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Musiker Magazin 1/2022

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Gewinner; Deutscher Rock & Pop Preis 2022 – Konzept STORIES: 40 Jahre Deutscher Rock & Pop Musikerverband e. V. – Ein kleines, aber feines Jubiläum ...; Alwin Smoke – »Six String Stories«; Peter Volland – »Losgelöst von Markt und Umsatz bleibt das Musizieren weiter Teil meines Lebens«; Lili Czuya – »Andere haben mit 20 ein Auslandsjahr gemacht, ich hab auf dem Kiez als Sängerin gearbeitet.«; FEDERNELKEN – Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring; LOOPAHEAD – Musikalische Strukturen, mit den Wurzeln im Blues, Rhythm ’n’ Blues, Latin, Rock & Jazz; Sandra Ajtner – »My future«BARRY ALEXANDER KING – Singer-Songwriter; DER SCHWEIGER – Mit seinen philosophisch-poetischen Songs ist er mittendrin in der deutschen Poesie; SANDRA DELL’ANNA – »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen«; Die Historie der Rock- & Popmusik – THE DOORS MUSIKBUSINESS: Online musizieren – verzögerungsfrei; The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 3: VOCAL SKILLS RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; Titelschutzanzeigen; CD-Rezensionen; Kleinanzeigen; Impressum

62 REZENSIONEN TOKUNBO

62 REZENSIONEN TOKUNBO »Golden Days« Nach 15 Jahren Tok Tok Tok und ihren ersten beiden Solo- Alben „Queendom Come“ (2014) und „The Swan“ (2018) hat Tokunbo nun ihren dritten Longplayer „Golden Days“ veröffentlicht. Mit warmer, weicher und dennoch klarer Stimme, bei der man die Texte jederzeit bestens versteht, singt sie unangestrengt nostalgisch von goldenen Tagen und fragt dann, ob diese nicht vielleicht gerade jetzt da sind. Geerdet, reduziert und auf den Punkt produziert und komponiert, passt hier einfach alles zusammen. Als Folk Noir, der bei einigen Songs an Norah Jones erinnert, kann man das Album als American irgendwo zwischen Folk und Country einordnen. Melodisch und feinfühlig bringt Tokunbo das Golden-Days-Feeling auf die Platte. Wie ein goldener Herbst - tag, voller Vertrauen in sich und die Zukunft. Die Songs sind sehr gut produziert, die Texte und Arrange ments fügen sich zu einem erwachsenen Gesamtalbum, nach dessen Hören man selbst ganz zuversichtlich ist. Alles in allem eine Platte, die sicher auch bei Fans unterschiedlicher Genres Gehör und Gefallen finden wird. Eine klasse Sängerin, die ihre Stimme nie ganz ausreizt, tolle Kom positionen und Umsetzung machen „Golden Days“ zu einem Genuss für die Ohren. golden.tokunbomusic.com R.F. DAVID BETA »Wenn ich schonmal hier bin« Mit „Wenn ich schonmal hier bin“ hat David Beta ein wunderbares Deutschpop-Album geschaffen. Die Tracks des Wahlhamburgers sind mal beat-, mal melodielastiger. Mit seinem flowigen Sprechgesang bringt er jetzt schon ein bisschen Sommerfeeling auf die Boxen – vor allem „Leicht“ und „Sommer“ tragen das Gefühl bereits im Titel. Mit Sonne und Meer aufgewachsen, schreibt er in „Meermensch“ und „Hurra“ über seine Wurzeln. Aber er schlägt auch nachdenklichere Töne an. Das Gefühl, für jemand anderen wenig tun zu können, außer für ihn da zu sein und zu warten, der Wunsch nach Verbindung oder einfach die Auseinander - setzung mit dem inneren Pessimisten oder der inneren Unruhe sind Themen seiner Songs. Kein Wunder, ist das Album doch während der Pandemie entstanden, wo bei vielen die eigenen Themen plötzlich in den Vordergrund rückten, weil es viel weniger Ablenkung gab. Insgesamt ein eingängiges Album mit prominenter Unterstützung von namhaften Musikern wie Gitarrist Peter Koobs (u. a. Peter Maffay), Pianist Zoran Grujovski (u.a. Das Pack, Rosenstolz), sowie dem Bassisten und den Bläsern von Jan Delay: Ali Busse, Philipp Kacza, Johnny Johnson. Carstens steuerte nicht nur die Drums bei, er übernahm auch die Produktion zusammen mit Grujovski. davidbeta.de R.F. SANDRA AJTNER »My Future« Auf „My Future“ covert Sängerin Sandra Ajtner vier Songs von Superstar Billie Eilish. Keine einfache Angelegenheit, aber Sandra braucht den Vergleich