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Musiker Magazin 2/2021

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

62 REZENSIONEN DIE PLANK

62 REZENSIONEN DIE PLANK »Schwer zu leicht« Hinter dem lässigen Namen DIE PLANK versteckt sich Julia Plank, eine feinfühlige Powerfrau, die was zu sagen bzw. zu singen hat. Auf ihrem Album „Schwer zu leicht“ hat sie wunderbar eingängige und dabei abwechslungsreiche Melodien und Texte zu einem überzeugenden Gesamtpaket geschnürt – zusammengehalten wird alles von ihrer Eisbonbon-Stimme, mit der sie die Popsongs mit Chanson-Einschlag glänzend darbietet. Ihre Songtexte zeichnen sich durch eine feine Poesie und ehrliche Einblicke in ihre Gefühls- und Gedanken - welt aus. Dabei wechselt sie, gemäß dem Albumtitel, zwischen nachdenklichen und lockerleichten Inhalten und Me - lo dien, greift die Wechselströmungen des Lebens auf und gibt sie in ihren Songs wieder. In „Leben“ geht es um den Sinn und Unsinn des Lebens, das durch die Liebe eine Richtung erhalten kann. Ein absoluter Gute-Laune-Song, der Hoffnung ausstrahlt, ist „Jetzt geht die Sonne auf“. Schöne Textperlen wie „Der Raum ist leer und es tanzt nur das Licht mit den Motten, ich tanze nicht“ finden sich im Song „Halt mich“, der mit einem beschwingten Walzer- Rhythmus doch eigentlich sehr zum Tanzen einladen würde. Sogar Kritik bringt DIE PLANK galant rüber: Dass sie mit der „Großen Stadt“ nicht so ganz warm wird, verpackt sie herrlich charmant und versetzt ihre Hörer*innen durch den ge - schickten Einsatz von Akkordeon gedanklich nach Paris. www.die-plank.de L.K. GABY JOGEIX »Meanwhile In New Orleans« Gaby Jogeix liefert seit Jahren Musik ab, die ihresgleichen sucht. Er verbindet Blues, Soul und Rock so perfekt miteinander, dass einem sein neues Album „Meanwhile in New Orleans“ regelrecht in einen Bann zieht. Gleich beim Opener „Right Way To Love You“ steht noch der Soul im Vorder - grund, unterlegt mit einer leichten und nicht aufdringlich gespielten Gitarre, die dennoch dem Song seine eigene Note gibt. Aber schon bei „Fair Green“ überwiegen die Blues- Elemente, hier kitzelt er dreckige bis melodiöse Töne aus seiner Gitarre heraus. Aber Gaby Jogeix lässt auch leichte Gospel-Töne zu wie auf „In My Dying Hour“. Über die ge samte Spiellänge seines neues Werkes merkt man aber schon, dass er den Blues mit Herz und Seele lebt und liebt, auch wenn sich immer wieder Soul-Einflüsse einmischen. Höhepunkt des Albums bildet „I’m Gonna Get There“, hier verbindet er alle genannten Genres perfekt miteinander. Sein Gesangs - organ kommt über das ganze Album mit sehr viel Power daher, weiß aber auch, zum richtigen Zeitpunkt langsame Töne anzuschlagen. www.gabyjogeix.com/label/gaby-jogeix/ M.D. DIE SARGNÄGEL »Ars Vivendi – Liebe, Leid & Lügen« In schweren Zeiten über lustige und fröhliche Zeiten zu singen fällt sicherlich nicht jedem leicht. Die Folk-Mittelalter- Band DIE SARGNÄGEL wollen den Menschen mit ihrem Debüt-Album „Ars Vivendi – Liebe, Leid & Lügen“ Mut machen und ein wenig Licht in die dunklen Zeiten bringen. Es wird gefeiert, getrunken, getanzt und gelacht. Gleich beim Opener „Ars Vivendi“ wird einem Wein eingeschenkt und man wird zum Tanz aufgefordert. Menschen sollen fröhlich zusammensitzen und das auch in vollen Zügen genießen. Wer auf Bands wie DIE IRRLICHTER oder DUNKELSCHÖN steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Aber sie können auch auf die Miss stände der Gesellschaft aufmerksam