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Musiker Magazin 2/2021

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

44 STORIES Led Zeppelin

44 STORIES Led Zeppelin an, die ihren Song allerdings erst 1971 auf ihrem vierten Album veröffentlichten. Mittlerweile ist der vor einigen Jahren dazu von Californias Nachlass - verwalter begonnene Urheberrechtsprozess zugunsten von Robert Plant und Jimmy Page entschieden worden, die behaupteten, „Taurus“ nicht gekannt zu haben, als sie „Stairway to Heaven“ schrieben und veröffentlichten. Anzumerken bleibt, dass Led Zeppelin 1969 auf dem Zenit des Erfolgs von Spirit live in deren Vor - programm spielten und später in ihr eigenes Pro gramm zeitweise „Fresh Garbage“ aufnahmen. Noch 1968 legten Spirit das zweite Band-Album „The Family That Plays Together“ vor, das sich im Stil nahtlos an die Debüt-LP anschloss und daher nicht mehr ganz so überraschend war. Vor allem punktete die zweite LP mit dem Hit „I Got A Line On You“ und dem furiosen „It’s All The Same“, die zum Live-Repertoire von Spirit und California wurden und dann in herrlichen Impro - visationen lang ausgespielt wurden. Spirit-Produzent Lou Adler brachte die Band ebenfalls 1968 auch noch als Musiker für den Soundtrack des Spiel films „Model Shop“ unter. Als dieser Soundtrack 2005 veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass diese Programm musik im Spirit-Stil auch ohne den Film gut funktionierte. 1969 ließ Spirit als drittes Album „Clear Spirit“ folgen und festigte mit seiner Vielfalt die Beliebtheit der Band. Gleich das erste Stück „Dark Eyed Woman“ hatte das Zeug zu einem Rock-Ohrwurm, und Songs wie „Apple Orchard“ und „Caught“ standen nicht nach. Zu den späteren Publikumslieblingen von Live-Auftritten gehörte auch der exquisite Song „1984“, der das Thema von George Orwells gleichnamigem Roman aufgriff – und nun war dieses Jahr nicht mehr weit entfernt: „1984 Knocking At Your Door!“ Das wohl beste Album gelang dieser ersten Spirit- Formation 1970 mit „Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus“. Es ist eines der wenigen Konzeptalben der damaligen Zeit. Die treibende Kraft dahinter war California, der Ferguson und Andes später vorwarf, nicht mutig genug gewesen zu sein, ihre Musik weiterzuentwickeln. Seit dem Debütalbum der Band war Californias musikalischer Einfluss gewachsen. Stammten auf den ersten beiden Alben noch jeweils über zwei Drittel der Songs von Ferguson, hatte California danach die meisten Stücke der Band geschrieben, wobei Hendrix’ Ein - fluss auf ihn unverkennbar blieb, wie „Love Has Found A Way“ auf „Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus“ zeigte. Californias wegweisende Art der Produktion und seine vielen ungewöhnlichen musikalischen Ideen machten das neue Album schließlich zu etwas Besonderem. Spirits Konzeptalbum gilt als die beste und geschlossenste Produktion von Spirit mit so hervorragenden Stücken wie „Nature’s Way“, „Animal Zoo“, „Street Woman“, „Morning Will Come“ und „Mr. Skin“. Der Titel des letzteren Songs ist der Spitzname des kahlköpfigen Drummers Cassidy, und wie er hat das Stück mit seinem herrlichen Bläsereinsatz viel Feuer. Das Cover des Albums mit seinen verzerrten Bildern signalisierte bereits, einen verschlungenen Weg zu diesem Meister - werk nachzuzeichnen. Es scheint aber auch naheliegend, dass die Band während der Produktion Drogen konsumiert hat. Als Richtung der Band hatte sich Californias gitarrenbetonter psychedelischer Rock durchgesetzt, was noch deutlicher zu hören war, als die Band ohne Ferguson 1971 im Paramount Theater in Seattle ein mitreißendes Live-Programm mit einem bestens aufgelegten California spielte. 2015 ist ein Mitschnitt auf der CD „KSIW FM Live Broadcast from Paramount Theatre, Seattle“ aus dem Jahr 1971, veröffentlicht worden. Rück blickend war ein Auf tritt wohl die Blaupause für die Zukunft, der Californias Konzerte künftig folgten. Solche Live-Auftritte waren ungleich ge schlossener und spannender als derjenige von 1967, der 2016 als „Live At The Ash Grove, 1967 Volume 1“ herauskam, bevor an Spirits Debütalbum zu denken war; ein Volume 2 folgte bislang nicht. Nach „Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus“ brach die Gründungsformation von Spirit schließlich auseinander, obwohl die Band es mit ihrer innovativen Musik zu einem Top Act der US-Musikszene gebracht hatte. Andes und Ferguson gründeten mit anderen die kurzlebige Band „Jo Jo Gunne“. California brach sich bei einem Reitunfall den Schädel und fiel geraume Zeit aus. Übrig blieben Cassidy und Locke, die 1972 mit den Brüdern Al und Chris Staehely das Spirit-Album „Feedback“ einspielten. Dessen gute Musik war eingängig, aber nicht mit Californias erfindungsreicher Musik zu vergleichen. Nachdem California sich erholt hatte, entstand 1972 sein erstes Soloalbum „Kapt. Kopter And The (Fabulous) Twirly Birds“ mit Cassidy als Drummer und verschiedenen Bassisten wie dem späteren Spirit-Mitglied Larry „Fuzzy“ Knight. Dabei war auch der ominöse Clit McTorius: der ehemalige Hendrix-Bassist Noel Redding. Das Solodebüt war ein Ausflug in den Hardrock und löste gemischte Reaktionen aus. Manchen galt es als un inspiriert, andere waren begeistert. Sehr reizvoll sind jedenfalls Californias feurige Versionen der Beatles- Songs „Day Tripper“ und „Rain“. Vor „Kapt. Kopter And The (Fabulous) Twirly Birds“ hätte sich wohl niemand so recht eine Power-Fassung von Paul Simons „Mother and Child Reunion“ vorstellen können. Eröffnet wurde das Album mit dem wuchtigen „Downer“, das California später auch häufig live spielte. Als im September 1972 www.musiker-online.tv

