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Musiker Magazin 1/2022

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Gewinner; Deutscher Rock & Pop Preis 2022 – Konzept STORIES: 40 Jahre Deutscher Rock & Pop Musikerverband e. V. – Ein kleines, aber feines Jubiläum ...; Alwin Smoke – »Six String Stories«; Peter Volland – »Losgelöst von Markt und Umsatz bleibt das Musizieren weiter Teil meines Lebens«; Lili Czuya – »Andere haben mit 20 ein Auslandsjahr gemacht, ich hab auf dem Kiez als Sängerin gearbeitet.«; FEDERNELKEN – Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring; LOOPAHEAD – Musikalische Strukturen, mit den Wurzeln im Blues, Rhythm ’n’ Blues, Latin, Rock & Jazz; Sandra Ajtner – »My future«BARRY ALEXANDER KING – Singer-Songwriter; DER SCHWEIGER – Mit seinen philosophisch-poetischen Songs ist er mittendrin in der deutschen Poesie; SANDRA DELL’ANNA – »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen«; Die Historie der Rock- & Popmusik – THE DOORS MUSIKBUSINESS: Online musizieren – verzögerungsfrei; The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 3: VOCAL SKILLS RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; Titelschutzanzeigen; CD-Rezensionen; Kleinanzeigen; Impressum

40 STORIES MM: Deine

40 STORIES MM: Deine Musik ist bekannt dafür, sehr vielfältig zu sein, du singst in verschiedenen Sprachen und experimentierst mit Genres. Doch wie hat es alles für dich angefangen? SANDRA DELL’ANNA: Die Musik spiegelt meine Natur wider. Ich bin eine Suchende – nach neuen Herausforderungen, nach neuen Räumen. Ich will meine Seele reisen lassen, mich immer wieder neu entdecken. Das ist mir ein Bedürfnis, in diesen schwierigen Zeiten umso mehr. Schon als Kind hatte ich ein Gespür für Melodien. Meine erste Komposition habe ich mit neun Jahren auf einer Melodica entwickelt. Ein Klavier und auch den Unterricht dafür hatte ich nicht. Meine Eltern lebten und arbeiteten zu dieser Zeit in Deutschland. Ich wuchs bei meiner Tante in Süditalien auf, meine Schwester in Frankreich bei unserer Oma. Lange Zeit habe ich geglaubt, ich hätte keine richtigen Wurzeln und sei deshalb völlig uninteressant. Statt - dessen hat mich der frühe Umgang mit unterschiedlichen Kulturen menschlich und musikalisch positiv geprägt. Als ich schließlich in Deutsch land war und mein eigenes Musikprojekt gestartet hatte, probierte ich mich auch sofort in verschiedenen Genres aus: von Pop über Operette bis zu Jazz. Ich bin auch heute noch nicht festgelegt. In welcher Sprache oder in welchem Genre ich schreibe, entscheide ich aus dem Bauch heraus. »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen« MM: Du warst bereits als Musicaldar stel le rin tätig, genauso wie als Sängerin, aber auch als Bestandteil einiger Bands. Doch was macht dir am meisten Spaß? SANDRA DELL’ANNA: Die Abwechslung, die finde ich am schönsten. Ich war schon immer ein Team - player. Ich liebe es, als Teil eines Ensembles oder einer Band auf der Bühne zu stehen. In diesem Fall ist die gesamte Arbeit relevant und nicht nur das, was man selbst leistet. Und wenn dabei Har - monie herrscht, kommt etwas Großartiges heraus. Als Songwriterin genieße ich die schöpferische Zeit, dann, wenn ich mich ganz in mich zurückziehe und nur mit meiner Gitarre kommuniziere. Das sind wichtige, ganz intime Momente. Und dann hat Musik etwas Magisches. MM: 2020 hat du den zweiten Platz in der Hauptkategorie „Deutscher Singer-Song - writer Preis“ gewonnen. Wie gehst du beim Songwriting vor? Kommt erst die Musik oder die Melodie? Sandra Dell ‘Anna SANDRA DELL’ANNA: Selten kommt die Musik als Erstes. Meistens komme ich auf Textideen oder Melodiefragmente, auch beides zusammen. Erst dann suche ich die passenden Harmonien auf www.musiker-online.tv