machen, wie beim vorzüglichen „Der Fleischer“. DIE SARGNÄGEL prangern die Zeit an, in der wir leben, nämlich voll von Profit und Gier. Das High light auf dem Album bildet „1 000 Lichter“, man will den Leuten Mut machen für die Zukunft. Es wird nicht infrage gestellt, ob wir alle mal wieder ein „normales“ Leben führen werden, sondern festgestellt, dass wir es wieder führen werden. Lebens bejahende Texte mit toller Musik, so soll es sein. www.facebook.com/galahad.germany M.D. LAINO & BROKEN SEEDS »Sick To The Bone« LAINO & BROKEN SEEDS wurden 2013 auf der Upper Westside in New York geboren, als ein Italiener an einem Scheideweg seines Lebens in einer verrauchten Bluesbar saß. Mit einem Notizbuch voller Geschichten kehrte er ins heimische Bologna zurück und brachte diese dann als Straßen musiker auf den heimischen Straßen von Bologna. Aus diesen musikalischen Geschichten entstand das Duo LAINO & BROKEN SEEDS. Seitdem arbeitet man auf einen urtümlichen und vintagelastigen Roots- und Bluessound hin und erschafft so einen Sound, der zwischen Rural Blues und Alter native-Rock fällt. „Geboren auf den Bürgersteigen meiner Stadt, ist dieses Projekt tief verwurzelt in der Tradition der Straßenmusik. Ich singe Songs über das Alltagsleben, Träume und persönliche Mythen. Im Einklang mit meinen musikalischen Wurzeln Delta- Blues und Americana versuche ich, die Songs auf verschiedenste Weisen auszuleuchten. Für mich ist das eine Art ‚Land‘, in dem ich geheimnisvolle Samen säe; manchmal werden sie von der Zeit schlecht behandelt, verbrennen oder gehen kaputt. Und dennoch wachsen aus ihnen Früchte.“ Das sagte Laino zu Zeiten seiner LP „The Dust I Own” von 2017. Mit „Sick To The Bone” ist nun die Nachfolgescheibe erschienen und zuallererst und am wichtigsten ist zu konstatieren: Der Albumtitel spiegelt nicht das auf selbigem enthaltene Klanggut wider. LAINO & BROKEN SEEDS sind ihrer eigenen Auslegung des über den Tellerrand schauenden Blues treu geblieben. Hier gibt es Boogie, Bottlenecks und eine ordentliche Portion psychedelischen Bluesrock. Das ist zwar nichts für Südstaaten-Puristen, aber als „Aus wärtiger“ wäre es ja auch schade, wenn Laino hier bekannte Kost aufgewärmt hätte. So ist „Sick To The Bone” ein aufregender und unorthodoxer Blues-Mix, der durchgehend Spaß macht. www.lainobrokenseeds.com P.S. REFLECTION CLUB »Still Thick As A Brick« Auf dieses Werk könnte der Querflötenzauberer Ian Anderson stolz sein, wäre es aus seiner Feder geflossen. Sage und schreibe 49 Jahre nach dem Jethro-Tull-Meisterwerk „Thick As A Brick“ erscheint ein Album von Tribute-Musikern in Anlehnung an das Original. Der Multiinstrumentalist Lutz Meinert und George Boston steuerten die Lyrics bei, die REFLECTION CLUB in „Still Thick As A Brick“ verarbeiteten. Sänger Paul Forrest kommt seinem Original zum Ver wechseln nahe. Bei klassischer Jethro-Tull-Instrumentierung schwelgt die Band in rockigen, klassischen und jazzigen Sphären virtuos und frisch, wie seinerzeit das Prog-Original. Wie damals scheint es wie aus einem Guss, ein Song, ohne die Vinylplatte umdrehen zu müssen, ein Konzeptalbum. Wie geht die darin erzählte Geschichte des Protagonisten des Albums Gerald Bostock weiter? Vielleicht findet sie hier eine Fortsetzung? Nachdem Ian Anderson eine Fortsetzung, betitelt mit „Thick As A Brick Part II“, im Jahr 2012 vorstellte, wirkt die Aus - gabe von REFLECTION CLUB wie ein alternativer und würdiger weiterer Nachfolger. Jedenfalls ist das „Hear and Feel“ ganz nah bei Jethro Tull. Ein ambitioniertes und meisterhaftes Album von REFLECTION CLUB. www.madvedge.com C.S. www.musiker-online.tv

