Aufrufe
vor 1 Woche

Musiker Magazin 3/2019

  • Text
  • Stones
  • Schawb
  • Maffay
  • Wettbewerb
  • Festival
  • Dezember
  • Verschiedenen
  • Musikalischen
  • Blues
  • Zeit
  • Deutschen
  • Album
  • Magazin
  • Musik
  • Musiker
FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2019 – Konzept; STORIES: Sigi Schwab – Der vielsaitige Champion; Albert Böhne spricht über seine Karriere und die Zusammenarbeit mit Tony Liotta; Interview mit Linda B.; 50 Jahre Peter Maffay – Pünktlich zu seinem siebzigsten Geburtstag erschien das Jubiläumsalbum »Jetzt!«; Achim Amme – »Ammerica«; Die Historie der Rock- & Popmusik – Teil 14: The Rolling Stones – the greatest rock & roll band in the world (Teil 1); HAzel The Nut – »Animal Birthday Party«; DECADANCE DANCE – »We All Get lost ... Sometimes«; UDOMAT & Panikgenossen; MAKIA – Wenn man Musikerherzen öffnet – ist da die ganze Welt zu hause; MUSIKBUSINESS: Mit Musik auf Youtube Music einnahmen erzielen (teil 2) – Deine Musikkarriere auf andere Arten über Youtube vorantreiben; MUSIK & RECHT: Fundamentale Weichenstellung: EUGH-Urteil über Sampling in der Musikproduktion; RUBRIKEN: Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

