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Musiker Magazin 1/2022

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FESTIVAL: Deutscher Rock & Pop Preis 2021 – Gewinner; Deutscher Rock & Pop Preis 2022 – Konzept STORIES: 40 Jahre Deutscher Rock & Pop Musikerverband e. V. – Ein kleines, aber feines Jubiläum ...; Alwin Smoke – »Six String Stories«; Peter Volland – »Losgelöst von Markt und Umsatz bleibt das Musizieren weiter Teil meines Lebens«; Lili Czuya – »Andere haben mit 20 ein Auslandsjahr gemacht, ich hab auf dem Kiez als Sängerin gearbeitet.«; FEDERNELKEN – Populärmusik zwischen Hirschbachstüberl und Mittlerem Ring; LOOPAHEAD – Musikalische Strukturen, mit den Wurzeln im Blues, Rhythm ’n’ Blues, Latin, Rock & Jazz; Sandra Ajtner – »My future«BARRY ALEXANDER KING – Singer-Songwriter; DER SCHWEIGER – Mit seinen philosophisch-poetischen Songs ist er mittendrin in der deutschen Poesie; SANDRA DELL’ANNA – »Ich möchte nicht aufhören, an Musik zu wachsen«; Die Historie der Rock- & Popmusik – THE DOORS MUSIKBUSINESS: Online musizieren – verzögerungsfrei; The Singer’s Coach von LeeZa Nail – Teil 3: VOCAL SKILLS RUBRIKEN: Musiker-News; Produkt-News; Titelschutzanzeigen; CD-Rezensionen; Kleinanzeigen; Impressum

34 STORIES »Ich habe im

34 STORIES »Ich habe im Jahr 2018 den Weg als Soloartist gezwungenermaßen begonnen. Inzwischen fühle ich mich in dieser Rolle sehr wohl und bin endlich angekommen, aber es stand ursprünglich definitiv nicht auf meiner „Bucket List“« BARRY ALEXANDER KING „Facetune_Autotune“ – Single VÖ: 18. DEZEMBER 2021 BAK.BAVARIARECORDS.COM WWW.FACEBOOK.COM/ BARRYALEXANDERKING MM: Du wurdest in Lincolnshire / Groß bri - tannien geboren und bist dort aufgewachsen. Woher kam der Entschluss, nach Deutsch land zu ziehen? BARRY ALEXANDER KING: Mitte der neunzigerjahre hat meine damalige Band aus GB ein Agentur-Vertragsangebot aus Deutschland von der US-Regierung erhalten, um dort bei der ganzen Armee, der Air Force und den NATO-Kasernen auftreten zu können. Wir haben dieses Angebot dankend angenommen, sind über ein Jahr lang durch ganz Deutschland, Teile Spaniens und Italien getourt und haben uns schließlich in Mannheim niedergelassen. Irgendwann war die Luft raus, die anderen sind zurück nach GB und ich bin nach Rhein-Main gezogen, um mich dort einer neuen Band anzuschließen. Damals in den Klubs haben wir immer nur Cover gespielt und es war ein super „learning by doing“. Irgendwann haben wir jedoch erkannt, dass man nur weiterkommen kann, wenn man seine eigene Musik macht. Damals – ca. 2003 – beschloss ich, komplett nach Deutschland zu ziehen und weiter an meiner Musik zu arbeiten. MM: Du beschreibst dich selbst als „Band- Typ“ und hättest nie gedacht, Solokünstler zu werden. Wie ist es dann letztendlich dazu gekommen? BAK: Ca. 2013 haben wir mit der Idee gespielt, ein Band-Comeback zu geben und ca. drei Jahre www.musiker-online.tv