REZENSIONEN 63 lenweise düsteren und wankelmütigen Texten entsteht eine bittersüße Stimmung, die mit „Sommermelancholie“ wohl am besten beschrieben ist. Für dieses Album muss man sich Zeit nehmen – denn wenn man sich nicht voll darauf einlässt, besteht die Gefahr, dass es an einem vorbeifliegt und den Eindruck von Beliebigkeit erweckt. Mit der entsprechenden THE FLAMING SHOES FEAT. JARROD COOMBES »Jump Jive Swing« Die mehrfachen deutschen Rock-&-Pop-Preisträger FLA- MING SHOES präsentieren ein Rock’n’Roll-Album aus ihren Re cording Sessions mit dem Kontrabassisten Jarrod Coombes (Ex-Keytones). Die Brüder Benny (Drums, Backing Vocals) und Bastian (Piano, Accordion, Vocals) spielten schon als junge Buben, inspiriert von The Beatles und Jerry Lee Lewis, ge meinsam auf der Bühne. Mit bestens aufgelegten Musikern zelebrieren sie die 50er-Jahre der ersten Rock’n’Roller wie Chuck Berry oder Fats Domino. Ebenso brennen die Schuhe bei Toby Schwietering (Bass, Kontra - bass), Jörg Langanke (Kontrabass) und Michael Minholz (Guitars). Das Line-up wird mit einem ganzen Bläsersatz komplettiert. Mit dem hochwertigen Vinyltonträger dieses Albums kommt das Ballroom Feeling ins Wohnzimmer. Denn das Orches ter frönt dem Sound konservativ und ohne Kom promisse an die Neuzeit. Das ist konsequent und deshalb sensationell gut. Klassiker gibt’s auch, so zum Beispiel die Dean-Martin-Version von Domenico Modugnos „Volare“. Dazu gesellt sich Louis Primas „Jump, Jive & Wail“. Das hat sich schon Brian Setzer zu eigen gemacht und THE FLA- MING SHOES stehen dem in nichts nach. Hoffentlich bald wieder postpandemisch auf der Live-Bühne. www.theflamingshoes.de C.S. THE GOLDEN CREEK »Heartbreaks And Breakdowns« Unter die Haut wollen THE GOLDEN CREEK mit ihrem Album „Heartbreak And Breakdowns“ gehen und nutzen als musikalische Tattoo-Nadel dafür warmen, harmonischen und melan cholischen Americana mit ebenso melancholischen, nostalgischen und bisweilen düsteren Texten. Angereichert durch eine hörbare Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die oft so gar nicht zur textlichen Schwere passen möchten, klingt das wie ein gelungener Mix aus A. A. Bondy, Eric Clapton, John Mayer und James Blunt – Letzterer, weil Matthias Abels mittenlastige Stimme des Öfteren an die britische Gold kehle in dessen ruhigen Momenten erinnert. Ein Großteil der Songs bewegt sich im unteren Tempobereich und dürfte daher die beste Begleitung für eine entspannte Fahrt auf der Landstraße an einem Sommerabend sein. In Verbindung mit den stel- Aufmerksamkeit wird „Heartbreaks And Breakdowns“ zu einem Kleinod der hiesigen Americana-Szene. www.thegoldencreek.com P.S. THOMAS BATTENSTEIN »Soundtrack Of My Life« Der Verlagsgründer, Gitarrenlehrer und Virtuose stellt seinen „Soundtrack Of My Life“ vor. Ein Doppelalbum, getrennt nach Akustik- und E-Gitarre, kreierte Thomas Battenstein, ein absoluter Künstler seines Fachs. Nach seiner ersten Band in den 70ern und der 80er-Rockband Nox Nox, mit der er mediale Aufmerksamkeit im TV feierte, beschäftigte er sich zunehmend als Solokünstler mit den klingenden Saiten. Er präsentierte unplugged oder mit Halbplaybacks Klassiker des Rock und Pop, unter anderem von den Beatles oder JJ Cale. Erfolg reich waren auch seine besonderen Interpretationen von