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Musiker Magazin 2/2019

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2019 – Konzept und Anmeldung; STORIES: Axel Nagel – Sänger, Gitarrist, Performer; TICKET TO HAPPINESS – »Mitreis(s)en lassen«; FRIEDRICH CHILLER – »So alltäglich und so dada wie das Leben«; JUST DUTY FREE – »Gute Live-Musik ist keine Einzelleistung«; ÖTTE – »Es ist nie zu spät, noch mal durchzustarten«; Conny Conrad – Über 40 jahre führte er ein spannendes Doppelleben; Die Historie der Rock- & Popmusik – Teil 13: john Mayall – The Godfather of British Blues (Teil 2); Lee’Oh – Eine Stimme wie schwarzer, frischer Espresso; EDDy & THE BACKFIRES – Seit zwei jahrzehnten erfolgreich on the road!; OCHMONEKS – Die Hymnen-Experten aus Düsseldorf; Moonshine Records – The 1950’s Recording Studio MUSIK & RECHT: Die Urheberrechtsreform –Welche Auswirkungen hat sie auf die kreativen Musikurheber und Musiker/-innen in Europa?; MUSIKBUSINESS: Mit Musik auf youTube Music Einnahmen erzielen; RUBRIKEN: Produkt-News; CD-Rezensionen; Titelschutzanzeigen; Kleinanzeigen; Impressum

28 STORIES CONNY CONRAD

28 STORIES CONNY CONRAD Über 40 Jahre führte er ein spannendes Doppelleben MM: Während du als Musiker auf 121 veröffentlichten Tonträgern zu hören bist, hast du parallel als erster Kriminalhaupt kommis sar gearbeitet. Wie konnte sich dieser Kriminal - tango der völlig verschiedenen Berufswelten entwickeln? CONNY CONRAD: Für Schubladendenker ist das natürlich eine Nummer zu viel, aber für mich wurde dieser Lebensweg seit 1978 Jahr für Jahr normaler. Als Polizistensohn hatte ich automatisch schon als Kleinkind einen anderen Zugang zum Thema Polizei als andere. Das war ebenso normal für mich wie die Erkenntnis, mit einem außer gewöhnlichen musikalischen Talent, insbesondere an der Gitarre und beim Komponieren, ausgestattet worden zu sein. Diese Symbiose führte dann letztendlich zu 40 Jahren „Kriminal- tango“. MM: Was denkst du, wie hat sich die Be deu - tung von Musik in der Gesellschaft über die letzten Jahrzehnte gewandelt? CC: Die Entwicklung sehe ich zweigeteilt. Zum einen existiert noch die ältere Generation, die das Können eines guten Musikers noch zu schätzen weiß und bereit ist, für dieses Hörerlebnis zu bezahlen (Tonträger, digital, live), und zum anderen die jüngere Generation, die mit dem Selbst - verständnis aufwächst, Musik sei kosten los und musiker Magazin 2/2019

