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Musiker Magazin 1/2021

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Das Musiker Magazin berichtet über aktuelle Themen der Rock- und Pop-Musikszene, veröffentlicht Fakten und Hintergründe und gibt Tipps und Ratschläge für die professionelle und semi-professionelle Musikszene in Deutschland. FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Anmeldung STORIES: Lena Hauptmann – Ihre Songs grooven, fließen und bewegen • BIRD’S VIEW – Jazzakkorde, krumme Taktarten und ein fetter Sound sorgen für originelle Songs • Sascha Salvati – »Künstler müssen einfach mehr zum Unter nehmer werden« • Chris Brandon – EingängigePopsongs, ein Schuss Rhythm and Blues und eine markante Stimme, die vor Energie sprüht • SPY # ROW – Eine neue Ära des Hard Rocks • In den Fängen der roten Ideologen • ZZ Top – That Little Ol’ Band From Texas • DISLIKE SILENCE – Mit einem Knall traten sie 2019 ins Rampenlicht • The Beatles Beat Band – 47 Jahre im Dienst der Pilzköpfe MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 1: VOCAL SKILLS • Nur intelligente Einzelkämpfer überleben RUBRIKEN: Musiker-News• CD-Rezensionen• Titelschutzanzeigen• Produkt-News • Kleinanzeigen • Impressum

12 LENA HAUPTMANN Mit

12 LENA HAUPTMANN Mit Einflüssen aus swingender Jazztradition, brasilianischen Rhythmen und eingängigen Melodielinien bewegt sie sich multilingual zwischen Englischer und Sorbischer Sprache und lässt Pop und Jazz nahtlos ineinanderfließen. Ihre Songs grooven, fließen und bewegen – mal lieblich-träumerisch, mal mystisch-melancholisch und dann wieder kraftvoll, expressiv und couragiert. LENA HAUPTMANN: Meine Begeisterung für Musik lässt sich schwer auf nur ein Genre festlegen, und daher fand ich es schon immer spannend, mit stilistisch verschiedenen Projekten unterwegs zu sein. Mit meinem Gitarristen Dan Baron habe ich das Jazz-Pop-Duo „LeDazzo“ gegründet, mit dem wir neben unseren sorbischen Songs überwiegend Jazzstandards, brasilianische Musik und französische Chansons spielen. Wir spielen auf großen Veranstaltungen wie zum Beispiel beim Osteuropäischen Filmfestival oder im Staatstheater Cottbus, aber auch auf kleinen privaten Events. Im Jahr 2019 sind wir beim Chansonwettbewerb des 27. Chansonfestivals „Köln-Breslau-Paris“ in Köln aufgetreten und haben dort sowohl den zweiten Platz als auch den Publikumspreis gewonnen. MM: Du schreibst deine Jazz- und Popsongs nicht nur auf Englisch, sondern verbindest auch die sorbische Sprache und Kultur mit deiner Musik. Wie bist du dazu gekommen? LENA HAUPTMANN: Ich bin in Cottbus in der Niederlausitz aufgewachsen, wo auch ein Großteil der Sorben beheimatet ist. Dort ging ich auf ein sorbisches Gymnasium und erlernte die sorbische Sprache und Kultur in meiner Schulzeit. Im Winter 2017 kam der Auftrag vom Sorbischen Rundfunk des RBB, dass ich doch auch mal etwas Sorbisches singen und komponieren könnte, was dann regelmäßig im Radio gespielt wird. Gemeinsam mit meinem Gitarristen Dan Baron nahm ich mich dieser Aufgabe gerne an. Beim Ideensammeln habe ich dann gemerkt, dass sich der indogermanisch-westslawische Eigen klang dieser Sprache wunderbar mit meiner Musik verbinden lässt und eine sehr besondere Klangfarbe erzeugt. Als wir die Songs in den letzten zwei Jahren nicht mehr nur in der Lausitz spielten, sondern damit auch in Berlin, Leipzig und Köln u. a. auf Festivals auftraten und damit großen Anklang beim Publikum fanden, war klar, das dieses Projekt weiter verfolgt werden muss. Darüber hinaus ist diese Sprache eine Minder - heits sprache und wird nur noch von circa 60 000 Menschen ge sprochen, weshalb es mir sehr am Herzen liegt, die sorbische Sprache immer wieder an ein neues Publikum heranzutragen und mit meiner Musik ein bisschen mehr publik zu machen. MM: Als Sängerin bist du sehr vielseitig unterwegs, in deinen vier Bandprojekten bewegst du dich unter anderem im Bereich Jazz, Pop und Swing. Magst du etwas mehr dazu erzählen? Ein weiterer Bereich, der mir ebenfalls sehr viel Spaß macht, ist der chorische Satzgesang. Neben diversen Studiojobs, in denen ich für andere Künstler Backgroundvocals einsinge (u.a. für Johnny Logan), kann ich meine Affinität zu mehrstimmigem Gesang in meinem Gesangs - trio „Die Lenas“ sehr gut ausleben. Die beiden Sängerinnen Lena Neumann, Anna-Lena Panten und den Pianisten Elias Vollmer habe ich beim Jazzstudium in Leipzig kennengelernt. Gemeinsam spielen wir sowohl Klassiker der 30er-Jahre à la Andrews Sisters als auch moderne Miles-Davis-Arrangements sowie eigene Songs mit einer Mischung aus Jazz, Soul & Pop. Neben privaten Events in Sachsen sind wir u. a. auch beim „Jazzfest Leipzig“ und in der Moritzbastei Leipzig aufgetreten. Weil ich darüber hinaus äußerst gerne in verschiedenen Sprachen singe, war ich sehr froh, als sich kürzlich das Projekt „Brazilian Lovers“ mit der brasilianischen Violinistin Priscila Baggio Simeoni und Musikern vom Staatstheater Cottbus gegründet hat. Hier widmen wir uns ausschließlich den Größen der brasilianischen Musik à la Antonio Carlos Jobim, Vinicius de Moraes oder Zequinha de Abreu. Aber auch mit großen Gala-& Showbands bin ich gerne unterwegs; z. B. mit dem 15- köpfigen Ballorchester „Toni Gutewort & His Dance Orchestra“, mit dem wir u.a. beim Take Off Award in Berlin oder in der Metropolis Halle Potsdam spielten. Zuletzt war ich mit der Dresden Big Band & Michael Winkler bei den Dresdener Jazztagen zu erleben. Das ist eine wirklich coole Big Band, die traditionellen Swing à la Count Basie, Glenn Miller oder Benny Goodman spielt, aber auch moderne, eigene Arrangements und Stücke des Big Band Leaders und Posaunisten Michael Winkler. musiker MAGAZIN 1/2021

