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Musiker Magazin 4/2018 | 1/2019

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Musiker-News, Deutscher Rock & Pop Preis 2018 – Gewinner und Festivalrückblick; Deutscher Rock & Pop Preis 2019 – Anmeldung; Sophia. – »Meine Musik begründet sich komplett auf dem Inhalt des Textes«; Betty Gee – »I love to s(w)ing for you«; Alexandra Lomkina – »Du und ich«; OMNITAH – »Man muss den Mut haben, etwas zu wagen, ohne zu wissen, was es bringt«; Razzmattazz – Ass-kickin Hard Rock; Corny Held – Singer-Songwriterin und Multiinstrumentalistin; Schamanisches Leben – Interview mit Janine Jabs; SteilFlug – Deutschsprachige Rockmusik aus Trier; Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 13: John Mayall – The Godfather of British Blues (Teil 1; Das Urheberrecht bei Musik – Wer ist Inhaber einer Melodie? Public Domain Day: Diese Werke sind seit Neujahr gemeinfrei; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

36 STORIES »Es geht mir

36 STORIES »Es geht mir nicht um Geschichten aus der Nachbarschaft, wie es in manchen Zeitungen stand. Es geht mehr um Gefühle, Stimmungen, das Leben, wie es in den Köpfen der Menschen stattfindet, Beziehungen, aber nicht nur zwischen zwei Personen, sondern auch zur Umwelt, zum Rest der Gesellschaft, zur Natur, zwischen Fantasie und Realität.« welchem Amp, seinen eigenen Sound ein. die Klassik-ovation ist da ein wichtiges element. Auch wenn sie nicht sofort auffällt, fehlt sie, wenn man sie weglässt. Sie hat durch die nylonsaiten einen tollen warmen Klang, den ich noch mit Chorus intensiviere. der Gesang ist ein weiteres Merkmal. Ich denke schon, dass man es hört, dass das jetzt Corny Held ist. das gefällt nicht jedem, ist aber okay und unverwechselbar. MM: Wie und wo produziert ihr? Corny Held: nach den ersten beiden Alben habe ich mich entschlossen, dass es zu teuer ist, immer anderswo aufzunehmen, habe angebaut und ein Studio eingerichtet. das war eine super Idee, sonst würde es die über 200 produzierten Songs bestimmt nicht geben, und es werden ständig mehr. So kann man Ideen sofort umsetzen, oben bei Axel anrufen und sagen „Komm runter, spiel mal ein Schlagzeug ein“, und Mixe tage- und wochenlang abändern, bis man denkt „so geht es jetzt“. Fertig wird man ja so nie, aber alles muss auch mal ein ende haben. Aufge nom - men ist es eigentlich ziemlich schnell, aber dann mache ich viele verschiedene Abmischungen, die ich überall höre, und brauche lange, bis ich davon was ausgesucht habe. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, gibt es auch unterschiedliche Mixe auf unterschiedlichen Alben. „Spinning“ auf der gleichnamigen Cd ist zum Beispiel anders als auf dem Album „Wishes“. MM: Wie wichtig sind dir die Texte? Corny Held: die Texte sind schon sehr wichtig. Zum einen machen die Themen den Text aus. Texte entstehen in einer bestimmten Zeit. Bezug zum Zeitgeschehen, zu den jeweiligen Verhält - nissen, zur Politik, zu Vorurteilen können durchaus musikalisch reflektiert werden. es geht mir nicht um Geschichten aus der nachbarschaft, wie es in manchen Zeitungen stand. es geht mehr um Gefühle, Stimmungen, das leben, wie es in den Köpfen der Menschen stattfindet, Beziehun - gen, aber nicht nur zwischen zwei Personen, sondern auch zur Umwelt, zum rest der Ge sell - schaft, zur natur, zwischen Fantasie und realität. „death of A dream“ ist eine reaktion auf 9/11, „Misty Meadow“ wendet sich gegen die Hektik unserer Zeit, und „Snow Queen“ beschreibt, dass die Menschen oft aus falschem Verständnis heraus das töten, was sie lieben. Zum Zweiten ist es die Sprache, die einen Text ausmacht. die Sprache gibt beispielsweise den rhythmus des Songs vor. der muss optimalerweise so wie der Sprachrhythmus sein. Auch die Melodie ist durch die Sprache nicht mehr beliebig, sie muss zur Sprachmelodie passen. das finde ich schon wichtig. Ich mag auch keine verdrehten Sätze, nur damit es in den Song passt oder dass es sich reimt oder so was. normale Sprache finde ich besser. Und der Text sollte auch ohne Musik als Text Bestand haben, so wie die Musik auch ohne Text verstanden werden kann. MM: Singst du in Deutsch oder Englisch? Corny Held: Ich habe beides gemacht, zu - nächst nur englisch, weil es einfacher ist. es klingt von selbst schon musikalisch, hat die richtige Intonation und den rhythmus für Musik, und die Message kann wesentlich kürzer als manchmal in deutsch ausgedrückt werden. Ich habe einige Songs übersetzt. So ist etwa die deutsche Version von „Fantasy Fair“ zwei Strophen länger geworden, sonst hätte nicht alles hineingepasst. Manche versuche ich noch zu übersetzen, aber bei „It’s Hard To Be A Fortune Teller“ habe ich es immer noch nicht hingekriegt. Bei Songs, die direkt in deutsch entstanden sind, gab es das Pro blem natürlich nicht. MM: Wie entstehen die Songs? Corny Held: es gibt Situationen, da ist der Song plötzlich da. Man fährt abends nach Hause, die Straße ist leer (kommt tatsächlich vor!), der Mond geht vor einem auf und ist riesig und rund und rötlich und irgendwie lebendig, und dann hat man plötzlich „Moonrise“. oder es stirbt jemand, man denkt über das leben nach, und dann entsteht daraus „death And life Are one“. oder man begleitet eine Weihnachtsfeier für Flüchtlinge und findet danach „no More War“, weil man sieht, dass die Menschen irgendwo anders auf der Welt die gleichen Gefühle haben wie hier – gute wie schlechte. oder eine Freundin bekommt nach - musiker Magazin 4/18 | 1/19