STORIES 29 eher im Bereich Wellness-/Relaxation-Instru - mentalmusik, außerdem komponierst und produzierst du Musicals und Popmusik bis hin zu Schlager. Woher kommt diese vielfältige Musikbegeisterung? CC: Anscheinend gibt es diese Schubladen, die ja nicht ich erfunden habe, bei mir nicht so ausgeprägt, wie es uns die selbsternannten „Format- apostel“, allen voran im Radio, vorkauen. Musik ist und bleibt Geschmacksache, die man nicht diskutieren sollte. Ich drücke niemandem meinen Ge - schmack auf und spiele einfach, was mir gefällt. Als Profi kann ich da natürlich emotional trennen. Während ich heute noch bei manchen Prog - passagen Tränen vor Freude und Gänsehaut beim Spielen und/oder beim Hören bekomme, produziere ich Schlager oder Auftragsproduktionen einfach deshalb, weil ich’s kann. Diese Flexibilität wünsche ich mir bei manch anderen, insbesondere bei denen, die Musik vermarkten. MM: Du bist einer der schnellsten Gitar ris ten (messbar in Anzahl Töne/Sekunde). Ist das noch virtuose Musik oder eher Sport? CC: Das ist sicher beides. In meinen Anfangs - jahren in den 70ern, als ich die Soli meiner Helden (allen voran Toni lommi, aber auch Jimmy Page, Ritchie Blackmore oder Alvin Lee) so lange übte, bis ich schneller war, unterlag ich dem Irrglauben, umso erfolgreicher zu werden, je virtuoser man spielt. Heute weiß ich, dass da kein Zusam menhang zwischen Können und kommerziellem Erfolg besteht. Erfolg hat nicht der bessere Musiker, sondern der, der besser vermarktet wird. Heute hören wir ja so gut wie gar kein Gitar ren - solo mehr im Formatradio. An der alten Machart (Intro, Vers, Ref, Vers, Re., Gitarren solo, Ref, usw.) habe auch ich mich zugegebenermaßen sattgehört. Ich lasse bewusst an anderen Stellen bei Studioproduktionen kurz im Song die Sau raus oder wie früher live, wenn ich spüre, dass das bei den Leuten ankommt. Ganz ehrlich, dieses Malmsteen-Gedudel kann sich ja kein normaler Mensch lange anhören, abgesehen von den Gi - tarristen, die auch gerne so spielen würden. Mir macht die Speedguitar einfach nur Spaß und ist zudem auch eine sehr gute Konzen tra tions übung für Kopf und Hände. MM: Woher hast du dein Talent als Musiker? CC: Ich vermute mal, von meinen Eltern. Nein, Spaß beiseite, wahrscheinlich hat es mich schon mitgeprägt, dass mein Vater Akkordeon spielte und mit meiner Mutter zweistimmig die Schlager der 50er und 60er in der Küche sang. Daher vieljederzeit beliebig abgreifbar vorhanden, ähnlich wie die Luft zum Atmen. Unterstützung findet diese fatale Einschätzung durch Strea ming - dienste, Torrentpages oder Converter (YouTube to mp3). »Auch ich verwende sehr gerne neue Sounds, aber ich spiele alles selbst an der Gitarre und am Keyboard ein, bis hin zum kleinsten Arpeggio. Handmade, so leiste ich meinen bescheidenen Beitrag dazu, dass Musikmachen etwas Besonderes ist und bleibt.« Auf der musikalischen Seite sieht es ähnlich düster aus. Da ist heute der Sound wichtiger als die Harmonie/Melodie. Endlos viele Program - mier fabriken veröffentlichen Samples, die noch von echten Musikern eingespielt wurden, ge - paart mit vorgefertigten Loops und „Cinematic Ambient Sounds“ versehen, um diese dann mit digitalen Adaptionen längst existierender Vintage - sounds zu verbinden. Dadurch haben wir heute einen belanglosen Brei von unzählig gleichklingenden (und gleichlauten) Tracks im „Loudness War“ irgendwelcher talentfreier „Musiker“, deren Namen sich mittlerweile gar niemand mehr merken kann und auch nicht mehr merken will. Auch ich verwende sehr gerne neue Sounds, aber – und das ist wohl der gravierende Unter - schied – ich spiele alles selbst an der Gitarre und am Keyboard ein, bis hin zum kleinsten Arpeggio. Handmade, auch wenn es die große Masse aus genannten Gründen nicht mehr interessiert. So leiste ich meinen bescheidenen Beitrag dazu, dass Musikmachen etwas Besonderes ist und bleibt. MM: Prog-Rock ist dein Lieblings-Genre, die kommerziellen Erfolge verzeichnest du aber leicht auch meine Liebe zur Mehrstimmigkeit in den Gitarrensoli und im Chorgesang. Meine Ge - sangsstimme klingt nicht sehr schön, aber be - züglich Tonsicherheit und Harmoniegesang wurde ich reichlich ausgestattet – zum Leidwesen mancher Sänger mit gut klingender Stimme, aber deutlichen Schwächen, in Tune zu singen, ge schweige denn im Satzgesang :-)) Ansonsten fand ich niemand, trotz Ahnenfor - schung, der in der Verwandtschaft über ein solch ausgeprägtes Talent verfügte. Für dieses Talent bin ich der Natur und meinen Eltern ewig dankbar! MM: Von 1999 bis 2009 warst du Bandleader der deutsch-britischen Band „Dark Ocean“. Wie und wo habt ihr euch damals zusammengefunden? CC: Eine schöne und gleichzeitig traurige Ge - schichte. Ich war 1998/1999 mit meiner Frau in Australien. Wir haben dort geheiratet, und ich schrieb die neue Australienhymne „Welcome to Australia“, die dort in Brisbane uraufgeführt und von der Deutschen Sporthilfe für die deutsche Olympiamannschaft Sydney 2000 nominiert wurde. Den Drummer Mark Coughlan aus London lernte ich dort kennen und gründete mit ihm die Band DARK OCEAN. Wir schrieben mit fünf Alben und einer großartigen Tour mit Barclay James Harvest Prog-Rock-Geschichte. R.I.P. my dear Mark. Ich werde nie seine glänzenden Augen vergessen, wenn wir mit „Higher Grounds“ die Konzerte er öffneten und gemeinsam richtig eingezählt hatten, voll im Beat auf dem Punkt waren und bis zur Ekstase improvisierten. Wir werden uns wiedersehen … MM: Was meinst du bedeuten Bands heute noch? Ist das Modell zukunftsfähig? CC: Schwierig … Wie ich vorhin schon sagte, haben sich die Hörgewohnheiten der jungen Ge - neration gewaltig geändert. Da feiern 10 oder gar 100 000 Menschen irgendwelche DJs mit nicht angeschlossenen Kopfhörern ab, die ganz verloren auf der Bühne an irgendwelchen Ge räten herumschrauben, die auch nicht verkabelt sind. Dann haben viele Bands live mittlerweile so viel Playbacks/Konserven im Gepäck, dass wir uns nicht wundern müssen, wenn auch die tatsächliche Leistung des Musikers auf der Bühne zunehmend nur noch ein Randpublikum interessiert. Abgerundet wird diese Entwicklung noch von den ganz großen Acts, deren Fans mehr Wert auf ihre Smartphoneaufzeichnung legen als auf das Zuhören. 8 2/2019 musiker Magazin

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