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Musiker Magazin 1/2022

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Gewinner; Deutscher Rock & Pop Preis 2022 – Konzept STORIES: 40 Jahre Deutscher Rock & Pop Musikerverband e. V. – Ein kleines, aber feines Jubiläum ...; Alwin Smoke – »Six String Stories«; Peter Volland – »Losgelöst von Markt und Umsatz bleibt das Musizieren weiter Teil meines Lebens«; Lili Czuya – »Andere haben mit 20 ein Auslandsjahr gemacht, ich hab auf dem Kiez als Sängerin gearbeitet.«; FEDERNELKEN – Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring; LOOPAHEAD – Musikalische Strukturen, mit den Wurzeln im Blues, Rhythm ’n’ Blues, Latin, Rock & Jazz; Sandra Ajtner – »My future«BARRY ALEXANDER KING – Singer-Songwriter; DER SCHWEIGER – Mit seinen philosophisch-poetischen Songs ist er mittendrin in der deutschen Poesie; SANDRA DELL’ANNA – »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen«; Die Historie der Rock- & Popmusik – THE DOORS MUSIKBUSINESS: Online musizieren – verzögerungsfrei; The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 3: VOCAL SKILLS RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; Titelschutzanzeigen; CD-Rezensionen; Kleinanzeigen; Impressum

46 STORIES Dessen Eigen

46 STORIES Dessen Eigen schaften beschrieb Morrison wie folgt: „Er würde sich tanzend in Trance versetzen und wild herumwirbeln, dabei Alkohol trinken und Drogen nehmen. Dann würde er sich mental auf eine Reise begeben und sie seinem Stamm be - schreiben.“ „Waiting For The Sun“ förderte zwei Filme hervor, die stark miteinander kontrastierten. Im Februar 1968 erschien „The Unknown Soldier“, der zwischen Krieg und US-amerikanischem Familien - leben pendelt und in dem der Christus-ähnliche Morrison standrechtlich erschossen wird. Während der Europa-Tournee der Doors entstand am Vortag ihres Auftrittes vom 14. September 1968 auf dem Römerberg in Frankfurt am Main im Voll-Playback in einem bizarren Rahmen der Film mit ihrem Hit „Hello, I Love You“ für die ZDF- Sendung 4-3-2-1 Hot & Sweet – Musik für junge Leute. Das sterile Playback auf einem Platz unter freiem Himmel fügte sich nicht annähernd in den Sound des Songs mit Kriegers verzerrter Gitarre ein. Dazu hüpfte eine einzelne Tänzerin durchs Bild, während vorwiegend bieder gekleidete Er - wachsene hinter der Band standen und mit ihr nichts anzufangen wussten. Die Doors und Vati und Mutti passten nicht zueinander. Abseits davon hatte die Band begonnen, sich und ihre Musik selbst darzustellen. Während ihrer Tournee im Sommer 1968 wurde „Feast Of Friends“ gedreht, in den Aufnahmen von Auftritten einflossen. Der Film wurde damals nur auf ein paar Festivals ge - zeigt. Seit 2014 ist er gemeinsam mit Dokumen - tationen erhältlich und dazu einer Live-Aufnahme von „The End“ aus dem Jahr 1967, die als eine der besten gilt. Es wurden auch verschiedene andere Live-Auftritte der Doors auf Film festgehalten, zum Beispiel das bekannte Konzert vom 4. Juli 1968 in der Hollywood Bowl. Sie sind mittlerweile als DVDs auf den Markt gebracht worden. Das vierte Studio-Album der Doors geriet zu einem umstrittenen Projekt. Der Band fehlten neue Songs. Deswegen musste 1968 für „The Soft Parade“ experimentiert werden. Man stritt zum Beispiel darüber, ob Kriegers Song „Touch Me“ besser ohne Orchesterbegleitung veröffentlicht werden sollte. Allerdings wurde er mit Orchester und jazzigen Bläsern zu einem Riesenhit. Der Doors-Produzent war mit Vielem überhaupt nicht einverstanden und