Aufrufe
vor 3 Wochen

Musiker Magazin 2/2021

  • Text
  • Deutscherrockpoppreis
  • Arrest
  • Spacemueller
  • Shinamaage
  • Voyageriv
  • Tonland
  • Paulbartsch
  • Samiya
  • Kerstinbogensee
  • Vocalskills
  • Randycalifornia
  • Spirit
  • Wwwmusikermagazinde
  • Cassidy
  • Mick
  • Magazin
  • Deutschen
  • Musiker
  • Musik
FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

48 STORIES »Spirits

48 STORIES »Spirits Auftritt in der zweiten Rockpalast-Nacht am 5. März 1978, der in Bild und Ton festgehalten wurde, ist Legende. California spielte so mitreißend Gitarre und bediente dazu einen Foot Pedal Synthesizer, dass es den WDR- Aufnahmeleiter nicht hinter der Kamera hielt und er zu Spirits Musik mittanzte.« angewachsenen Nachlass-Album „Randy California and Spirit: „The Euro-American Years 1979-1983“ von 2020 zu finden ist; 2007 hatte das Set noch 4 CDs umfasst. Jedoch muss auch dieses Unternehmen für California, der sich erneut in einer Phase psychischer Instabilität be fand, unbefriedigend gewesen sein. Denn abermals entschied er sich gegen Spirit für eine Solokarriere. In deren Verlauf kam er mit verschiedenen früheren Mit - gliedern zusammen. Das erste Soloalbum war 1982 „Euro-American“ beim britischen Label Beggars Banquet. Es teilte sich tatsächlich auch musikalisch in zwei Hälften und spiegelte die unterschiedlichen Musik - auffassungen beider Kontinente wider. „Euro-American“ konnte mit guten Stücken punkten und wurde bei Beggars Banquet begleitet von dem Mini-Album „All Along The Watchtower“ mit fünf weiteren Songs. Kurioserweise lagen „Euro-American“ in Großbritannien die beiden besten Songs „Shattered Dreams“ (eines der eindrucksvollsten California-Stücke überhaupt) und „Magic Wand“ nur auf einer kostenlosen Single bei. Von „Fearless Leader“ hatte California auch eine deutsche Fassung mit dem Titel „Grosser Herrscher“ eingespielt. Das mag ein Vorbote seiner 1983 in Deutsch - land bei Line Records veröffentlichten LP „Shattered Dreams“ mit ihren vielen überzeugenden Songs ge - wesen sein. „Grosser Herrscher“ war aber nicht dabei, dafür „Hey Joe“, aufgenommen auf dem Hamburger Stadtpark-Festival „Line’s Greatest Lines“. 1982 tourte California mit seiner Band in Großbritannien und brillierte auf den Festivals von Reading und Glaston bury in bester Spiellaune, wovon man sich auf dem genannten 6-CD-Set überzeugen kann. 1982 hatte davon nur der Titel „Come On Woman“ den Weg auf das Doppel - album „Reading Rock Volume One“ gefunden. 1982 kam es dann doch rund zwölf Jahre nach dem Auseinanderbrechen der Originalbesetzung von Spirit zu einer echten Reunion – obwohl California 1972 geäußert hatte, nie wieder mit Ferguson zusammenarbeiten zu wollen. Gemeinsam spielte man live im Studio einige neue Songs ein und nahm alte neu auf. Das sehr hörenswerte Album kam im Juni 1984 unter dem Titel „The Thirteenth Dream“ in Deutschland heraus, wo auch eine Maxi-Single erschien mit der Neuaufnahme von „Elijah“. Diese Version ist seither nicht wieder veröffentlicht worden. In den USA hieß das Album „Spirit Of 84“ und hatte ein anderes Cover. Der Erfolg blieb jedoch aus, und nach einigen Live- www.musiker-online.tv