STORIES 13 Mich fasziniert die Abwechslung, die mein Beruf und all diese Projekte mit sich bringen, und ich stelle mich immer wieder gerne neuen Heraus for - derungen. MM: Zurzeit studierst du Jazz- und Popgesang an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Wie sieht dein Studienalltag aus und was beinhalten deine Studienfächer? LENA HAUPTMANN: Wir haben ein recht umfangreiches Pensum an Unter - richtsfächern, Projekten und Prüfungen. Neben Fächern wie Jazzklavier, Jazzharmonielehre und Gehörbildung, Improvisation, Komposition sowie verschiedenen Jazz-Ensembles haben die Sänger noch zusätzlich Schau spiel, Tanzen und Sprecherziehung. Dann gibt es immer mal wieder größere Projekte, z.B. ein „Ella Fitzgerald Tribute“ oder Big Band-Abende unter der Leitung des Jazzsaxophonisten Rolf von Nordenskjöld oder dem WDR- Big-Band-Arrangeur Ansgar Striepens. Mit dem Filmschauspieler und Regis seur Frank Leo Schröder und Arrangeur Juan Garcia als musikalischen Leiter haben wir auch mal die Musicalshow „Songs in the Key of Life“ mit neu aufgearbeiteten Songs von Stevie Wonder, Prince und Michael Jackson auf die Beine gestellt. Die künstlerische Ausbildung ist also recht vielumfassend. Durch die Corona-Situation ist das nun natürlich alles ganz anders. Einige Unterrichtsangebote wurden auf Online-Unterricht umgestellt und andere können leider gar nicht erst stattfinden, da die Zusammenkunft von vielen Musiker*innen und Sänger*innen dafür unabdinglich ist. 8 1/2021 musiker MAGAZIN