Aufrufe
vor 5 Monaten

Musiker Magazin 1/2022

  • Text
  • Vocalcoach
  • Barryalexanderking
  • Sandraajtner
  • Loopahead
  • Liliczuya
  • Petervolland
  • Alwinsmoke
  • Derschweiger
  • Federnelken
  • Deutscherrockpreis
  • Thedoors
  • Wwwmusikermagazinde
  • Sandra
  • Bester
  • Magazin
  • Deutschen
  • Morrison
  • Album
  • Musiker
  • Musik
FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Gewinner; Deutscher Rock & Pop Preis 2022 – Konzept STORIES: 40 Jahre Deutscher Rock & Pop Musikerverband e. V. – Ein kleines, aber feines Jubiläum ...; Alwin Smoke – »Six String Stories«; Peter Volland – »Losgelöst von Markt und Umsatz bleibt das Musizieren weiter Teil meines Lebens«; Lili Czuya – »Andere haben mit 20 ein Auslandsjahr gemacht, ich hab auf dem Kiez als Sängerin gearbeitet.«; FEDERNELKEN – Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring; LOOPAHEAD – Musikalische Strukturen, mit den Wurzeln im Blues, Rhythm ’n’ Blues, Latin, Rock & Jazz; Sandra Ajtner – »My future«BARRY ALEXANDER KING – Singer-Songwriter; DER SCHWEIGER – Mit seinen philosophisch-poetischen Songs ist er mittendrin in der deutschen Poesie; SANDRA DELL’ANNA – »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen«; Die Historie der Rock- & Popmusik – THE DOORS MUSIKBUSINESS: Online musizieren – verzögerungsfrei; The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 3: VOCAL SKILLS RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; Titelschutzanzeigen; CD-Rezensionen; Kleinanzeigen; Impressum