34 STORIES Randale und

34 STORIES Randale und einer regelrechten Straßenschlacht mit Hamburger Rockern, sodass die Polizei Ein - sätze fahren musste. In der Presse wurde darüber ausführlich berichtet. Bei diesen Vorzeichen war es fast ein Wunder, dass ich mir 1966 das aktuelle Rolling-Stones- Album „Aftermath“ kaufen durfte. Nach einer ganzen Reihe durchschlagender Hit-Singles war dies die erste LP der Rolling Stones mit Songs unterschiedlicher Stilrichtungen ausschließlich aus der Feder von Jagger und Richards. Über - raschend waren sogar Balladen dabei, die die beiden Songwriter viel mehr schätzten, als das veröffentlichte musikalische Werk der Band ver - muten lässt. Jones glänzt auf den Studioauf nah - men als Muli-Instrumentalist. Bei der Ballade „Lady Jane“ spielt er zum Beispiel das zitherartige Saiteninstrument Dulcimer. „Aftermaths“ ungewöhnlichstes Stück aber ist „Goin’ Home“. Trotz seiner Länge von fast zwölf Minuten, die die übliche Song-Dauer von rund zwei Minuten sprengte, ist „Goin’ Home“ mit seiner Mi - schung aus Country Rock und Rhythm and Blues so eindringlich, dass man sich das Stück nach den letzten Tönen gleich noch einmal anhöre möchte. Alle weiteren neu eingespielten Studio-Alben der Band während der bis 1970 dauernden Decca-Periode stehen ebenso wenig in der Tra - dition der ersten drei Studio-LPs, erst recht auch nicht die Singles „Get Off Of My Cloud“, „19th Nervous Breakdown“, „As Tears Go By“ und „Paint It Black“. „Between the Buttons“ von An - fang 1967, woran der vielseitige Rockpianist Nicky Hopkins erstmals als Studiomusiker mitwirkte, ist ein psychedelisches Album jener Tage, das richtungslos wirkt. Die Rolling Stones hatten es nach eigenen Angaben „im bekifften Zustand“ aufgenommen. Drogeneinfluss und Richtungslosigkeit wurden erst recht bei der nächsten LP „Their Satanic Majesties Request“ offenbar, auf dem Jones wiederum mit mehreren unterschiedlichen In - strumenten zu hören ist. Auf die Vorderseite des Album-Covers war ein Vexier-Wackelbild mit den Bandmitgliedern als mittelalterliche Zauberer und Gaukler in geheimnisvollen Trachten geklebt; bei Wiederauflagen wurde das Bild nur noch zweidimensional aufgedruckt. Mit „Their Satanic Majesties Request“ hatten die Rolling Stones ein Werk vom Kaliber des Beatles-Albums „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ prä sentieren wollen. Geglückt ist dies trotz einiger hervorragender Einfälle nicht. Zu hören sind auf der einen Seite ausgezeichnete Stücke wie „2 000 Man“, „She’s A Rainbow“, „2 000 Light - years From Home“ und „In Another Land“ (dieses aus der Feder von Bill Wyman). Andere gute Ansätze scheinen gleichsam im LSD-Rausch unterzugehen. Das letzte, fast neun Minuten lange Stück „Sing This All Together (See What Happens)“ wirkt, wie schon sein Zusatz nahezulegen scheint, wie ein aus dem Ruder gelaufenes Programm. Zum Zeitpunkt der Veröffent - li chung des Albums im Dezember 1967 war Oldham nicht mehr Manager der Band. Man hatte sich im gegenseitigen Einvernehmen ge - trennt, gab aber unterschiedliche Gründe an. Oldham behauptete, man habe begonnen, „sich gegenseitig zu langweilen“, während die Rolling Stones der Auffassung waren, keinen Manager mehr zu benötigen. Anstelle ihres Ex-Managers produzierte der erfolgreiche Jimmy Miller bis 1973 einige der bedeutendsten Alben der Rolling Stones. Oldham hingegen widmete sich seinem Platten-Label Immediate, das er im August 1965 gegründet hatte. Es ging in Konkurs und schloss im März 1970 die Pforten. Jones hatte schon vor der Gründung der Rolling Stones ein ausschweifendes Leben ge - führt. Dies hatte er fortgesetzt, und unter dem Einfluss von immer mehr Drogen wurde sein Lebenswandel immer erratischer. Die Drogen hatten gesundheitliche Spuren hinterlassen. Jones war zudem mit der musikalischen Ent - wick lung der Band nicht einverstanden. Über - dies wäre er gern ein gefeierter Popstar gewesen, stand aber im Schatten von Jagger und Richards. Sichtbar war das zum Beispiel bei dem Videoclip-artigen Film, den die Band zu ihrer Ende Mai 1968 erschienenen Hit-Single „Jumping Jack Flash“ mit Jagger im Zentrum gedreht hat. Es war einfach atemberaubend, die fantastisch aufgelegte Band mit diesem Rock-Klassiker damals im legendären Beat-Club auf der Mattscheibe zu erleben. Von ihren psychedelischen Ausflügen hatten sich die Rolling Stones verabschiedet. Jimmy Miller produzierte mit dem Meilenstein- Album „Beggar’s Banquet“ von Dezember 1968 sein erstes Rolling-Stones-Album. In Deutsch - land kam es auf einem cremefarbigen Cover heraus, das vorn nur mit dem Titel des Albums versehen war. Das von den Rolling Stones ausgewählte Bild einer verschmutzten öffentlichen Der Erfolg hatte der Band bald Wohlstand be schert. Das rastlose Leben zwischen Studio, Bühne, Funk, Film und Fernsehen, der Star- Ruhm mit all seinen Möglichkeiten, reichlich Sex zu haben, sowie der verbreitete schnelle Griff zu Drogen bereitete aber zumindest Jagger, Jones und Richards zugleich massive persönliche Probleme. In den 1960er-Jahren gerieten die drei mit dem britischen Strafgesetzbuch in Konflikt, Jagger und Richards kamen vorübergehend ins Gefängnis. Die Single „We Love You“ vom September 1967, ein würdiger Nachfolger der vorausgegangenen Single-Titel „Let’s Spend The Night Together“ und „Ruby Tuesday“, be - schäftigte sich unter anderem damit und be ginnt akustisch mit zuschlagenden Ge fäng - nis toren. musiker Magazin 3/2019