mit ihrem Idol nicht zu scheuen. Eine ganze Spur poppiger und gefälliger im Ge - sang sind ihre Interpretationen richtig gut und könnten zu - weilen auch als Remixe funktionieren. Besonders „Everything I Wanted“ besticht vor allem durch die weniger depressive Interpretation. Das Piano und ein entspannter Dance-Beat verstärken die mutmachende Botschaft des Songs. Seit 2017 ist Ajtner als professionelle Sängerin unter wegs, singen tut sie aber schon seit ihrem vierten Lebensjahr. Ihre wohlklingende Stimme fügt sich wunderbar in die Songs ein und man möchte gern mehr von ihr hören. „My Future“ kommt wie bei ihrem Idol mit minimalistischen Beats daher, und gerade wem die Stimme von Billie Eilish etwas zu speziell ist, wird diese Version lieben. Auf „I

REZENSIONEN 63 MEIN ELBA »Auftakt« „Welches ist der Albumname, welches der des Künstlers?“, mag man sich fragen, wenn man die türkis umrandete CD mit dem Foto eines entspannten Mannes auf dem Cover erstmals in den Händen hält und „Mein Elba“ und „Auftakt“ liest. Um es abzukürzen: MEIN ELBA ist das Bandprojekt des Musikers Carsten Schlegel, der mit „Auftakt“ sein Debüt - album veröffentlicht hat. Viel über den Künstler erfährt man auf seiner Homepage nicht; nur, dass er sich nach 20 Jahren im Musikgeschäft dazu entschlossen hat, seinen eigenen Weg zu gehen, wobei er dem Gefühl folgt, das Richtige zu tun. Dieses Gefühl bestätigt sich in den zehn Songs des Debütalbums, das einen wirklich vielversprechenden Auftakt zu MEIN ELBAS Solokarriere hinlegt. Boden - ständig und authentisch fühlen sich seine Songs an, erinnern in Stimme und Text an die einiger anderer Vertreter der deutschsprachigen Popszene wie Bosse, Revolverheld und Co., wobei es MEIN ELBA mühelos schafft, den Pop- Songs seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Seine Musik macht Lust auf Urlaub: einen Roadtrip, bei dem der Fahrtwind durch die Haare streicht und man die CD laut aufdreht. Schon der Einstieg ins Album ist eindringlich. Direkt angesprochen fühlt man sich von dem Sänger, der im Intro Einblick in seine Lebensphilosophie gibt. Der mit Streichern unterlegte Refrain „Ich fang zum letzten Mal von vorne an“ geht direkt unter die Haut, was auch an MEIN ELBAS eindringlicher Stimme liegt. Eine leichte Melancholie durchströmt die Songs, bei allem Willen zum Aufbruch darf der Blick in die Vergangenheit nicht fehlen. Von den alten Bravo - heften an maroden Tankstellen ist in „Abbruch Ausbruch“ die Rede, „Nicht mal Hundert“ erinnert an die Kindheit und Jugend im 99-Seelen-Dorf. Musikalisch gesehen bieten die Songs eine feine Palette an Popklängen von rockig bis poetisch. Bitte mehr davon! www.elba-musik.de L.K. BARBARA ZANETTI »47 (2001– 2021)« Emotionen stehen bei Barbara Zanettis Liedersammlung im Fokus. Sie selbst schreibt, dass die Lieder sie „zutiefst berührt und getragen, aber vor allem mit Freude erfüllt“ haben, und das merkt man jedem Song an. Auf „47“ sind abwechs- lungsreiche Liedperlen aus 20 Jahren Wirken als Lieder - macherin versammelt. Viele davon sind für besondere Anlässe entstanden: Jubiläumslieder für RUN FOR LIFE oder BIOLAND, eine Hymne für „Die Sportler des Jahres“ 2003 oder der offizielle WM-Song für die Biathlon World Championships in Antholz 2007. Die zweisprachigen Wurzeln und die internationale Aufgeschlossenheit der Südtirolerin finden sich auch in den Liedtexten wieder: Sie singt souverän auf Deutsch, Italienisch und Englisch. Neben emotionalen Songs, mit gefühlvoller klarer Stimme gesungen, finden sich zahlreiche schwungvolle Lieder auf der CD, die Zanettis Lebensfreude und positive Energie rüberbringen, darunter „Bergwärts“, „Fianco a fianco“ oder „Showdown“. Nun hat Barbara Zanetti aber noch mehr zu bieten als „nur“ schöne Lieder. Sie engagiert sich mit ihrer Musik politisch, wie in „Der Ring“ oder „Stand Up For African Mothers“ sehr deutlich wird. In „Der Ring“ singt sie gegen Propaganda und Gewaltfantasien, klagende Opportunisten und schweigende Korrupte. „Stand Up For African Mothers“ ist für