STORIES 35 BARRY ALEXANDER KING lang gemeinsam wieder neu zu komponieren und zu produzieren. Ich merkte aber, dass die anderen nicht mehr die Zeit oder vielleicht auch die Leidenschaft dafür hatten. Wie bei vielen Bands auch hatten wir untereinander ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, in welche Richtung man gehen könnte. Wir haben uns zwar nie offiziell ge - trennt, aber ich wusste, das wird nichts mehr. Im Oktober 2017 hatte ich fast 25 teilweise schon fertige neue Songs, aber keine Band. So hatte ich nur die Wahl, es sein zu lassen oder mich als Solokünstler zu etablieren. 2018 entschied ich mich gezwungenermaßen für den Weg als Soloartist. Und inzwischen fühle ich mich in dieser Rolle sehr wohl und bin angekommen, aber das stand definitiv ursprünglich nicht auf meiner „Bucket List“. MM: Nun bist du ein Independent-Solo künst - ler. Du bist dein eigener Manager, doch welcher Herausforderung musstest du dich stellen? BAK: Zu Beginn hatte ich echt Angst, ob ich überhaupt einen Anfang starten könnte. Ich musste mich mit der Technik komplett neu auseinandersetzen. Nach einer gewissen Zeit ging das immer besser. Ich bin dann in die USA gereist, um dort Teile meines ersten Albums einzuspielen und zu produzieren. Schließlich, nach viel Schweiß, hatte ich Ende 2019 mein erstes Soloalbum veröffentlicht. Doch damit stand ich dann wieder am An - fang, denn ohne Management musste ich erst selbst lernen, wie man verkauft und vermarktet. MM: Du beschreibst Songwriting als einen Lernprozess. Wie gehst du da vor und was lernst du Neues beim Songwriting? BAK: Damals, im Jahr 2003, dachte ich, dass ich schon ein guter Songwriter sei, aber wenn ich jetzt zurückschaue, muss ich feststellen, dass ich mir das nur eingebildet hatte. Jetzt, nach zwei Veröffentlichungen meiner Soloalben „Leave It All Behind“ 2019, „Break Down The Borderrs 2020 und der dritten, „BAK3“, schon in den Start - löchern, würde ich sagen, dass ich die Kunst des Songwriting viel besser draufhabe. Ich hatte mir mehr Zeit genommen, Sachen zu optimieren und anzupassen – früher hätte ich mich vielleicht einfach schneller zufriedengegeben. Ich konnte verschiedene Songversionen aufnehmen, anhören (am besten unterwegs im Auto) und dann schneller entscheiden, was richtig und was falsch war. In einer Bandumgebung ist dies sehr schwer und kompliziert, weil jeder seine Ideen am besten durchsetzen möchte. Als Solokünstler hast du dieses Problem nicht. Inzwischen habe ich ein kleines Team von Musikern, Producern, Mixern und Multi - media-Partnern aufgebaut. Diesen Leuten vertraue ich blind und zu 99 Prozent sind wir alle einer Meinung. Inzwischen habe ich auch gelernt, dass man relativ schnell einen Beat laufen lassen, spielen, singen und einen einfachen Song innerhalb weniger Minuten aufnehmen kann. Das war früher viel schwieriger. MM: Du bist schon länger in der Musik bran - che tätig. Wie haben sich das Recording und die Produktion über die Zeit verändert? BAK: Wenn ich an die Bandzeiten denke, hatten wir ein fast voll ausgestattetes Tonstudio mit einer alten 24-Track-Maschine, einem großen Misch - pult und Tausenden verschiedenen Effekten/Amps etc. gehabt. Dazu einen großen Proberaum mit komplettem Schlagzeug-Set. Heutzutage braucht man das nicht mehr (okay, für die Band bleibt vielleicht der Proberaum erhalten). Ein kleiner Raum mit kompaktem Equipment reicht. Wir sind schon längst (auch vor der Covid-19-Pandemie) in dem Zeitalter des Remote-Recordings. Sogar im Jahr 2018 habe ich auch mit Musikern aus USA, UK und Deutschland Songs aufgenommen. Nicht gleichzeitig, aber mit Online-Tools wie Dropbox oder Online-Musiker-Dienstleistungen (Airgigs, Soundbetter) kann man seine Musiker selbst aussuchen und es ist nicht mehr so teuer wie in früheren Zeiten. Das Beherrschen der Technik ist auch ein sehr wichtiger Teil des Recordings, weil man mit Systemen wie iMac/LOGIC X so unglaublich viele Möglichkeiten hat. MM: Musik ist ein Business und du redest davon, deinen eigenen „Brand“ aufzubauen. Wie machst du das? BAK: Für mich persönlich ist es wichtig, meinen eigenen Sound zu kreieren. Ob mir das gelingt, wird die Zeit zeigen, aber wie baut man seine Songs/ Abläufe/Produktionen auf? Ich zum Beispiel liebe es, mit vielen Chor stim - men einen Song aufzubauen und zu arrangieren. Eine Lead-Stimme-Strophe vielleicht ohne Har - monie – aber spätestens in der Bridge muss eine Steigerung kommen mit einer zweiten Stimme bis hin zu einem fetten Refrain. Wenn der Song dazu passt, dann ist das meine Vorgehensweise, und wenn man meine Songs hört, wird man diesen Aufbau hoffentlich erkennen. „Building a Brand“ heißt auch: Was habe ich für eine Aussage? Habe ich überhaupt eine? Einen Pop-/Rocksong zu schreiben ist für mich nicht schwer, aber wie kann ich einen bedeutungsvollen Text schreiben, der etwas aussagt? Da arbeite ich sehr intensiv an verschiedenen Themen und hoffe, damit meinen Stil/Brand darzustellen. Dann kommen Bilder, Video und Grafik. Ich habe das Glück, in diesem Bereich einen sehr kompetenten Partner zu haben, der auch immer über „Bran- ding“ redet und sagt: „Mach was anderes, aber deines.“ MM: Woher bekommst du deine Einflüsse und Inspirationen für deine Musik? BAK: Ich denke, momentan sind wir alle mit Ein - flüssen und Inspirationen übersät. Es gibt so viele Themen, die aktuell reizen und polarisieren. Die Weltpolitik und soziale Ordnung scheinen manchmal auf der Kippe zu stehen. In den USA sind sie komplett politisch gespalten, und seit der Pan demie haben wir weltweit ein ganze Menge Probleme, weil es unterschiedliche Meinungen in Bezug auf Maskenpflicht, Impfpflicht, Verschwörungstheorien etc. gibt. Diese Meinungen werden teilweise aggres siv online vertreten, als öffentliche Kriegs - plätze benutzt, und es ist inzwischen ganz „normal“, dass fremde Leute sich gegenseitig beleidigen. Mein aktuelles Album beschäftigt sich mit solchen Themen. Ein anderes Thema, das mich sehr beschäftigt hat, ist die Obsession von der optischen und 8 1/2022 musiker MAGAZIN