52 MUSIKBUSINESS THE

52 MUSIKBUSINESS THE SINGER’S COACH VON LEEZA NAIL Teil 3 VOCAL SKILLS »Arbeiten an ausgewählten Songs« A – wie Anekdote Lotti Huber, die „Königin des Underground“, wie sie einmal in der Munchner Abendzeitung von Sigrid Hardt genannt wurde, meinte zu der Frage, „ob Kunst heute vielleicht mehr Erklärungen benötige“: Wenn man ihr Kunst erst erklären musse, bekomme sie schon Wut. Sie wolle schließlich fasziniert, hypnotisiert und begeistert werden – „und keine Erklärungen. Basta!“ Lotti Huber, „Jede Zeit ist meine Zeit“, dtv Munchen, S.48 Damit ist gemeint, dass (vor allem während deines Auftritts) der Kopf frei sein muss von Ge - danken über schwierige Stellen und die Techni ken, die Stellen zu meistern, damit Platz für deine Emo tio nen und deine persönliche Interpretation ist. Zwar wird Technik durch regelmäßiges Üben verinnerlicht und automatisiert; auf der Bühne aber solltest du darauf vertrauen, dass dein Körper das Erlernte von alleine umsetzt. Stattdessen solltest du dich darauf konzentrieren, dein Publikum den Song so, wie du ihn singst, fühlen zu lassen. Es ist ähnlich wie beim Autofahren: Zuerst muss man über jeden einzelnen Schritt nachdenken (schalten, Gas geben, bremsen, blinken usw.), ihn bewusst ausführen. Irgendwann aber, nach vielen Stunden Fahrpraxis schaltet, blinkt, bremst und gibt man automatisch Gas. ALLGEMEINES Der dritte Teil einer Übungseinheit besteht darin, dass du dich intensiv mit einem Song beschäftigst. Vielleicht hast du mit deinem*r Gesangs pä - da gog*in zusammen ein Stück ausgesucht, das dir Qualitäten abverlangt, die du derzeit mithilfe der Gesangsübungen trainierst. Oder du musst für die Bandprobe ein Stück vorbereiten, das dir noch Schwierigkeiten bereitet. Trainierst du beispielsweise die Intensität der Vokale in der Höhe, kannst du in deinem Übungsstück bei allen höheren Stellen genau darauf achten, die erlernte Stimm technik ganz bewusst anzuwenden. A – wie Anekdote Charlie Parker, der berühmte Jazz-Saxo - phonist und Begründer des Bebop, sagte: „Musik ist deine eigene Erfahrung, deine Ge - danken, deine Weisheit. Wenn du es nicht lebst, kommt es nicht aus deinem Horn.“ (www.jazzpages.com/jazz-zitate-quotes.html) Die beste Möglichkeit, den eigenen Fortschritt zu überprüfen, ist, von Zeit zu Zeit Tonaufnahmen von deinem Gesang zu machen. Du wirst feststellen, dass dir während des Singens Details ent gehen, die du beim Hören der Aufnahmen deutlich wahr nimmst. Stimmbildung ist nur ein Teil - bereich des Gesangstrainings. Wichtig sind daneben Aus druck und Interpretation eines Stücks. Jede Form von Kunst ist immer das Ergebnis eines kreativen Prozesses mit einer (möglichst starken) Wirkung. Diese Wirkung beim Zuhörer tritt ein, wenn Ge fühle angesprochen werden. Ein*e gute Sänger*in wird also neben seiner*ihrer erlernten Fertigkeit des Sin gens immer auch seine*ihre Per sönlichkeit mit einfließen lassen und Gefühle zum Ausdruck bringen. DAS ZUSAMMENBRINGEN VON TECHNIK UND INTERPRETATION Wenn du dir nach Einsing- und Stimm bil dungsübungen die Songs vornimmst, die du zum Üben ausgewählt hast, solltest du Folgendes beherzigen: „Vergiss“ erst einmal alles, was du an Stimm - bildungstechnik gelernt hast. SCHWIERIGE STELLEN MEISTERN Hin und wieder gibt es Stellen in einem Song, über die man immer wieder stolpert. Das kann ein Übergang von Brust- in Kopfstimme, ein be son - ders hoher Ton ohne „Anlauf-Melodie“ oder ein sehr langer Ton oder eine andere Schwierigkeit sein. Beim Üben lernst du, solche Stellen bewusst mit den erlernten Techniken zu bewältigen. Du kannst sie auf deinem Noten- oder Textsheet markieren, sodass du beim Blick darauf frühzeitig an diese Stelle erinnert wirst. So kannst du dich blitzschnell auf die erforderliche Technik für die entsprechende schwierige Stelle besinnen. Aber sobald sie gemeistert wurde, solltest du wieder den Fokus auf deine Emotionen und deine Interpretation legen. Ich finde diesen Punkt sehr wichtig, sonst kann passieren, was leider nur allzu oft bei „studierten“ Musikern zu hören ist: Man erlebt zwar höchste technische Perfektion, aber der „Funke“ will einfach nicht überspringen, weil da nichts ist, das eine Gänsehaut erzeugt. Als Demonstration überragender Technik mag ein solcher Auftritt ja ganz interessant sein – als mu si - ka lischer Genuss ist er jedoch eher zweifelhaft. www.musiker-online.tv

