eine Krankheit geworden und be schreibt auch die positiven Aspekte – dass sich zum Beispiel das Hören nach Verlust des Sehens stark verbessert und sich durch eine Ein schrän kung andere Möglichkeiten auftun. Die meisten Songs der Bilder sind auf unserer aktuellen CD. Der Song „Limoges – The City Is Alife“ ist aber neuer. Hier haben wir das Aus - sterben der Innenstädte unter und auch schon vor Corona thematisiert. Das Album wurde als „Bestes Album“ der Kategorie „Progressive Rock“ im Jahre 2019 gewählt und kam in die oberen Plätze des Rockmagazins „Eclipsed“. MM: Wie sind die Songs entstanden? MARCUS: Die erste Grundlage sind Melodien und Stimmungen der ursprünglichen „Bilder“. Diese haben wir dann als Grundlage für unsere eigenen Songs und Kompositionen genommen, also „die Melodien von innen nach außen gekrempelt“ (K. Emerson). Johannes und ich haben uns regelmäßig zu Kompositionssessions getroffen. Wir haben alles im Computer arrangiert und dann die Parti tu - ren an unsere Mitmusiker Fritz und Wim weitergegeben. Das war ein regelmäßiges Pingpong zwischen uns beiden, wo wir teilweise „oldschool“ zusammen am Klavier gesessen und teilweise Midi- oder Audiofiles hin- und hergeschickt haben. Der korrigierende Faktor des jeweils anderen war dabei sehr hilfreich, um eine gute Hör bar - keit und Allgemeingültigkeit zu erreichen. JOHANNES: Wir haben beide sehr viele unfertige eigene Songs auf unseren Festplatten. Die Songs zu diesem Projekt sind jedoch alle neu und genau hierfür gemacht. Wir haben beide kleine Studios und viele, teils sehr ungewöhnliche Instrumente. Da ist auch viel aus gemeinsamer Spielerei entstanden. Man schlägt eine Harmonie, Melodie oder einen Rhythmus für einen Song vor und ist dann überrascht, was der andere daraus macht. MM: Von den Aufnahmen bis zur Produk tion: Wie war die Arbeit im Studio? MARCUS: Wir haben uns in den wunderbaren Maarweg Studios, dem ehemaligen EMI Studio in Köln, eingemietet, das mit modernem Equip - ment trotzdem den Flair der 70er atmet. Hier haben schon Pink Floyd, Tina Turner, Joe Cocker, aber auch Jupiter Jones oder Clueso aufgenommen. 8 2/2021 musiker MAGAZIN