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Musiker Magazin 4/2019 – 1/2020

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2019 – Rückblick; Deutscher Rock & Pop Preis 2020 – Anmeldung / STORIES: Singer-Songwriterin Kiara Huber; Ann Doka – Aus »Neu« mach »Neu«. Wandel schreibt Musik; Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 15: THE ROLLING STONES – The greatest Rock & Roll band in the world (Teil 2); Burn Out Laut – Therapeutischer Soulrock; Sven Garrecht – Mit der Kleinkunst im Herzen schafft er eine Symbiose aus grooviger Popmusik und sinnigem Chanson; VOICE OVER PIANO – Entertainment auf höchstem Niveau; COPPER SMOKE – Americana Rock; KÖNIG & MEYER – Stands For your Music – seit 1949; CORAZÓN DEL CARIBE – Pures Karibik- & Kuba-Feeling / MUSIKBUSINESS: Leeza Nail – Wie kann ich Singen zum Beruf machen? / RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

26 STORIES Ihrer

26 STORIES Ihrer Exklusivität gewann die Band eine neue Facette ab, indem sie vor ihren Fans in kleinen Clubs auftrat, die gegenüber den Shows in den Arenen eine geradezu intime Atmosphäre hatten. Etwas davon hat die Live-CD „Stripped“ von 1995 eingefangen, die in solchen Clubs auf - genommen wurde. Gleichwohl schickten die Welttourneen der Rolling Stones sich an, noch größer zu werden als zuvor schon. 2019 er - schien unter dem Titel „Bridges To Bremen“ der Mitschnitt des Auftritts der Band im Bremer Weserstadion am 21. September 1998. Nach - dem die Band auf der riesigen und üppig ausgestatteten Bühne in voller Besetzung mit allen Begleitmusikern eine ganze Reihe von Songs gespielt hatte, wurde eine sehr lange Glieder - brücke über das Publikum ausgefahren, hin zu einer kleinen Bühne, zu der die Band über die Brücke ging und dort dem Publikum kräftig ein heizte. Sicherlich unvergessliche Momente. In den folgenden Jahren setzten die Rolling Stones ihre Konzerte rund um die Welt für ihre Anhänger fort, die ihnen willig folgten. Das bis dato letzte Album mit neuen Songs von Jagger und Richards war 2005 „A Bigger Bang“. In dem Jahr berichtete Ron Wood von einem Alkohol - entzug und seinem ersten nüchternen Auftritt überhaupt. Prompt titulierte Richards ihn als Schwächling. 2007 rechnete die Presse der Band vor, in den vergangenen 20 Jahren 450 Millionen Dollar eingenommen und mit 7,2 Millionen Dollar nur 1,5 % Steuern gezahlt zu haben. Damit erinnert die Band an den Club von Global Playern à la Amazon, Apple, Facebook und Google, die er - folg reich ihre Steuerverpflichtungen drücken. Im selben Jahr drehte der rockbegeisterte Meister regisseur Martin Scorcese den Konzert - film „Shine A Light“ von zwei Auftritten der Rolling Stones im New Yorker Beacon Theater, bei dem Mick Jagger durch einen exquisit ausgeleuchteten Seiteneingang zum Song „Sym pathy For The Devil“ direkt wie der Teufel aus dem Höllenfeuer auf die Bühne zu kommen scheint. Auf der Berlinale 2008 wurde der Film in An we - senheit von Scorcese und der Band vorgestellt. Insbesondere seit 2010 brachte das Mana - gement der Band verstärkt Live-Mitschnitte auf den Markt. Es erschienen unter anderem die Filme „Charlie Is My Darling“ über die Rolling Stones in Irland im Jahr 1965, mit Brian Jones, und „Some Girls Live In Texas ’78“. Im Mittel - punkt steht wohl die CD/DVD-Serie „From the Vault“ mit Konzertmitschnitten aus den Jahren von 1971 bis 2015, die es mittlerweile auf acht Alben gebracht