die gleichnamige Kampagne der NGO Amref Health Africa entstanden. „No woman should die giving life to this earth, no child should cry because left motherless” – diese Zeilen fassen die wichtigen Gründe zum Aufruf „Stand up” zusammen. Alles in allem gibt „47“ einen wunderbaren Einblick in Zanettis Schaffen, das 2022 sicherlich noch nicht sein Ende gefunden haben wird. www.barbarazanetti.com L.K. GEREON STEFER »Setzkasten« Ton für Ton, Wort für Wort setzt der Singer-Songwriter Gereon Stefer die fünf Songs zusammen, die seine EP „Setzkasten“ bilden. Mehr als seine Gitarre, seine Stimme, einige Bass - linien und Percussion-Rhythmen braucht er nicht, um fünf stimmungsvolle und doch sehr unterschiedliche handgemachte Songs zu schaffen. Auf einem weißen Blatt Papier ist der Eingangssong „Aller Anfang ist mehr“ entstanden, in dem der Sänger beschreibt, wie schwer alle Anfänge sind, wie sehr es sich letztendlich aber doch lohnt „einen neuen Schritt zu wagen, einen neuen Weg zu schlagen“. Denn „aus dem Nichts entstehen Sachen, wo sonst keine wären“. Wahre Worte, die zum Loslegen ermutigen. Der Wechsel ins Englische im zweiten Song kommt überraschend, aber man hört sich schnell ein. „Spinning“ ist eine locker-leichte Hymne an das Zusammensein als Verliebte. Mit dem Track „Komm doch rein“ hat Gereon Stefer beim 39. Deutschen Rock & Pop Preis in der Kategorie „Bester Deutscher Text“ abgesahnt. Zu Recht, denn der Text ist poetisch und nachdenklich, lädt mit dem Motto „Mach mal Pause von der Welt“ zum Ausruhen und Innehalten ein. Auf „You always had a knack for slightly not-so-romantic places“ singt Stefer mit einer guten Portion Humor von seiner Freundin, die eine Vorliebe für eben nicht so ganz romantische Orte hat. Der Song bringt einen entspannten Bossa-Groove mit und bietet Raum für ein schönes Gitarrensolo. Romantisch geht es weiter mit dem Folgesong, in dem Stefer ganz frei von der Seele spricht: „Scheiße, ich hab’ dich gern“. Der einzige klare Gedanke, den er fassen kann, der aber zugegebenermaßen nicht ganz in ein Liebeslied passt. Gerade das macht den Song so sympathisch und trotz allem zu einem charmanten Liebeslied. stefer.eu L.K. ALWIN SMOKE »Six String Stories« Auf „Six String Stories“ frönt Alwin Smoke, wie der Titel schon verrät, seiner Liebe zur Gitarre. Vierzehn E-Gitarren- Instrumentals von Classic- bis Poprock finden sich auf der Scheibe. Mit seiner Strat nimmt er die Hörer*innen auf eine Reise durch Sphären aus Gitarrenklängen. Die Melodien stehen hier ganz im Vordergrund. So sind die Songs auch für Gitarrenskeptiker nicht zu schrill, die Effekte wohldosiert und der Klang wie auf „A New Life Of The Little Sparrow“ angenehm warm und melodisch. „Remembrance At Mary“ ist ein altes deutsches Volkslied, dem Alwin mit seiner Gitarre neues Leben einhaucht. Auf „Spency“ spielen Bass und Gitarre im Duett, während „Bumble Bee“ zum reinen Solo-E-Gitarren-Stück avanciert. Alwin Smoke spielt dabei alle Instrumente selbst ein und holt sich nur auf der Bühne Verstärkung an Bass und Schlagzeug. E-Gitarren-Fans werden ihre Freude an diesem Album haben. www.alwin-smoke-musik.de R.F. MATTES WISSING »Die Chronik« Auf seiner ersten Solo-CD liefert Mattes Wissing durchweg ehrliche, handgemachte Musik. Das Album ist eine Art musikalisches Tagebuch. Auf einer Zeitreise von den 70ern bis heute nimmt Wissing seine Hörerschaft mit durch sein musikalisches Tagebuch aus einer Mischung von Coverund eigenen Songs. Die Stücke sind zumeist so arrangiert, wie er sie auch live auf die Bühne bringt – mithilfe von Stompbox, Looper und Sizzle Board. Ab und an dient ihm auch die Gitarre als Rhythmusinstrument und wird sehr perkussiv genutzt, sodass die Songs der verschiedenen Dekaden hervorragend akustisch umgesetzt werden konnten. Das ganze Album ist irgendwo also auch eine Hom - mage an die Musik. Von Peter Gabriel über a-ha und U2 bis zu Gregor Meyle und sogar einem Song von Joris, obwohl er eigentlich kein Fan vom Deutschpop der 2010er ist. Alle 8 1/2022 musiker MAGAZIN