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Musiker Magazin 1/2021

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Das Musiker Magazin berichtet über aktuelle Themen der Rock- und Pop-Musikszene, veröffentlicht Fakten und Hintergründe und gibt Tipps und Ratschläge für die professionelle und semi-professionelle Musikszene in Deutschland. FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Anmeldung STORIES: Lena Hauptmann – Ihre Songs grooven, fließen und bewegen • BIRD’S VIEW – Jazzakkorde, krumme Taktarten und ein fetter Sound sorgen für originelle Songs • Sascha Salvati – »Künstler müssen einfach mehr zum Unter nehmer werden« • Chris Brandon – EingängigePopsongs, ein Schuss Rhythm and Blues und eine markante Stimme, die vor Energie sprüht • SPY # ROW – Eine neue Ära des Hard Rocks • In den Fängen der roten Ideologen • ZZ Top – That Little Ol’ Band From Texas • DISLIKE SILENCE – Mit einem Knall traten sie 2019 ins Rampenlicht • The Beatles Beat Band – 47 Jahre im Dienst der Pilzköpfe MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 1: VOCAL SKILLS • Nur intelligente Einzelkämpfer überleben RUBRIKEN: Musiker-News• CD-Rezensionen• Titelschutzanzeigen• Produkt-News • Kleinanzeigen • Impressum

20 STORIES muss. Heute

20 STORIES muss. Heute weiß ich, dass ich gerade weil ich eine völlig andere Art von Berater bin, so gerne und häufig von jungen Existenzgründern oder Unter - nehmern beauftragt werde. Durch meine Erfahrung kann ich auch mit völlig anderen Ansätzen coachen. Allerdings ist meine Zeit begrenzt, und ich merke, dass ich immer weniger dazu komme, Musik zu machen. Ein schwieriger Spagat. Trotzdem genau das Richtige für mich und meinen Weg. Ich will Gründern ja auch ersparen, ähnliche Fehler zu machen wie ich zu Beginn. MM: Mit deiner Lebenspartnerin hast du die Firma TS Entertain ment gegründet. Deine Lebenspartnerin ist auch Sängerin und ihr habt gemeinsam die TV-Show Popstars gewonnen. Welche Auswir kungen hat dieser Gewinn für euch? SASCHA SALVATI: Die Show war für uns beide ein super Sprungbrett und ist nach wie vor eine gute Referenz für uns. Die Zeit hat uns unglaubliche und wertvolle Erfahrungen beschert, von denen wir heute noch jeden Tag profitieren. Es war wirklich eine super Schule für uns. Wir haben uns darüber kennengelernt und so hat die ganze »Ich wurde erst erfolgreich, als ich mich gefragt habe: Was kann ich anderen Menschen für einen Mehrwert bieten? Erst dann kam der wirtschaftliche Erfolg.« SASCHA SALVATI „HIER FÜR DICH“ – MUSIKVIDEO VÖ: 03. JULI 2020 YOUTU.BE/NWO7TAJT8YM WWW.FACEBOOK.COM/SASCHASALVATI WWW.INSTAGRAM.COM/SASCHASALVATI musiker MAGAZIN 1/2021