hat, wenn man die Neu ver - öffentlichung des immer noch unvollständigen Hyde-Park-Konzerts von 1969 dazurechnet. Dazu wurde ab November 2011 eine vielteilige offizielle Bootleg-Serie mit „The Brussels Affair“ 1973 aufgelegt. Illegale Bootlegs von Konzerten der Band lassen sich kaum zählen. Ganz offiziell hingegen wurde 2015 die wunderbare Box „Totally Stripped“ mit noch mehr Live-Auf nah - men von Auftritten der Rolling Stones des Jahres 1995 in kleinen Clubs herausgegeben. Hin und wieder wurden Reibereien zwischen Jagger und Richards laut. Als Jagger im Dezember 2003 vom britischen Königshaus wegen seiner Verdienste um die Popmusik ge - adelt wurde und nun wie andere Musiker auch ein Sir war, bezeichnete Richards die Ehrung öffentlich als lächerlich. Seiner Auffassung nach stammte sie von dem Establishment, das früher alles daran gesetzt hatte, ihn und Jagger ins Ge - fängnis zu bringen. Jagger ging mit dieser Kritik souverän um: „Ich glaube, das Establishment, wie wir es kannten, gibt es nicht mehr.“ Weitere Angriffe gegen Jagger enthielt Richards’ 2010 erschienene Autobiografie „Life“. Zunächst entschuldigte Richards sich etwas dafür, erklärte dann aber, er habe sich für nichts zu entschuldigen. Jagger habe er nur beschwichtigt, damit die Band weiter zusammen arbeiten kann. Wo die Wahrheit liegt, wissen wohl nur die Be teil i g ten. Nach dem Ende ihrer Europa-Tournee im August 2007 hatte die Band ihre Live-Auftritte ein gestellt. Gemeinsame Aktivitäten blieben bis auf Weiteres aus. Nur scheinbar fanden sich die Rolling Stones samt ihrer ehemaligen Mitglieder Bill Wyman und Mick Taylor zu den Aufnahmen der im April 2011 veröffentlichten CD „Boogie 4 Stu A Tribute To Ian Stewart“ des Pianisten Ben Waters zusammen. Alle spielten und san- gen jedoch nur getrennt voneinander im Studio, und die einzelnen Aufnahmen wurden zusammengemischt. Im November 2011 ließ Jagger als Leadsänger des Albums „SuperHeavy“ unter anderem mit dem Ex-Eurhythmics-Gitarristen David Stewart von sich hören. Als das 50-jährige Bandjubiläum näherte, brachen die Rolling Stones nach einer Jam-Session im November 2011 zu einer neuen Tournee auf, und wieder klingelten die Kassen lauter denn je. Dazu wurden Bill Wyman und Mick Taylor verpflichtet, jedoch jeder nur für einige Titel, nicht aber ein gesamtes Konzert. Wyman zeigte sich über die Kürze seiner Auf tritte enttäuscht und stieg nach wenigen Ter minen aus. Taylor hingegen war begeistert, weil er sich nach eigenen Angaben im Kreise der Band wie zu Hause fühlte. So sehr können Erlebnisse und die Ein schät - zungen von ihnen auseinanderliegen. An der Tournee nahmen abermals namhafte Gäste teil, unter ihnen Jeff Beck, Eric Clapton, Lady Gaga und Bruce Springsteen. Die Rolling Stones spielten außerdem im Dezember 2012 ein Wohl tätig - keits kon zert zugunsten der Opfer der Hurrikans Sandy und wurden unter anderem deswegen 2013 mit dem NME Award als beste Liveband des Jahres 2012 geehrt. Es entstand auch ein weiterer Dokumentarfilm über die Geschichte der Band: „Crossfire Hurricane The Rise Of The Rolling Stones“ (2012). 2013 setzte die Band ihre Live-Konzerte fort, bei denen im Mai und Juni wieder Mick Taylor mit auf der Bühne stand und das Publikum mit seinen Soli begeisterte. Aus der Fülle der Konzerte ragt wohl der Auftritt vom 25. März 2016 in Havanna heraus, der im Anschluss an die Südamerika-Tournee musiker Magazin 4/19 1/20

