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Musiker Magazin 2/2021

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

46 STORIES knapp

46 STORIES knapp 14-minütige Fassung von „All Along The Watchtower“, die auf achteinhalb Minuten gekürzt wurde, als 2015 ein anderes Label „Spirit At Ebbets Field“ auf den Markt brachte, um das Konzert auf nur eine CD pressen zu können. All diese Live-Auf nahmen auf „Salvation ... The Spirit Of ’74“ enthalten echte Perlen, die für die zuweilen eingeschränkte Ton qualität der Aufzeichnungen entschädigen. Die Live-Präsenz der neuen Spirit-Formation wurde schließlich die Basis für ein neues Album. Am 2. März 1975 sollte der Ex-Ten-Years-After-Gitarrist Alvin Lee in Tampa mit Spirit im Vorprogramm auftreten, sagte aber kurzfristig ab. California nutzte die Gelegenheit, stattdessen mit Spirit allein aufzutreten. In Überein stim - mung mit dem Konzert-Promoter übernahm er auch den Ticketverkauf. Das zahlte sich aus, denn auf diese Weise kam genügend Geld für die Miete des Auf nah me - studios zusammen. Dieses Mal übernahm California sowohl die Produktion als auch die künstlerische Lei - tung. Er spielte sämtliche Instrumente und meistens auch den Bass. An den Drums aber saß wieder der bewährte Cassidy. Das Doppelalbum „Spirit Of ’76“ wurde im Mai 1975 veröffentlicht und ist das wohl geschlossenste Spirit-Album, dem man auch keinen Eklektizismus vorhalten konnte. Es konzentrierte sich auf Californias Qualitäten als virtuoser, experimentierfreudiger Gitarrist, der wie bei „Kapt. Kopter And The (Fabulous) Twirly Birds“ der alleinige Sänger war. Die Songs zeichnete mitunter eine traumwandlerische Schönheit aus, wie die beiden Songs am Anfang der ersten LP. Zudem wurden klangliche Reinheit und verträumte Töne mit entrückten Klängen gemischt. Etwas musikalisch anreichernd wurden die technisch verfremdeten Sprach sequenzen „Jack Bond Pt. 1-2“ und die „Tampa Jam Pt. 1-3“ als „Electro Jam From The Time Coast“ eingestreut. Hätte Jimi Hendrix, der auch solche technischen Extravaganzen schätzte, anno 1975 womöglich ähnlich geklungen? Spirit wirkten wie neugeboren und ließen als Referenz an die Finanzierung auf das Cover der Doppel-LP drucken: „Thanks to Alvin Lee for cancelling.“ California, Cassidy und Keene hatten während der Arbeit an „Spirit Of ’76“ weitaus mehr Songs aufgenommen. Aus diesem beträchtlichen Fundus wurde das Folgealbum „Son Of Spirit“ zusammengestellt und nur wenige Monate später im Oktober 1975 veröffentlicht. Auch wenn es nicht ganz so stark wie das Doppel album war, geriet „Son Of Spirit“ zu einem beachtlichen Nach - folger. Stücke wie „Family“, „Circle“ und „The Other Song“ beweisen die hohe musikalische Kompetenz der Band, die zum Beispiel aus einem erdigen Blues ein sphärisches Abenteuer entstehen ließ. California coverte immer wieder auch Songs anderer Musiker. www.musiker-online.tv