verlangte zahlreiche Ände - run gen. Am 25. Februar 1969 waren die Doors mit einem Übungsauftritt im Radio zu hören, der 2018 als „Shot To Pieces“ veröffentlicht wurde. Das Ex perimentieren im Studio ließ die Pro duk - tions kosten auf 80 000 $ ansteigen, das Acht - fache, was für das Debütalbum ausgegeben worden war. Heraus kam ein Album, dem die Ge - schlossen heit fehlt. Gleich der erste Song „Tell All The People“ enthielt Anklänge an Popmusik. Zweifel wurden laut, die Band hätte ihre Richtung verloren. Die Doors hatten zwar ihr Spektrum erweitert, aber „The Soft Parade“ zerfällt in zwei Teile, die musikalisch wenig miteinander verbunden sind. Ein drucksvoll sind die vertrauten Doors neben Kriegers Hit auf „The Soft Parade“ aber jedenfalls vertreten: mit „Wild Child“, wovon auch ein Musik film entstand, und den raueren Songs „Do It“ und „Easy Ride“. Morrisons „Shaman’s Blues“ verlieh seinem Etikett Ausdruck. Auch dieses Mal produzierte die Band ein langes Stück, das das Album beschließen sollte. Die rund neun - minütige „The Soft Parade“ ist gewissermaßen ein Sinn bild der kritisierten Uneinheitlichkeit. Die ersten sind eine Melange. Morrison deklamiert bis hin zum Brüllen „You can’t petition the Lord with prayer,“ was ihm später spöttisch vorgehal- ten wurde. Es folgen unterhaltungsmusikartige Klänge. Aber dann legen die Doors kraftvoll-psychedelisch los, und der ekstatische Morrison ruft „This is the best part of the trip!“ Man kann ihm nicht widersprechen. Bevor „The Soft Parade“ am 18. Juli 1969 veröffentlicht wurde, ereignete sich am 1. März 1969 beim Auftritt der Band im Dinner Key Auditorium in Miami ein folgenschwerer Eklat. Morrison, der als Folge seines ständigen Alkoholkonsums be - gonnen hatte, an Körperfülle zuzulegen, kam sturz - betrunken auf die Bühne. Zum Einstieg sang und schrie er „Five to One“ als unzüchtiges Lied im Alkoholrausch. Dann ging er dazu über, wie ein aggressiver Alkoholiker zu provozieren, und kündigte an, sich zu entblößen. Das chaotische Kon - zert, vom dem zahlreiche Fotos geschossen wurden und auch Filmaufnahmen existieren, wurde daraufhin nach 45 Minuten von der Polizei abgebrochen. Morrison wurde wegen seines Verhal - tens angeklagt und Ende Oktober 1970 wegen „Fluchens und unanständiger Zurschaustellung“ verurteilt. Allerdings belegte keines der zahlreichen Bilder das Morrison vorgeworfene exhibitionistische Verhalten, und vor allem Densmore war absolut sicher, dass Morrison sich nicht entblößt hatte. Morrisons Verteidiger legte Berufung gegen das Urteil ein. Weil Morrison verstarb, wurde das Verfahren nicht zu Ende geführt. Knapp 40 Jahre später wurde er posthum begnadigt. Wegen des Eklats durften die Doors in 16 Bundesstaaten der USA nicht mehr auftreten. Radiostationen verbannten Songs der Band bis auf Weiteres aus ihren Programmen. Außerdem fanden „Kund ge - bungen für den Anstand“ gegen die Doors statt, und schließlich blieb die Band auch dem Wood - stock Festival fern. Ein denkbar schlechter Start für „The Soft Parade“. Die musikalische Kraft der Doors war indessen nicht verflogen. Nach dem Miami-Fiasko veröffentlichten sie im Februar 1970 „Morrison Hotel“, »Das vierte Studio-Album der Doors geriet zu einem umstrittenen Projekt. Man stritt zum Beispiel darüber, ob Kriegers Song „Touch Me“ besser ohne Orchesterbegleitung veröffentlicht werden sollte. Allerdings wurde er mit Orchester und jazzigen Bläsern zu einem Riesenhit.«