STORIES 37 Corny Held: der wurde mir von einer amerikanischen Freundin gegeben. Sie hatte meinen namen erst falsch verstanden und meinte erst, Corny ist „odd“, das geht nämlich so in richtung altmodisch, kitschig, schnörkelig. Aber dann fand sie, das passt irgendwie zu mir. Jedenfalls ist er einprägsam, warum auch immer, und deswegen habe ich es dabei belassen. MM: Welchen Stellenwert hat die Musik in deinem Leben? wuchs und man macht lullabies … Manche Songs entstehen auch durch planloses rumklimpern auf der Gitarre, andere in Sessions, dann ergibt sich etwas Brauchbares und wird aufgegriffen und weiter bearbeitet. daran ist dann die ganze Band beteiligt. oder es fällt mir aus irgend - einem Grund etwas ein, vielleicht einfach nur, weil einer etwas Merkwürdiges gesagt hat. dann schnappe ich mir die ovation und halte das schnell fest, wie bei „daydream“, was in 20 Minuten fertig war, nachdem jemand den Satz „die tun nichts, die träumen nur rum“ rausgehauen hatte. Text und Melodie entstehen meist zusammen und nicht nacheinander. nachdem die Melodie und die Grundtöne klar sind, schreibe ich sie für die anderen auf und die Band bringt ihre Ideen ein, oder ich nehme zuerst Gitarren und Gesang auf, und dann kommen weitere Spuren dazu, zunächst Schlagzeug, dann Bass, Solo instru - mente, Chor usw., manchmal auch von Gast mu - sikern, die sonst nicht dabei sind. dann wird der Song so ge probt, wie er aufgenommen wurde, und dabei so arrangiert, dass man ihn auch mit vier Mu si kern live spielen kann. MM: Komponierst du im Hinblick auf be - stimmte Zielgruppen? Corny Held: nein, eigentlich geht es immer mehr oder weniger um mich. Ich versuche, meine Stimmungen, meine erfahrungen, meine Ge - danken auszudrücken und denke dabei nicht daran, was andere gern hören. Wenn es dann auch dem Publikum gefällt –, meist ist das so –, dann ist es natürlich schön. Wenn nicht, ist es auch okay. darum ist das auch keine Popmusik – obwohl ich zugeben muss, dass ich auch schon Stimmungslieder geschrieben habe, die ich aber unter Pseudonym lilli liguster veröffentlicht habe. Auch das war keine Komposition für eine Zielgruppe, das war nur ein spontaner Spaß nach ein paar drinks zu viel. Auch elektronische Musik zu machen habe ich schon probiert. Aber das ist ein anderes Pseudonym und nicht wirklich meins. MM: Glaubst du, es gibt ein bestimmtes Frauen image in deinem Bereich? Corny Held: Frauen sind in der Musikszene meiner Meinung nach immer noch unterrepräsentiert. Viele Bands sind Männerbands, und die wollen eine Sängerin wegen der Anmache. die muss dann auch entsprechend aussehen und sich anziehen. Am besten soll die auch nicht älter sein als 27. Auch wenn man Musiker (genderneutral gemeint) sucht, kommen da selten Frauen. Solange Frauenmusik mit Anmache und Aus sehen mit Qualitaẗ verwechselt wird, haben die Musi ke - rinnen wahrscheinlich keinen Bock darauf. MM: Warum der Künstlername Corny? Corny Held: Musik kommt an erster Stelle. das heißt nicht, dass es sonst nichts gibt, aber alles andere ist nicht so wichtig. das war schon immer so, schon als Kind hat sie mich begleitet, gepackt, getröstet oder aufgeregt. es war immer Musik da. Meine oma war Musikerin, mein Vater hat Klavier und Geige gespielt, eine Tante hat Klavier unterrichtet, ein onkel war Sänger. Überall gab es Instrumente, bei jedem Anlass wurde Musik gemacht. Musik kann so viel: Stimmungen einfangen, emotionen auslösen oder manipulieren, gesellschaftliche Strömungen kommentieren, kritisieren, begeistern, verbinden oder spalten, sie wird global verstanden und kann zur globalen Ver - ständigung beitragen. Musik beeinflusst einfach alles. ein leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. MM: Was sind deine weiteren Pläne und Wünsche? Corny Held: Ich wünsche mir, dass wir einen Bassisten/Bassistin im ruhrgebiet finden, der/ die zu uns passt. Und ich wünsche mir wieder ein Management, was wir zurzeit nicht haben. das ist schon wichtig. Ich habe auch wieder neue Songs, die dann auf ein neues Album kommen, wenn die Band wieder komplett ist. Zurzeit produzieren wir, d. h. Axel und ich, mal wieder ein Album zu zweit, es wird darauf u. a. auch schottische Folk-Songs geben. der erste Titel, „Come By The Hills“, ist schon fertig und übrigens zurzeit noch bei GooglePlay kostenlos erhältlich, bis das ganze Album fertig ist. Ich wünsche mir, dass viele unsere Songs auf den bekannten Internet-Plattformen hören und auf ihre Playlisten setzen, wenn sie gefallen. Und ich wünsche mir viele Festi vals, wo Musik die Menschen zusammen bringt und verbindet und es nicht darum geht, wer besser ist und mehr verkauft. WeB: WWW.CORNYHELD.COM InTerVIeW: RONJA RABE FoToQUelle: CORNY HELD 4/18 | 1/19 musiker Magazin

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