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Musiker Magazin 4/2017

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14 STORIES WOLFGANG

14 STORIES WOLFGANG NIEDECKEN „BAP – DAS LOGBUCH DER JUBILÄUMSTOUR“ VÖ: 6.11.2017 WWW.BAP.DE/START/SHOP WWW.FACEBOOK.COM/NIEDECKENSBAP musiker MAGAZIN 4/2017

STORIES 15 »Ich freue mich sehr, dass ich meine Familie mit der Musik ernähren kann. Bei einem Rock-Konzert sind die Reaktionen unverstellt, voll kommen unverstellt. Entweder du kriegst sie oder du kriegst sie nicht. Es ist schon ein Privileg, so leben zu dürfen.« Bürgerkrieg zu uns kamen. Und dann brannten in Rostock-Lichtenhagen die Asylan ten heime. Du machst morgens den Fernseher an und hast ge - schaut, wo hat heute Nacht etwas gebrannt. Es fing so an, normal zu werden. Und dann haben wir in Köln dieses große Ding gemacht, wo 100 000 Leute hinkamen: Arsch huh, Zäng ussenander am 9. November 1992. Das ist das eine Ding, wo ich mich engagiere, und das andere Ding ist halt seit 2004, wo ich so einem Zusammenschluss von nicht staatlichen Organisationen in Afrika helfe. Christoffel Blinden - hilfe, Caritas, World Vision, Welthungerhilfe, alles Mögliche, die haben mich gefragt, ob ich für diesen Zusammenschluss, der hieß „Gemeinsam für Afrika“, den Paten machen wollte. Ja, was muss ich denn da machen? Du musst vor allen Dingen mal Ahnung kriegen, was wir da tun in Afrika. Und dann bin ich nach Afrika geflogen, nach Uganda, und habe mir da diese ganzen Projekte angeguckt, und am Schluss dieses Trips sind wir auch in den Norden von Uganda geraten, und dort war ein Bürgerkrieg, und ich habe wirklich mal gesehen, was das tatsächlich eigentlich ist, was diese Kindersoldaten erleiden müssen, wozu die gezwungen werden. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Das war für mich wirklich furchtbar, das konnte ich nicht so hinnehmen, und dann haben wir „Rebound“ ge gründet. MM: … du engagierst dich und machst vieles in dieser Hinsicht ... WOLFGANG: Weißt du, ich übertreibe es nicht. Jeden Tag kriege ich eine Anfrage, wo ich etwas unterstützen soll, und wenn ich das alles machen würde, würde ich mich inflationieren. Ich muss das so machen, dass es den Leuten nicht so vorkommt, als wenn ich mich ständig auf jedes Trittbrett stelle, um mich bemerkbar zu machen. Also die Vorwürfe, dass man das nur macht, weil man mal wieder in die Zeitung kommen will, die gibt es ja auch. Das ist natürlich Quatsch. Es ist ja das Gegenteil. Man muss es nach bestem Wissen und Ge - wissen machen. MM: … Die Parteien wollen auch die Rock - musiker für sich gewinnen. WOLFGANG: Ich denke, ein Künstler gehört sowieso nicht in eine Partei. Ein Künstler hat in einer Partei nichts zu suchen, weil du da einer Parteiräson unterworfen bist, und dann kannst du nicht mehr frei entscheiden. Ich bin mit einigen Politikern befreundet, wo ich sage, gut, dass die das machen. Ich bin keiner für Politiker-Bashing. Ich bin vielen dankbar, dass sie diesen Scheißjob machen. MM: Du scheinst ähnlich gelagert zu sein wie Heinrich Böll. Der war nämlich auch Frei - den ker. WOLFGANG: Ja, der ist ja auch eines meiner großen Vorbilder. Also er hat ja auch Willy Brandts Aktion „Mehr Demokratie wagen“ unterstützt, aber er ist nie in eine Partei reingegangen. Ich würde auch nie in eine Partei eintreten. MM: … Und auch die damaligen Gruppie run - gen der Literaten waren keine Partei-Sol da - ten … WOLFGANG: Das haben wir ja in der DDR erlebt. Die mussten ja in diese SED-Partei rein. MM: ... Die Musiker in der DDR haben in deutscher Sprache gut texten gelernt. WOLFGANG: Ja, bei vielen war es ja so, dass es Texter waren, die man irgendwo kennengelernt hat, die für die Bands dann getextet hatten. Die hatten ja teilweise Textschreiber außerhalb der Bands. Ich weiß noch, als ich das erste Lindenberg- Lied im Radio gehört habe. Da saß ich im Auto und dachte: „Ja gut, das ist eine dieser DDR- Bands, hört sich gar nicht schlecht an, hört sich ja gut an.“ Da war ich noch Kunststudent. Und was mich damals sehr beeindruckt hat, um noch mal auf den Dialekt zurückzukommen: Im gleichen Jahr, als Wolfgang Ambros „Da Hofa“, dieses Lied von der Leiche, die im Rinnstein liegt, das Blut in den Kanal fließt, gesungen hat, da habe ich das Lied zur gleichen Zeit gehört, wie in Köln die Bläck Fööss direkt im Dialekt geschrieben haben. Da habe ich mich sehr gefreut, als ich gemerkt habe: Ach guck mal an, man kann so etwas auch in seiner Muttersprache machen, also nicht unbedingt Dialekt oder Mundart. Das sind eigentlich Begriffe, mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Es geht um die Mutter sprache, es geht um die Sprache, mit der du aufgewachsen bist. Das war ‘72, als ich Malerei studiert habe und Musik so nebenbei im Radio ge hört habe. Der Song „Drink doch eine met“ hat mir sehr gefallen. In der Schülerband habe ich damals natürlich englisch gesungen. Ein Vorteil vom Dialekt ist, dass Dialekte sich sprachlich besser schleifen lassen. Also wenn ich Kölsch singe, kann ich die Silben gesanglich in die Länge ziehen. Deutsch ist Lego und Kölsch ist Knetgummi. (Lacht) Habe ich noch nie ge sagt, was Neues. Deutsch ist Lego und Kölsch ist Knetgummi, ja, ist so, genau so ist es. »Ein Künstler hat in einer Partei nichts zu suchen, weil du da einer Parteiräson unterworfen bist, und dann kannst du nicht mehr frei entscheiden.« MM: Das Bayerische klingt gesungen auch ein bisschen wie Knetgummi. WOLFGANG: Ist auch Knetgummi, Dialekte sind alle Knetgummis. MM: … auf Sächsisch geht auch? WOLFGANG: Das sind jetzt Vorurteile. Ich glaube, Sächsisch geht auch, aber Sächsisch ist halt verbunden mit diesem unsympathischen SED-Kom - munismus. Man kann bestenfalls darüber lachen, aber es ist eigentlich so: Oh nein, bitte nä. Es ist bitter und tut mir total leid. Ich kenne nun eine Menge Sachsen, ja, ich habe sogar zwei in der Band. 8 4/2017 musiker MAGAZIN

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