STORIES 49 Auftritten zur Werbung für dieses Album, bei denen Bassist Scott Monahan Ferguson ersetzte, trennte sich die Spirit-Formation endgültig. 1985 entstand Californias nächstes Soloalbum „Restless“ mit wieder anderen Musikern und ohne Cassidy, das 2003 mit sieben Bonustracks neu veröffentlicht wurde. Das war ein modernisiert klingender Spirit-California, der sich eigens dafür auch eine neue Frisur statt seiner bisherigen Mähne zugelegt hatte. Im Vordergrund standen einmal mehr Californias melodisches und gleichzeitig energiereiches Songwriting und seine unverwechselbare Gitarre. Herausgegriffen seien die Songs „Second Child“, „Restless Nights“ und das bluesige Stück „Childhod’s End“. Seine bewährte Musik fand zumindest in Großbritannien großen Zuspruch. Mit dem „Restless“-Programm ging California auf Tournee, auf der ihn unter anderem Bassist Monahan begleitete, der künftig häufiger mit California zusammenarbeitete. 1988 war California unter anderem mit Alvin Lee auf dem Sampler „Music Too Good For Words, Two“ mit seinem Song „The Prisoner“ vertreten und 1989 mit einem Auftritt auf der „Night Of The Guitar“. Dann aber rief California gemeinsam mit Cassidy und Locke ein weiteres Spirit-Trio ins Leben, das zum Teil im Stil des New Wave 1989 die CD „Rapture In The Chamber“ vorlegte. Im Jahr darauf folgte „Tent Of Miracles“ mit dem Bassisten Mike Neil, mit dem dieses Spirit-Trio auch auf Tournee ging. Die Band spielte auf hohem Niveau, von dem neue Songs wie „Border- line“ und „Love from here“ zeugten. Als „Tent Of Miracles“ 2020 wiederveröffentlicht wurde, war die Aufzeichnung eines ausgezeichneten Auftritts in Amsterdam vom März 1990 dabei. Noch zu Californias Lebzeiten erschien 1995 der sehr schöne Auftritt „Live At La Paloma“, nun wieder mit dem bewährten Bassisten Monahan. Mit dem letzten offiziellen Spirit-Album „California Blues“ von 1996 gelang California noch einmal musikalisch ein großer Wurf, zu dem er Cassidy, Matt Andes und den Bassisten Steve Loria versammelt hatte. Californias Qualitäten als Musiker, Sänger und Instrumentalist sind hier versammelt. Das Duett „Call On Me“ mit Andes’ 15-jähriger Tochter Rachel geht mit seiner un ver gleich - lichen Schönheit unmittelbar unter die Haut. Blues- Stücke wie „Crossroads“, „Song For Clyde“, „Pawn Shop Blues“, „Sugar Mama“ und Hendrix’ „Red House“ machen deutlich, welche Lücke Californias Tod gerissen hat. Unterstrichen wurde dies durch die Wieder - veröffentlichung „California Blues Redux“ von 2009 mit Bonustracks und einem Live-Konzert aus dem Jahr 1993. herausgibt, sind nicht die einzigen. Von 2000 bis 2011 kamen noch sieben weitere 2-CD-Sets mit einer Fülle von Studioaufnahmen (fertig produzierte Stücke und Demos) und Live-Mitschnitten heraus. Sie lassen sich in etwa wie folgt einordnen: „Sea Dream“ (2002) aus der Zeit von 1987 bis 1996 mit der sehr schönen „Sea Dream Suite“, „Live From The Time Coast“ (2004) aus der Zeit von 1989 bis 1996, „Cosmic Smile“ (2000), „Blues From The Soul“ (2003) und „Son Of America“ (2005) aus der Zeit von 1990 bis 1995, Letzteres 2021 um eine weitere Live-CD erweitert, „The Last Euro Tour“ (2010) von November 1991 mit vielen elektrisierenden Stücken und „Tales From The Westside“ (2011) aus der Zeit von 1992 bis 1995, als Spirit gegen schwindende Zu - schauerzahlen kämpfen mussten und gleichwohl das Beste gaben. Für diejenigen, die sich für California und Spirit begeistern, sind auch diese Sets eine Fundgrube, die über gelegentliche aufnahmetechnische Unzulänglich - keiten hinwegsehen lassen. California war offenbar ähnlich kreativ und produktiv wie sein großes Vorbild Jimi Hendrix, und auch von California wurde zu seinen Lebzeiten sehr viel weniger offiziell vermarktet. Ob Skidmore aus dem Nachlass noch mehr zutage fördert, bleibt abzuwarten – und nach der vielen hervorragenden Musik, die er bisher vorlegen konnte, auch zu hoffen. NÄCHSTE FOLGE: JIM MORRISON UND THE DOORS TEXT: DR. NORBERT APING BACKGROUND: © HANNA ABRAZHEVICH / ADOBE STOCK DR. NORBERT APING Geboren 1952, Buchautor und Direktor des Amtsgerichts a. D. in Buxtehude Die wiederholt angesprochenen Veröffentlichungen aus Californias Nachlass, die Mick Skidmore seit Jahren 2/2021 musiker MAGAZIN