STORIES 47 Hier hatte er sich dem Beatles-Klassiker „Yesterday“ zugewandt, dem er neue Seiten abgewann. Spirit hatten sich erholt und zu neuer Kraft gefunden. Noch weitere Studioaufnahmen aus der Vorbereitungsphase von „Spirit Of ’76“ sind auf „Salvation ... The Spirit Of ’74“ zu finden. Danach reformierte sich überraschenderweise fast wieder die Originalbesetzung von Spirit, bis auf Ferguson, der durch Andes’ Bruder Matt ersetzt wurde. Die Neuauflage erweiterte das musikalische Spektrum von „Spirit Of ’76“ und „Son Of Spirit“, auch wenn California fast alle Stücke geschrieben hatte. Es waren Anklänge an die Musik der Band der ersten vier Spirit- Alben zu hören, aber auch Funk-Einflüsse und sogar Disco-Ausflüge („Atomic Boogie“), die im Kosmos der Spirit-Musik nicht störten. Das Album „Farther Along“ erschien im Juni 1976 und ist auch heute noch hörens - wert, wie die Songs „World Eat World Dog“, „Mega Star“ und „Nature’s Way“ zeigen. „Nature’s Way“ ist natürlich bekannt von „Twelve Dreams Of Dr. Sar do ni - cus“, aber auf „Farther Along“ wurde es als einfühlsames Orchesterwerk präsentiert. Die Reunion endete jedoch schnell wieder. Das nächste Spirit-Album „Future Games (A Magical-Kahauna Dream)“ von April 1977 war im Grunde ein weiteres California-Soloprojekt. Er nahm bis auf die Drums, die Cassidy spielte, fast alles selbst in die Hand. Unter dem Pseudonym Dr. Sardonicus war er außerdem der Pro - duzent. Daraus resultierte allerdings kein konsistentes Werk. California präsentierte vielmehr ein musikalisches Brainstorming mit zahlreichen außergewöhnlichen musikalischen Ideen, das die meisten Hörer ratlos zurückgelassen haben wird. Andere Musiker hätten daraus wahrscheinlich gleich mehrere Alben kreiert. California gelang es jedoch nicht, seine überbordenden Ideen auf den Punkt zu bringen, geschweige denn zu Ende zu führen. Das Ergebnis von „Future Games“ passte irgendwie zu dem verzerrten Cover von „Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus“ und wurde auch die Science- Fiction-Version des Spirit-Klassikers von 1970 genannt. Daher muss es für die Spirit-Gefolgschaft wie Balsam gewirkt haben, dass California, Cassidy und Bassist Larry „Fuzzy“ Knight anschließend als Power-Trio live auftraten. 1978 lieferten sie eine Reihe hochenergetischer Konzerte in den USA, in Großbritannien und in Deutschland. Spirits Auftritt in der zweiten Rockpalast- Nacht am 5. März 1978, der in Bild und Ton festgehalten wurde, ist Legende. California spielte so mitreißend Gitarre und bediente dazu einen Foot Pedal Synthe - sizer, dass es den WDR-Aufnahmeleiter nicht hinter der Kamera hielt und er zu Spirits Musik mittanzte. Das Publikum in der Essener Grugahalle geriet völlig aus dem Häuschen. Zum Schluss dieses denkwürdigen Konzertes kam noch Dickey Bett zu einer Jam auf die Bühne – er war mit seiner Band Great Southern in der Rockpalast-Nacht vor Spirit aufgetreten. Müsste man sich nur ein einziges Spirit-Album aussuchen, wäre das Rockpalast-Set mit zwei CDs und einer DVD wohl die erste Wahl. Außer dieser DVD scheinen kaum andere Spirit-Konzerte gefilmt worden zu sein. Denn es gibt nur noch eine Video History der Band und „Spirit in Concert“ aus ihrer Endphase in den 1990er-Jahren von 2003 vom Label Woodhaven Entertainment. Vor dem Rockpalast-Auftritt hatten Spirit ihr Publi - kum im Londoner Rainbow Theatre begeistert und nicht weniger als sechs Zugaben gespielt, darunter „Stone Free“ von Hendrix und dessen Version des Troggs-Hits „Wild Thing“. Damals erschienen Teile des Rainbow- Konzertes in drei voneinander abweichenden Fas - sungen als LPs: „Spirit Live“ in Großbritannien, „Made in Germany“ in Deutschland (nur die „Rockpalast Jam“ stammte aber aus Essen) und „Live Spirit“ in den USA, dort herausgekommen bei einem Label mit dem beziehungsreichen Namen Potato Records. 2008 war die Doppel-CD „Two Sides Of A Rainbow“ mit dem kompletten Londoner Auftritt samt Zugaben erhältlich. Sie umfasste auch den Inhalt der US-LP „Live Spirit“. Das Rainbow-Konzert war allerdings tontechnisch nicht optimal aufgezeichnet worden. Deswegen erschien 2019 das Set noch einmal in einer technisch überarbeiteten Fassung. Einen Einblick in diese hervorragende Phase des Power-Trios Spirit bietet zudem das 3- CD-Set „Rock and Roll Planet ... 1977-1979“ mit Kon - zertmitschnitten aus den USA und Studioaufnahmen, aus denen schließlich kein Album entstand. Leider gelang es auch dieser Spirit-Formation trotz ihrer enormen Musikalität und Live-Anziehungskraft nicht, eine dauerhafte gemeinsame Karriere zu gestalten. Das Trio-Projekt zerplatzte wie eine Seifenblase. Wehmut kommt auf, wenn man sich die fantastischen Live- Versionen von „All Along The Watchtower“, „Stone Free“ und „Downer“ anhört. California setzte sich freilich nicht zur Ruhe. Nach dem Aus des Trios mit Cassidy und Knight stellte er die Randy California Band zusammen. Dies war ein neues Trio, das in Großbritannien das Vorprogramm des Deep-Purple-Sängers Ian Gillian bestritt, der sich selbst - ständig gemacht hatte. Doch die Randy California Band erwies sich als noch kurzlebiger. Schon Anfang 1980 arbeiteten California und Cassidy wieder ge mein - sam und gingen 1981 als Spirit auf Tournee, um für das jüngst veröffentlichte Album „The Adventures Of Kaptain Kopter And Commander Cassidy in Potato - land“ zu werben. Aus dieser Zeit stammt ein Live-Mit - schnitt, der auf dem mittlerweile zu einem 6-CD-Set 8 2/2021 musiker MAGAZIN