STORIES 21 Geschichte eigentlich erst begonnen. Vor Popstars war ich komplett „Lost“. Ich wusste nur, dass ich Musiker werden wollte, hatte aber keine Ahnung, wie das gehen soll. Popstars war damals der große Schritt in die richtige Richtung. MM: Könnt ihr erfolgreich von eurer Musik leben? SASCHA SALVATI: Wir leben sehr gut von der Musik. Das aber vor allem auch, weil wir ständig an unserem Business und an unserer Ver mark - tung feilen. Wir wissen, was unsere Leistung wert ist. Durch das Wirtschaftsstudium und viel Weiterbildung in verschiedenen Businessbereichen konnten wir Prozesse in unser Unternehmen integrieren, die eigentlich vor allem in anderen Branchen ge nutzt werden. Dadurch haben wir extrem viel Nach - frage und eine hohe Abschlussquote an Auf trä - gen. Mittlerweile verbuchen wir ja auch andere Künstler. MM: Beschreibe die Denkweise eines Künst - lers … SASCHA SALVATI: Früher war ich der Meinung, dass ein Künstler mit dem Businessteil nichts zu tun haben sollte. Ein Manager sollte sich um alle Bereiche des Business kümmern und der Künstler macht nur Musik und Show. Ein Konzept, das vor allem den Sängern und Rappern in den letzten Jahrzehnten eingebläut wurde und das mittlerweile völlig überholt ist. Kreativität ist natürlich die Nummer-eins-Qualität jedes Künstlers. Allerdings ist es heutzutage und war es auch damals schon unheimlich wichtig, dass ein Künstler das Mindset eines Unter neh - mers entwickelt. Ansonsten hat man immer den kürzeren Stroh - h alm in der Hand. Die größten Künstler unserer Zeit sind alle auch richtig gute Unternehmer. Wer schon mal seine Streaming-Abrechnung gesehen hat, dem wird schnell klar, dass er andere Incomestreams benötigt. Das Livegeschäft ist einer der wenigen Wege heutzutage, mit Musik noch Umsatz zu machen. Wer eine starke Marke hat, der kann aber auch mit Merch und anderen Leistungen gut verdienen. Wir werden langfristig immer mehr Independent Artists sehen, die ohne Plattenfirma sehr erfolgreich werden. Fynn Kliemann ist da besonders hervorzuheben. Er hat in dem Zusammenhang ja sogar eine richtig gute Dokumentation produziert. Künstler müssen einfach mehr zum Unter - nehmer werden. Es führt kein Weg daran vorbei. Als Künstler musst du heute einfach die Pro zesse begreifen, die hinter der Musik stehen. Radio und TV werden immer mehr an Bedeut samkeit verlieren. Dies ist ja jetzt schon der Fall. Social Media wird immer weniger organische Reichweite bieten. Auch Künstler müssen anfangen, Werbung zu schalten. Rapper haben irgendwie häufig schon dieses Mindset. Bei den Sängern und Instrumentalisten habe ich oft das Gefühl, dass sie noch immer in diesem alten Mindset hängen und mit dem Business part nichts oder nur wenig zu tun haben wollen. Das Resultat ist, dass man kaum über die Runden kommt. Jeder Musiker sollte sich aktuell intensiv mit TikTok beschäftigen. Leider vernachlässige ich selbst aktuell diesen Social-Media-Kanal noch zu sehr. Das werde ich sicherlich noch bereuen. MM: Wie sieht bei euch die Musik in Zeiten von Corona aus? Die meisten Musiker stellen sich die Frage: Wie kann ich Geld verdienen? Das war auch immer die Frage, die ich mir gestellt habe, als ich wirtschaftlich schlecht dastand. Ich wurde erst erfolgreich, als ich mich gefragt habe: Was kann ich anderen Menschen für einen Mehrwert bieten? Erst dann kam der wirtschaftliche Erfolg. Als Künstler müssen wir vor allem lernen und offen sein. Unsere Grenzen erweitern. In allen Be reichen. Daher kommt ja auch die Kreativität. MM: Wie siehst du die Zukunft des Musik - geschäfts? SASCHA SALVATI: Streaming hat alles verändert. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es Streaming gibt, auch wenn die Beteiligungen noch nicht gut sind. Als wir mit ROOM2012 erfolgreich waren, hat kaum noch jemand CDs gekauft. Alle haben sich die Musik illegal aus dem Netz gezogen. Heute werden wir über Streaming wenigstens am Kon - sum beteiligt. SASCHA SALVATI: Wir treten mittlerweile schon wieder im kleinen Rahmen auf. Im Lockdown (2020) waren wir grad in LA und haben da die Zeit genutzt, richtig gute Videos zu prodduzieren. Wer hat schon die Gelegenheit, das völlig menschenleere Los Angeles zu filmen. Das war eine einmalige Gelegenheit für uns. Ansonsten haben wir einfach viel aufgenommen. Ich muss aber auch sagen, dass es mir guttat, einmal weniger zu tun zu haben. Aktuell habe ich extrem viel Nachfrage für meine Coachings. Daher ist Musik in den letzten Mo naten sehr in den Hintergrund gerückt. Umso mehr weiß ich die kleinen Auftritte zu schätzen. Mir ist egal, vor wie vielen Leuten ich singe. Haupt sache die Emotion kommt beim Zuhörer an. Wir hatten einige private und persönliche Livestreams, die allesamt unerwartet emotional waren. Eine völlig neue Erfahrung für uns. INTERVIEW: MUSIKER MAGAZIN FOTOQUELLE: SASCHA SALVATI WEB: WWW.T-S-ENTERTAINMENT.COM WWW.FACEBOOK.COM/SASCHASALVATI 1/2021 musiker MAGAZIN