STORIES 27 »Zum Glück erstickten die Rolling Stones ihre Musik nicht durch Gigantomanie. Sie ist bis in die heutigen Tage bei den zahlreichen Auf tritten der Band mitreißend geblieben.« der Band stattfand, die Anfang Februar des Jahres in Santiago de Chile begonnen hatte. Es war das erste Rockkonzert auf Kuba überhaupt und dazu kostenfrei. Jagger sprach sein Publikum immer direkt an und tat dies in Havanna auf Spanisch. Festgehalten wurden die südamerikanischen und karibischen Er eignisse auf den Blu-Rays „Olé, Olé, Olé!: A Trip Across Latin America“ und „Havanna Moon“, und auch das lohnt sich anzusehen. Ende 2016 erschien das bislang letzte Studio album der Rolling Stones: „Blue & Lonesome“, eingespielt in kurzer Zeit mit Gästen wie Eric Clapton, Chuck Leavell und Jim Keltner. Die Band coverte dieses Mal ausschließlich alte Blues- und Rhythmand-Blues-Songs und begab sich damit auf eine Zeitreise an den Anfang der Bandkarriere. Das Album wurde ein enormer Erfolg, wohl aber eher wegen des Bandnamens. Ob weniger be kannte Musiker mit dem Re pertoire international Aufmerksamkeit hätten erregen können? Die Vitalität der Rolling Stones ist seither ungebrochen, und man darf sicher sein, dass die geschäftstüchtige Band ihre Fans auch künftig mit zahlreichen Veröffentlichungen aus dem Fundus von Konzert- Aufzeichnungen be denken wird, die die Portemonnaies öffnen. 2017 begann in Europa die „No Filter Tour“, die die Band zu mehreren Auf - tritten nach Deutsch land führte. Im selben Jahr wurde bekannt, dass Gitarrist Ron Wood, jahrzehntelang ein schwerer Raucher und Trinker, mehrfach vergeblich versucht hatte, von der Sucht loszukommen, nun wegen Lungenkrebses einen Teil seiner Lunge hatte entfernen lassen. Die Tournee endete erst am 30. August 2019 mit Ver spätung in Miami, weil Jagger sich im Frühjahr eines Eingriffs am Herzen unterziehen musste. Davon hatte er sich allerdings außergewöhnlich schnell erholt und absolvierte seine Auftritte mit der ge wohnten Agilität, über die man bei einem 75-jährigen nur staunen kann. Für 2020 sind schon wieder Live-Auftritte in Florida angekündigt, und man darf gespannt sein, wie das 60-jährige Bestehen der Ur ge steine der Rockmusik im Jahr 2022 gefeiert werden wird, die sich seit jeher auf ihren Ausnahme-Drummer Charlie Watts verlassen konnte. Trotz allen gesundheitlichen Raub - baus, den insbesondere Richards und Wood an ihrer Gesundheit ge - trieben haben, haben diese unverwüstlichen Musiker wohl die Energie, dies auch noch zu erleben. Long Live Rock ‘n’ Roll! Nächste FolGe: JEFF BECK WHO ELSE? WeB: WWW.ROLLINGSTONES.COM text: NORBERT APING Fotoquelle: UNIVERSAL MUSIC GROUP; WIKIPEDIA DR. NORBERT APING Geboren 1952, Buchautor und Direktor des Amtsgerichts a. D. in Buxtehude THE MUSIC POP-UP MARKET plaza’20 Rhythm is in Frankfurt zwei Tage lang ist alles drin! Play.Listen.Enjoy. Live-Events, Workshops, Performances, Talks und jede Menge Stars der internationalen Musikszene live erleben. Bei der „Home of Drums“ mit Profis an den Sets sitzen. Bei der „International Vintage Show“ Legenden bestaunen oder selbst kaufen oder verkaufen. Auf der Plattenbörse nach Vinylund CD-Raritäten stöbern. Und als Zugabe ein Streifzug über das Street Food Festival. Und das alles parallel zur Musikmesse auf demselben Gelände. Take a walk on the wild side! 03./04.04.2020 / MESSE FRANKFURT MESSEGELÄNDE / musikmesse-plaza.com

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