Weihnachtsliedern. Unter seinem ganz persönlichen Motto „Einfach weitermachen“ – seiner Buch - veröffentlichung, die gut in unsere Zeit zu passen vermag – stellt er diesen seinen neuen Hörgenuss vor. Viele Eigen - kompositionen gesellen sich zu einem Beatles-Cover und einigen Traditionals. Die Akustikstücke klingen oft leicht jazzig in Latin Vibes, gefühlvoll, persönlich und wohlgefällig. Die Percussion-Symbiose zur Gitarre kreierte Kurt Schütze. Mit der E-Gitarre schafft Thomas Battenstein getragene Melodien, an Smooth Jazz angelehnt, manchmal funkig verspielt, mal bluesig stimmungsvoll. Eine Anekdote aus seinem Leben ist „Mir gings’ doch ganz gut“, Latin rockig und melancholisch. Mein Rock-Favorit: „Lines & Spaces“. Nostalgie für Gitarren zuhörer mit Lebenslust: Empfehlung! www.tomtemusic.de C.S. 4 ZIMMER KÜCHE BADEZIMMER »Lasst Liebe Regieren« Deutscher Punk bzw. Pop-Punk war ja eine ganz Zeit irgendwie von der Bildfläche verschwunden. Von den Toten Hosen oder den Ärzten kam nicht mehr viel, aber jetzt sind sowohl die genannten Bands als auch die Broiler und Donots wieder aktiver und bringen neue Musik unter die Leute. Also höchste Zeit, dass 4 ZIMMER KÜCHE BAD mit ihrem neuen Album „Lasst Liebe Regieren“ Dampf ablassen. Gleich beim Opener, dem Titellied, überrollen sie einen förmlich und lassen einem fast keine Zeit zum Atmen. Sozialkritische Texte, dieden Leuten den Spiegel vors Gesicht setzen, dass ist ihr Ziel, und solange es noch solche Bands gibt, steht die Musik nicht am Abgrund. „Egoland“ und „World Wide Web Emotion“ sind perfekte Beispiele, wie man der Gesellschaft den Finger zeigt und sie zum Umdenken bewegen kann. Über zwölf Lieder lang befindet man sich in einem Schnellzug, aber dann legen sie einem zum Abschluss die akustische Anti-Ballade „Sicher in Gefahr“ vor, sodass man sich erholen kann, nur um gleich wieder die Nadel auf Anfang zu legen. www.facebook.com/vierzimmerkuechebad M.D. GEORGIO FARINA’S »The Original Meets Gospel – Praise The Lord« Georgio Farina ist jetzt schon seit zwölf Jahren mit seinem Projekt „The Original Meets Gospel“ unterwegs, dies auch immer mit abwechselnden Interpreten. Bei seinem neuesten Album „Praise The Lord“ hat er unter anderem Claudia Cane, Nana Petrossi und den Ex-Toto-Sänger Jean-Michel Byron mit an Bord. Dieses Werk setzt sich aus religiösen Liedern zusammen, die tatkräftig von einem Gospelchor unterstützt werden. Beim Titellied „Praise The Lord“ lässt sich am besten erkennen, wohin die musikalische Reise geht: kraftvoller Ge - sang, der mit einem Chor, Bläsern, Gitarren und Percus sions unterlegt wird. Aber es geht auch ein wenig leiser wie auf „Sometimes“, hier wird die ganze Fragilität, aber auch zum nötigen Zeitpunkt die Power der Stimme von Nana Petrossi gezeigt. Jeder, der sich für Gospel und christliche Musik interessiert, wird hier ein Album vorfinden, das ein einziger Genuss ist. Aber es ist auch ein schöner Einstieg für alle, die sich bisher noch nicht mit diesem Musikgenre beschäftigt haben. Also zugreifen und die Seele baumeln lassen. www.rockmeetsgospel.com M.D. FLYING PENGUIN »Orange« „Die Menschheit vor sich selbst zu retten, das wäre doch was.“ Gewagte These, mit der die Punkrocker von FLYING PENGUIN in ihre Albumpromo zu „Orange“ einsteigen. Was bei der präventiv-proaktiven Fridays-for-Future-Bewegung sicher noch einige Zustimmung finden wird, dürfte so manchen liberalen Politiker*innen die Zornesröte ins Gesicht 8 2/2021 musiker MAGAZIN