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Musiker Magazin 2/2018

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S. 09: Deutscher Rock & Pop Preis 2017 – Presserückblick • S. 13: Deutscher Rock & Pop Preis 2018 – Anmeldung • S. 16: DAREMO – Popmusik gegen die Norm • S. 20: Interview mit Uwe Koch • S. 22: Anja Lerch – Wenn Hunderte gemeinsam singen, ist dies ein heilsames Erlebnis • S. 24: falb – Heavypop at its best • S. 31: Jaywalk machen mit ihrem Alternative-Rock ordentlich Rabatz • S. 34: Alina Sebastian – „Angst hatte ich nie“ • S. 38: BST – Technik zu deiner Idee • S. 42: Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 11: Ray Davies und The KINKS • S. 48: Acarina ist ein echtes „Ösigirl“ – und stolz darauf • S. 50: Interview mit Stefanie Black • S. 52: Haifische in der Musikbranche: Dirk Föhrs, der Eduard Schnitzler des „Schwarzen Kanals“ der Bluesmusik … • S. 54: Produkt-News • S. 60: CD-Rezensionen • S. 64: Titelschutzanzeigen • S. 65: Kleinanzeigen • S. 66: Impressum

42 STORIES Die Kinks

42 STORIES Die Kinks gehörten in den 1960er-Jahren zu denjenigen Vorreitern der britischen Pop- und Rockmusik, die wie die Beatles, die Rolling Stones und die Who die Musikszene mit immer neuen Hits bestimmten, also anders als One-Hit-Wonders beständig waren. TEIL 11: RAY DAVIES UND e gründet 1963 von den Brüdern Ray und G Dave Davies mit dem Drummer Mick Avory und dem Bassisten Pete Quaife gab sich die Band einen für die damalige Zeit gewagten Namen. Denn Kinks lässt sich vorsichtig als „die Merk würdigen“ oder ähnlich übersetzen, aber auch als „die Perversen“. Vorher hatte man sich weniger provozierend The Ravens und Robert Wace & The Boll-Weevils genannt. Orientierten sich die ersten beiden Singles der Kinks noch an Beatles-Erfolgen, schrieb Ray Davies als musikalischer Kopf der Band mit dem Titel „You Really Got Me“ 1964 Musik - geschichte. Der Eröffnungsriff, den sein Bruder Dave spielte, gilt als Startschuss des Hardrock und wurde von zahllosen Rockbands wenigstens zitiert und gecovert. Das Stück selbst stand außerdem Pate für den Punk-Rock, der als eigene Stilrichtung aber erst Mitte der 1970er-Jahre entstehen sollte. „You Really Got Me“ war ein Riesenerfolg und machte die Band international bekannt. Im selben Jahr ließ die Band Ray Davies’ ähnliches Stück „All Day and All of the Night“ folgen, das ebenfalls einschlug. Punk-ähnlicher Hardrock war allerdings nur eine Facette der richtungsweisenden jungen Band. Bis heute sieht Ray Davies sich nicht als Rockstar, sondern als Songwriter. Und als dieser blickt er auf ein Werk zurück, das sich auf über 50 Jahre erstreckt. Ray Davies konnte musikalisch wunderbar rockige und balladeske Songs schreiben, über einige Jahre auch solche, bei denen er dem Vaudeville zu huldigen schien – und in der Anfangszeit auch weniger belangvolle Songs. Eine außergewöhnliche Qualität besitzen seine Texte, die sich schon bald scharfzüngig und analytisch, bisweilen auch bissig unter anderem mit dem britischen Leben und der Vermassung des Einzelnen in der Welt der modernen Bürokratie auseinandersetzten. Viele Musiker setzten in den 1960er-Jahren auf unverbindliche Herz-Schmerz-Lieder und punkteten damit in den Hitparaden. Ray Davies hingegen nahm 1965 mit „Dedicated Follower of Fashion“ die Modegläubigkeit aufs Korn und widmete 1966 seinen Hit „Dead End Street“ der Armut und dem Elend einfacher Leute. Davies’ Fähigkeiten als Songwriter weisen ihn als Meister der Sprache aus, der un glaublich einfühlsam, zart und poetisch sein kann, dann wieder auch brüsk und eiskalt sezierend. Spätestens seit der Verleihung des Literatur- Nobelpreises an Bob Dylan wäre es an der Zeit, Ray Davies’ literarische Bedeutung neu zu bewerten. Mittlerweile hat er mehrere Bücher veröffentlicht, darunter auch Kurzgeschichten – allesamt sehr lesenswert. 1994 kam seine brillante Autobiografie „X-Ray“ heraus, in der er sich praktisch selbst auf die Couch legte, sich beobachtete und über sich wie einen Patienten schrieb. Um „X-Ray“ zu bewerben, hielt Davies 1994 Lesungen, bei denen er Kinks- Songs einwob, die seine Biografie und die der Kinks wie einen roten Faden durchzogen. Allerdings war dies ein reines Solo-Projekt, mit dem er gemeinsam mit dem Gitarristen Pete Mathison auf eine erfolgreiche Tournee ging. Denn zu den Kinks suchte Davies Abstand. Die Art der Präsentation der Biografie eines Rock - musikers in Wort und Musik nannte er Story - teller und rief damit 1996 die gleichnamige Reihe des Senders VH1 ins Leben, in der andere berühmte Rockmusiker mit seinem Kon zept auftraten. 1998 veröffentlichte Davies schließlich seine 74-minütige Solo-CD „The Storyteller“, auf der er einmal mehr als außergewöhnlicher Performer erscheint, als der er mit den Kinks sein Publikum im Nu für sich zu gewinnen wusste. 2013 erschien mit „Ameri- cana. The Kinks, the Riff, the Road: The Story“ sowohl eine Fortsetzung der Biografie als auch deren Neuansatz. Dazwischen hatte er Kurz - ge schichten verfasst. Sie waren 1997 gesammelt erhältlich unter dem Titel „Waterloo Sun - set“, wie Davies’ Superhit aus dem Jahr 1966 hieß. Man erfährt aus diesen Büchern nicht nur sehr viel über die Person des begnadeten Künst lers, sondern auch über die Zeit, die Kinks musikalisch mit prägten. Die Hassliebe, die die zuweilen hitzköpfigen Gebrüder Davies miteinander verbindet, ist un - musiker MAGAZIN 2/2018