47 und dieses Album war wie eine Wieder - auf er ste hung. Die A- Seite trägt die Über - schrift „Hard Rock Cafe“ und gibt mit dem Eröffnungstitel „Road house Blues“ die Richtung vor: kraftvoller Blues rock vom Feinsten mit Morrison in Hochform. Während der Auf nah - me-Sessions hatten sich die Doors an diesen auch zum Live-Klassiker gewordenen Song in einer Reihe von Takes herangearbeitet, die mitunter durch ihre Unbehauenheit vor Vitalität sprühten. Parallel zu „Morrison Hotel“ wurde auch der Musik - film „Roadhouse Blues“ herausgebracht. Das „Hard Rock Cafe“ überzeugt mit seiner Wucht, die zum Beispiel die Songs „Peace Frog“ und „Ships Of Fools“ ausdrücken. Hierher passt daher auch der zurückgehaltene Song „Waiting For The Sun“, und auch das ruhige Stück „Blue Sunday“ mit seiner gediegenen Musikalität be deutet keinen Wider spruch. Die B-Seite „Morrison Hotel“ strahlt die zurückgewonnene Vitalität eben falls aus, am bemerkenswertesten wohl mit „Land Ho!“ und „Maggie McGill“. Im Juli wurde außerdem die Live-Doppel-LP „Absolutely Live“ veröffentlicht, die die Kraft der Doors als Live-Band in einer spannungsgeladenen Atmosphäre festgehal- »Aus dem Mangel an Songs zu Beginn der Produktion entstand keine verkrampfte LP voller Kompromisse, sondern ein vorzügliches Album. Die am 19. April 1971 veröffentlichte LP „L.A. Woman“ ist eine abwechslungsreiche LP, prallvoll mit zehn ansteckenden Songs, aus denen die Kraft quillt.« ten hat. Das Album eröffnet mit dem Bo-Diddley- Klassi ker „Who Do You Love“ von 1956 und sowie dem Medley aus „Alabama Song“, „Backdoor Man“, „Loves Hides“ und „Five To One“. Wer damals die Band nicht live erleben konnte, erhielt einen beeindruckenden Einblick in die Bühnen - präsenz der Band mit Morrisons wilder Per for - mance, in der er alle Register zieht, und Kriegers atemberaubenden Gitarrenparts. Auf „Absolutely Live“ erlebte auch „The Cele bration Of The Lizard“ seine Schall plattenpremiere. Der Alkohol zeichnete Morrison unerbittlich, und das wurde durch den Vollbart, den er sich hatte wachsen lassen, umso deutlicher. Zudem fühlte Morrison sich ausgebrannt. Als die Doors im August 1970 auf dem Isle of Wight Festival auftraten, erlebte das Publikum ihn stimmlich ausgezeichnet aufgelegt, aber verglichen mit früheren wilden, unberechenbaren Auftritten in sich gekehrt. Im De zem ber 1970 gingen die Doors für ihr nächs tes Album ins Studio und legten bereits ihre Ver sion von John Lee Hookers „Crawling King Snake“ im Film vor. Wieder stand die Band davor, nicht über genügend Songs für ein ganzes Album zu verfügen. Was sie ihrem Pro duzenten Paul Rothchild anboten, empfand er als „pure Lange - weile“. Schließlich warf er sogar das Hand tuch, und Toningenieur Botnick übernahm die Verant - wortung für die Produktion. Mit ihm be sannen sich die Doors auf die Ur sprünglichkeit ihres Debütalbums zurück, als sie sich selbst als Ga - ragen-Band gesehen hatten. Nach „The Doors“, „Strange Days“ und „Morrison Hotel“ ge lang ein viertes Album-Wunder. Aus dem Mangel an Songs zu Beginn der Produktion entstand keine verkrampfte LP voller Kompromisse, sondern ein vorzügliches Album. Die am 19. April 1971 veröffentlichte LP „L.A. Woman“ ist eine abwechslungsreiche LP, prallvoll mit zehn an steckenden Songs, aus denen die Kraft quillt. Was für ein Vermächtnis! „Love Her Madly“ und „Riders On The Storm“ bescherten der Band noch einmal Hits. Rothchild hatte den brillanten Song „Riders On The Storm“ abgelehnt, in dem die Musik der Doors psychedelisch fließt und der den Zuhörer durch 8 1/2022 musiker MAGAZIN