STORIES 35 werten Film „One Plus One“ fest, der in anderer Schnittfassung als „Sympathy For The Devil“ bekannt ist. Godard verdichtet die Rolling Stones und ihre Musik mit politischen Dokumentar - szenen aus Vergangenheit und Gegenwart zu einer Analyse der jugendlichen Gegenkultur der 1960er-Jahre. War Jones bei dem im Dezember 1968 ge - filmten Rolling Stones „Rock and Roll Circus“ noch dabei, nahm er im Frühjahr 1969 an den Aufnahmen zur nächsten LP nur noch an zwei Songs teil. Völlig den Drogen verfallen, hatten ihn körperliche und psychische Probleme aus der Bahn geworfen. Seine musikalischen Pläne hatten sich zerschlagen und seine Freun din Anita Pallenberg hatte ihn verlassen, um künftig mit Richards zusammen zu leben. In der Band galt Jones, der einmal eine Quelle der Inspiration für sie gewesen war, nicht länger als zuverlässig. Deswegen eröffneten ihm Jagger, Richards und Watts im Juni 1969, er müsse die Band verlassen. Sie boten ihm dafür lebenslang eine namhafte jährliche Zahlung. Danach soll Jones laut Alexis Korner geplant haben, eine blues orientierte Band zu gründen. Vollge pumpt mit Drogen ertrank Jones jedoch am 3. Juli 1969 im Swimming Pool seines Anwesens. Wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Alan Wilson wurde er nur 27 Jahre alt. Die Ermitt lun gen gingen von einem Unglück aus; bis heute hält sich aber das Gerücht, er sei ertränkt worden. Seit April 1967 waren die Rolling Stones bis auf einen Live-Auftritt im Londoner Wembley Stadion im Mai 1968 nicht mehr öffentlich auf der Bühne gewesen. Zum Start einer neuen Tournee hatten sie für den 5. Juli 1969 im Londoner Hyde Park ein eintrittsfreies Konzert vorgesehen. Bei dieser Gelegenheit sollte ihr neuer Gitarrist Mick Taylor, Jahrgang 1949, erstmals mit ihnen auftreten. Taylor kam von John Mayalls Bluesbreakers und hatte mit den Rolling Stones bereits den Mega-Hit „Honky Tonk Women“ eingespielt, der auch auf dem Programm des Konzertes stand. Als die Band von Jones’ Tod erfuhr, funktionierte sie den Hyde-Park-Auftritt um in ein Gedächtniskonzert für Jones. Jagger rezitierte eingangs eine Ge - dicht-Passage und 3 500 Schmetterlinge wurden aus Kartons in die Freiheit entlassen. Das Konzert wurde fürs britische Fernsehen gefilmt und gekürzt gesendet. Eingeschnitten wurden Passagen eines Interviews mit Jagger, der dabei wohl unter Drogeneinfluss stand. Im deutschen Fernsehen präsentierte der Beat-Club kurze Ausschnitte aus dem TV-Film, bevor er Anfang Mai 1970 im Nachmittagsprogramm der ARD zu sehen war. »War Jones bei dem im Dezember 1968 Toilette mit reichlichen Wandschmierereien wurde hierzulande erst Jahre später abgedruckt. Jones wirkte an dem Album nur noch eingeschränkt mit. Wunderbar kommt seine ge filmten Rolling Stones Slide-Gitarre bei dem Song „No Expectations“ „Rock and Roll Circus“ zur Geltung, der thematisch wie auf Jones’ Ver - fassung zugeschnitten wirkt. „Beggar’s Banquet“ noch dabei, ist ein Meisterwerk. Auf der einen Seite hat sich nahm er im Frühjahr 1969 die Band auf ihre musikalischen Wurzeln zurück - besonnen. Andererseits aber hat sie Country an den Aufnahmen und Blues für sich selbst neu definiert und damit zur nächsten LP nur noch an zwei Songs teil. ihre musikalischen Ursprünge eigenständig weiter entwickelt. Thematisch sind der berühmte Eingangssong „Sympathy For The Devil“ und die spätere Single-Auskopplung „Street Fighting Völlig den Drogen Man“ Ausdruck ihrer Zeit und gegen den Strich verfallen, hatten ihn gebürstet. Die Reporter-Frage, ob die Band sub - versiv sei, beantwortete Richards mit: „Natürlich körperliche und psychische sind wir subversiv!“ Probleme aus der Bahn geworfen.« Das Zustandekommen von „Beggar’s Ban - quet“ hielt der französische Nouvelle-Vague- Re gisseur Jean-Luc Goddard in seinem sehens - 8 3/2019 musiker Magazin

Archiv

Musiker Magazin 4/2018 | 1/2019
Musiker Magazin 2/2019
Musiker Magazin 3/2019
Musiker Magazin 1/2018
Musiker Magazin 2/2018
Musiker Magazin 3/2018
Musiker Magazin 4/2018 | 1/2019
Musiker Magazin 02/2017
Musiker Magazin 04/2016 – 01/2017
Musiker Magazin 3/2017
Musiker Magazin 4/2017
Musiker Magazin 04/2015 – 01/2016
Musiker Magazin 02/2016
Musiker Magazin 03/2016
Musiker Magazin 04/2016 – 01/2017
Musiker Magazin 01/2015
Musiker Magazin 02/2015
Musiker Magazin 03/2015
Musiker Magazin 04/2015 – 01/2016
Musiker Magazin 01/2014
Musiker Magazin 02/2014
Musiker Magazin 03/2014
Musiker Magazin 03/2013