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Musiker Magazin 2/2021

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Konzept; STORIES: TONLAND – Zwei Menschen, zwei Stimmen, viel Gefühl; Kerstin Bogensee – Musikerin aus Leidenschaft und Optimistin aus Überzeugung; Sam Reckless – »Dark Times On Glamroad«; Mick Zimmer – »Das neue Jahr«; VOYAGER IV – »Pictures At An Exhibition«; SAMIYA – Die Stimme einer neuen Generation Soul; Paul Bartsch – Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen; SIHNA MAAGÉ – Soul mit Blick für den Zeitgeist; SPACEMUELLER – Melodischer Indie-Rock mit viel Zerre auf den Gitarren und abgedrehten Rhythmen; ARREST – True Power Metal Band from Germany; Die Historie der Rock- & Popmusik: Randy California und SPIRIT; MUSIKBUSINESS: The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 2: Vocal Skills; RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

32 STORIES PAUL BARTSCH

32 STORIES PAUL BARTSCH www.musiker-online.tv

STORIES 33 Träume im Kopf, Wut im Bauch, Wärme im Herzen – das ist der Stoff, aus dem der hallesche Liedermacher PAUL BARTSCH und seine BAND seit Jahren ihre Songs schneidern. *Thomas und Paul MM: Du bist 1954 in der DDR geboren und aufgewachsen. Wann und wie ging es mit der Musik bei dir los? *Thomas Fahnert & Paul Bartsch PAUL BARTSCH: Das kann ich ziemlich genau datieren: Als ich im Sommer 1968 auf die Erweiterte Oberschule in Halberstadt kam, hatte plötzlich jeder von uns 14-, 15-Jährigen eine Holzgitarre in der Hand und versuchte sich an „House Of The Rising Sun“ oder „Hey Joe“. Die meisten haben das schnell wieder gelassen, als Blasen auf den Fingerkuppen entstanden. Ich hab weitergemacht und ein Jahr später schon in einer ersten Schülerband geklampft. Wir haben Stones gecovert, Kinks, die McCoys, Lords oder Steppenwolf. Und weil mein DDR-Englisch nicht besonders gut war, hab ich da schon begonnen, eigene Texte zu schreiben. MM: Hattest du als Liedermacher Probleme mit dem Staat? PAUL BARTSCH: Nun, zunächst brauchte man ja in der DDR für jegliche musikalische Betätigung eine staatliche Zulassung, egal ob Amateur oder Profi. Ich habe 1981 meinen Berufsausweis erworben, da stand „Gesang (Chanson)“ drin, weil der Begriff „Liedermacher“ seit der Biermann-Aus - bür ge rung dem Staat suspekt war. Und es gab Diskussionen um Texte, die beispielsweise die Geschichte der Königskinder an die Berliner Mauer verlegten oder an den gerade verstorbenen Studentenführer Rudi Dutschke erinnerten. „Konzertberichte“ fanden sich später auch in meiner Stasi- Akte. Aber ich verstand mich ja keineswegs als Staatsfeind, nur weil ich ein anderes Bild vom Sozialismus im Kopf hatte als das, was mich real umgab. Zudem entwickelte ich – wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen – eine bestimmte Technik, mich in meinen Texten über Metaphern und Bilder auszudrücken, die das Publikum sehr wohl verstand, die aber für die Zensur nicht angreifbar waren. Oft war es ein Tanz auf dem Drahtseil – ich bin aber nicht runtergefallen. MM: Was hat sich durch die „Wende“ seinerzeit für dich geändert? PAUL BARTSCH: Zunächst mal ganz persönlich: Das war ein Moment, der die Brust weitete, der Hoffnungen auslöste und bisher Undenkbares zu ermöglichen schien! Und der schnell umschlug in Ernüchterung, in Enttäu - schung, auch in Trotz, durchaus. Ich war in dieser Zeit mit einer professionellen *Gerd Hecht und Sander Lueken *Paul Bartsch und Band 8 2/2021 musiker MAGAZIN