STORIES 41 „Breath of life“ VÖ: 29. AUGUST 2020 „In bilico“ VÖ: 29. AUGUST 2020 „Questo mondo“ VÖ: 2019 der Gitarre. Steht die Grundidee des Songs, nehme ich meine Musiker ins Boot, und wir erarbeiten gemeinsam das Arrangement. MM: Woher holst du die Inspiration für deine einzigartigen Songs? SANDRA DELL’ANNA: Danke für das „einzigartig“. Woher meine Inspiration kommt? Nun, zunächst arbeitet alles in meinem Unterbewusst - sein. In dieser Zeit notiere ich Gedanken und Reflexionen. Die Zettel fliegen dann überall im Haus herum. Es ist eine Zeit, in der ich etwas un - genießbar bin, sagt meine Familie. Sobald der Text flüssig ist und die Worte einen Rhythmus ergeben, entstehen die Melodien fast von selbst. Meistens dann, wenn ich allein bin – spaziere oder jogge, auch beim Kochen. Dann nehme ich alles mit dem Handy auf. So kann ich meine Ideen im Anschluss leichter bearbeiten. MM: Du beschäftigst dich auch viel mit so - zialen Themen. Das Thema Erde ist eines davon – wie stehst du dazu? SANDRA DELL’ANNA: Unsere Erde gibt uns klare Zeichen, dass wir nicht mehr so leben können wie bisher, dass wir alle verbunden sind. Ganz aktuell: Während Griechenland und die Türkei brennen, werden Deutschland, Belgien und Holland überflutet. Das Klima spielt verrückt und wir können uns davon nicht abwenden. Wir haben nur diese eine Welt, mit der wir achtsam sein müssen, weil sie uns nicht nur ernährt und erhält, sondern auch Hoffnung und Freude schenkt. Die Men schen sind ein Teil vom Ganzen, und es liegt letztendlich an uns, die Verant wor - tung grenzüberschreitend zu teilen und im Herzen zu tragen. Flüchtlingen. Vor zirka 60 Jahren kam mein Vater als Gastarbeiter von Italien nach Deutschland. Das ist im Grunde nichts anderes. Doch Italiener sind in Deutschland beliebt, dennoch ist es für sie nicht immer einfach in dieser doch häufig anderen Kultur. Die Lebenseinstellung und die Haltung, wie man miteinander umgeht, sind ganz verschieden, obwohl sich die Menschen beider Länder nicht nur geografisch näher sind. Nur wenn man bereit ist, andere Kulturen kennenzulernen und zu respektieren, ist ein Zusammen - leben möglich. Das ist ein Lernprozess, der häufig unterschätzt wird. Er ist auch keine Einbahn straße. Ich fühle mich durch die kulturellen Unterschiede in Deutschland bereichert und bereichere mein Umfeld mit den meinen. MM: Was ist noch wichtig für dich? SANDRA DELL’ANNA: Gegenseitiger Respekt und Verständnis füreinander. Die Pandemie hat die Macht der Medien und der sozialen Netz werke entlarvt, auch die Naivität mancher Menschen. Sobald man ins Internet geht, werden wir mit unterschiedlichsten Informationen und Meinun - gen bombardiert. Mittlerweile wird nur noch protestiert. Hauptsache, man fühlt sich frei, unabhängig davon, ob man so die Freiheit der anderen einschränkt. Medizin, Schulsystem oder Ordnungsamt werden ständig unter die Lupe genommen. Dabei jammern wir alle auf sehr hohem Niveau. Denn es gibt kaum ein vergleichbares Land auf der Welt mit einem solch guten Sozialsystem wie Deutschland. Gerade auch Frauen genießen hier mehr Gleichberechtigung und Schutz vor Gewalt, das ist in anderen Ländern viel schwieriger. MM: Was sind deine Ziele für die Zukunft? Darüber wollte ich schon 2019 schreiben. Doch erst als die Pan demie kam, fand ich mit meinem Song „Breath Of Life“ die richtigen Im - pulse und Worte dazu. Diese Botschaft habe ich gemeinsam mit meinen Musi ker kollegen Matias Collantes und Miguel Omar Berberena wunderbar umgesetzt. Sie ist wieder sehr aktuell. MM: Unsere Gesellschaft ist auch eines der Themen; unter anderem sprichst du von den Schwierigkeiten durch kulturelle Un ter - schiede. Warum beschäftigt dich dieses Thema? SANDRA DELL’ANNA: Wir leben in einer interkulturellen Welt und das wird sich künftig noch ver stärken. Wir sehen, was gerade in Afghanistan passiert, dass diese Menschen eine sichere Heimat suchen. In solchen Fällen spricht man von SANDRA DELL’ANNA: Ich arbeite gerade an einem Jazz Projekt und freue mich auf die Zusammenarbeit mit alten und neuen Musikern. In diesem Sinne kann ich für mich nur bestätigen: Der Weg ist das Ziel. Wenn ich das Gefühl habe, ich wäre fast angekommen, wird sofort alles wieder auf null gesetzt. Schlechte Gewohn - heit oder vielleicht eine Glückssache? Wer weiß, das wird die Zukunft zeigen. Ich bleibe offen und neugierig und das ist der Boden für Kreativität. Auf jeden Fall ist Musik ganz groß für mich. Und das wird sie immer bleiben. WEB: SANDRA-DELLANNA.COM FACEBOOK.COM/SANDRA.DELLANNA.5 YOUTUBE.COM/C/SANDRADELLANNA INTERVIEW: LEONIE FÖRSTER FOTO: © MARACA FOTOGRAFIA 1/2022 musiker MAGAZIN