STORIES 43 »Davies’ Fähigkeiten als Songwriter weisen ihn als Meister der Sprache aus, der un glaublich einfühlsam, zart und poetisch sein kann, dann wieder auch brüsk und eiskalt sezierend.« weigerlich Bestandteil der Geschichte der Kinks. Bruder Dave hat für die Band ebenfalls Rock - songs geschrieben. Mit „Death of A Clown“ gelang ihm in den 1960er-Jahren zwar auch ein großer Erfolg, dem noch die Single „Susannah’s Still Alive“ folgte. An das gleichbleibend hohe Niveau seines Bruders vermochte er jedoch nicht anzuknüpfen. Dafür zählt Dave Davies mit einem eigenen, unverkennbaren Stil zu den bedeutendsten Rockgitarristen. Die ständige Rivalität zwischen den Brüdern, über die Dave Davies in seiner 1996 erschienenen Autobiografie „Kink“ aus einem anderen Blick - winkel schrieb, hatte immer wieder bizarre Aus - einandersetzungen zur Folge. Mal stritt man sich, ob und wie Dave etwas zu Rays Songs als Autor und Komponist beigesteuert hatte. Während eines Krankenhaus-Aufenthaltes von Ray lehnte Dave ab, seinen Bruder zu besuchen. Dann drohten zumindest Gewalttätig keiten des Beat ist „Sunny Afternoon“ absolut ungewöhnlich, traf aber international einen Nerv – so dauerhaft, dass unter diesem Titel über die Geschichte der Kinks und ihre Musik in den 1960er-Jahren seit 2014 Jon Penhalls Musical mit Ray Davies’ Musik erfolgreich im Londoner West End läuft. „Dandy“ (1966) wurde nur in Deutschland und in den Niederlanden ein herausragender Hit. Nach „Waterloo Sunset“, „Death of A Clown“ und „Days“ folgten in den oberen Hitparaden-Rängen bis 1970 noch zwischen ihnen. Auf offener Bühne prügelten „Lola“ und „Apeman“ aus dem Konzeptalbum sich wiederholt aber nur Dave und Drummer „Lola Versus Powerman and the Money ground, Mick Avory, der 1984 die Kinks verließ. Über Part One“ mit Ray Davies’ Sicht auf die Miss - sich selbst sagte Ray 2011 in einem Interview stände im Musikgeschäft. mit dem britischen Observer: „Es ist nicht schwer, mich zu lieben, aber unmöglich, mit Ähnlich den Beatles verfügte die Band mit mir zusammen zu leben.“ Beziehungen jedenfalls blieben für beide Brüder schwierig. Ray ist musikalisches Potenzial, das mit dem dritten Ray Davies über ein sich rasch entwickelndes dreimal geschieden, und aus seiner Beziehung Kinks-Album „Face to Face“ (1966) sichtbar mit der Pretenders-Sängerin Chrissie Hynd wurde, auf „Something Else“ aus dem Jahr stammt eine seiner fünf Töchter. Dave hat aus darauf zunahm und zu dem herausragenden mehreren Beziehungen acht Kinder. Konzeptalbum „Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire)“ von 1969 führte. Darin Ray Davies’ schöpferische Qualitäten sind an wird der Teppichleger Arthur mit seinem den Ladentischen der Plattengeschäfte nicht scheinbar wohlgeordneten Leben unzufrieden immer gewürdigt worden. Bis 1970 landeten und empfindet es fortan als sinnlos. Auch der die Kinks mit Songs aus seiner Feder allerdings eine beachtliche Anzahl von Hits, nach Winston Churchill zerfällt für Arthur. Sein Nimbus des ehemaligen Premierministers „You Really Got Me“ allen voran „Sunny After - Shangri-La, wie er sein Zuhause nennt, und noon“ von 1965. Für die damalige Blütezeit das Ray Davies im gleichnamigen Song nach- 8 2/2018 musiker MAGAZIN

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