STORIES 45 »Das wohl beste Album gelang der ersten Spirit-Formation 1970 mit „Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus“. Es ist eines der wenigen Konzeptalben der damaligen Zeit.« das Album veröffentlicht wurde, spielte er mit Cassidy und Knight für das KPFK Radio LA ein hervorragendes Konzert, das 2015 herauskam. Es schien, dass auf den Stücken „I Don’t Want Nobody“, „Shotgun“, „Happy“ (von Mick Jagger und Keith Richards) und „Downer“ Hendrix wiederauferstanden wäre. Schade, dass die Tonqualität der CD nur mäßig ist. Danach arbeiteten California und Cassidy an einem Back-Again-Projekt, aus dem sich das Album „The Adventures Of Kaptain Kopter And Commander Cassidy In Potatoland“ im Grunde als weiteres Soloprojekt entwickelte. Das war in der Tat ein „spacey“ Unterfangen, das erst 1981 mit elf Stücken erschien und als Spirit- Album deklariert wurde. Der Kaptain und der Comman - der waren darin im „famous Kopter Mobile“ in Idaho unterwegs und gerieten ins geheimnisvolle Potatoland mit seinen Potato Men. Damals waren der LP ein 16- seitiges Heft mit einem Comic im Underground-Stil und Fotos über das Abenteuer nebst Songtexten und einem Potatoland Mail Order Catalogue beigelegt. Offenbar hatten California und Cassidy an dem Potato - land-Abenteuer wesentlich umfangreicher ge arbeitet. 2006 erschien aus Californias Nachlass „The Original Potatoland“ mit 18 Songs, dazu acht Bonus tracks mit Knight am Bass. 2019 wurde dann sogar das 4-CD- Set „Complete Potatoland“ vorgelegt, einschließlich eines Radiokonzertes, eines Auftritts beim Old Grey Whistle Test der BBC und Demos. Allein die Veröffentlichungsgeschichte von „The Adventures Of Kaptain Kopter And Commander Cassidy In Potatoland“ skizziert die Schwierigkeiten, die California mit seiner Solokarriere hatte. Sie zündete einfach nicht, und das ließ den kreativen Musiker 1973 psychisch zusammenbrechen. Er zog sich nach Hawaii zurück und lebte buchstäblich am Strand, ehe er zeitweise als Gärtner arbeitete und sich langsam erholte. Als er wieder in der Lage war, sich der Gitarre und der Musik zu widmen, nahm er Songs für ein neues geplantes Spirit-Album auf. Um unter diesem Bandnamen firmieren zu können, musste er ihn den Gebrüdern Staehely für 25 000 US-Dollar abkaufen, die ihn sich rechtlich gesichert hatten. Anfang 1974 tat California sich mit Cassidy und dem Bassisten Barry Keene zusammen, der bei „Kapt. Kopter And The (Fabulous) Twirly Birds“ mitgewirkt hatte. Zuvor knüpften sie gemeinsam live schon vorher das Seattler Radiokonzert von 1971 an. Die Songs stammten überwiegend aus Californias Feder. Man spielte aber auch den Rolling-Stones-Klassiker „Satisfaction“ und Bob Dylans „All Along The Watch - tower“, wie Hendrix das Stück geformt hatte. Drei dieser Auftritte wurden 2007 für das posthum herausgegebene 3-CD-Set „Salvation ... The Spirit Of ’74“ zusammengefasst. Das vollständig enthaltene Konzert von Ende Oktober 1974 in Ebbets Field wurde mit der Song-Kombination eröffnet, die auch das kommende neue Spirit-Album einleitete: „America The Beautiful/ The Times They Are A-Changing“. Dazu gehörte eine 8 2/2021 musiker MAGAZIN