MUSIKBUSINESS 53 FINANZ-SKILLS FÜR SÄNGER*INNEN »Von reichen Stars und armen Künstlern« Verdienstmöglichkeiten als Sänger*in KUNST ODER KOMMERZ? ODER BEIDES? Wer das Privileg genießen möchte, als freiberufliche*r Musiker*in zu arbeiten, sollte sich – was die Musikrichtung betrifft – für mehr als nur eine Nische interessieren. Kommerziell arbeiten heißt, unter dem Hauptaspekt des Geld - v erdienens Musik zu machen. Es bedeutet jedoch nicht, minderwertige Arbeit zu verrichten. Jede Art von Musik kann und soll so kompetent und erstklassig wie möglich gespielt werden. In der Branche gibt es viele Musiker*innen mit einem sehr guten Ruf, die komfortabel von ihrem Job leben können. Es sind Musiker*innen, die immer hervorragende Arbeit leisten, egal, ob sie nun im Chor bei Andrea Berg oder im Musical „Starlight Express“ mitwirken. Aber dann gibt es die, für die ein*e Künstler*in nur dann eine*r ist, wenn er*sie exklusiv und ausschließlich Kunst macht, die alles sein darf, nur nicht kommerziell. Diese Exklusivität hat ihren Preis und nicht selten zur Folge, dass ein Künstler, der ausschließlich Kunst betreibt, nicht weiß, wovon er die nächste Miete zahlen soll. Manch einer unterrichtet lieber 60 und mehr Stunden die Woche, als mit kommerzieller Musik auf der Bühne zu stehen. Das ist in Ordnung – solange dir die Arbeit mit sehr vielen mehr oder weniger begabten Schülern Spaß macht, du damit deine Rechnungen zahlen kannst und zufrieden bist. Bist du aber der Typ Musiker*in, der*die lieber mehrere Monate im Jahr unterwegs ist, jede Menge Leute kennenlernen und ausreichend Geld verdienen will, ist der kommerzielle Weg vielleicht der bessere für dich. Nichts spricht dagegen, zusätzlich die Musik, an der dein Herz hängt, zu spielen. Jede*r muss für sich entscheiden, welchem Typ er*sie am ehesten entspricht. Solange es Künstler gibt, die ausschließlich von Musik leben wollen (oder müssen), solange scheiden sich schon die Geister darüber, wie kompromissbereit ein Künstler sein darf. Wie viel Kommerz verträgt die Kunst? Oder: wie schaffe ich es, mich selbst zu verwirklichen, so viel wie möglich künstlerisch-kreativ tätig zu sein und genügend Geld zum Leben zu verdienen? Ein Mittelweg kann bedeuten, deinen Lebensunterhalt mit kommerzieller Musik, zum Beispiel in einer Gala-Band, zu verdienen. In der übrigen Zeit kannst du dich deinen musikalischen Vorlieben widmen und beispielsweise in Clubs deine Musik spielen. Vielleicht ergeben sich tatsächlich Begegnungen, die zu begehrteren Jobs oder sogar einem Plattenvertrag führen. Auch wenn es eine langwierige Angelegenheit werden kann: Ausdauer und Durchhaltevermögen, die man sich als Freiberufler*in ohnehin antrainieren sollte, werden sich am Ende auszahlen und dich deinem Ziel näherbringen. 8 E – wie Erfahrung Ich selbst habe – wie viele andere – ebenso angefangen. Die erste Band war eine Schülerband, mit der wir beschlossen, auch nach Ab - schluss der Schulzeit weiterzumachen. Wir probten jede Woche erst im Keller meines Elternhauses, später beim Bassisten und irgendwann stand der erste Auftritt an. Wir spielten auf einer Kirmes in einer kleinen Dorfkneipe – und verdienten damit das erste Mal Geld. Es folgten weitere Auftritte, wir hatten eine Menge Spaß und fanden es natürlich klasse, auf diese Weise unser Taschengeld aufzubessern. Erst viel später, als ich längst Gesang studiert hatte und Vorzüge, aber auch Nachteile einer freiberuflichen Tätigkeit als Künstlerin kennengelernt hatte (und nebenbei selbst für meine Wohnung und alle anderen Kosten aufkommen musste), da erst schlichen sich andere Gedanken ein. Plötzlich empfand ich es als ungerecht, dass all diese Hobbybands, deren Musiker weder studiert hatten noch besonders gut spielten, uns „Profis“ die Jobs wegnahmen. Denn leider ist es so, dass viele Veranstalter (ebenso wie das Publikum) den qualitativen Unterschied in der Musik gar nicht hören (oder er ihnen unwichtig ist) und sich für die finanziell günstigere Alternative entscheiden. Reine Hobbybands bieten eigentlich immer den niedrigeren Preis an – eben weil sie es können. Die Musik ist nicht ihre Haupteinnahmequelle und sie sind nicht auf das Geld angewiesen. Im Gegenteil: Es ist „nur“ ihr Hobby und im Gegensatz zu vielen anderen Hobbys, die Geld kosten, bekommen sie auch noch Geld dafür – und können sich das beste und teuerste Equipment leisten. Na, besser kann’s doch gar nicht laufen, oder? – zumindest nicht für die Hobbymusiker. Als Berufsmusiker hat man freilich einen anderen Blickwinkel: Ich dachte mir irgendwann, ich fange doch auch nicht an, daheim Brötchen zu backen und sie spottbillig an der Haustür zu verkaufen. Da würden mir die ortsansässigen Bäcker bald die Bude einrennen, oder? Stoff zum Nachdenken ... 1/2022 musiker MAGAZIN