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Musiker Magazin 03/2016

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Deutscher Rock & Pop Preis 2016 Annina Struve & HUGOONION – Funkustic Rock ’n’ Soul „Tanzmucke ade, willkommen eigene Pläne“ – Interview mit Linda Schinkel MAGISTARIUM – Eine internationale deutsche Metalband KLIMA – Irgendwann ist jetzt CENTURY LETTERS – Eine musikalische Reise durch Erfahrungen, eingebunden in ehrliche Texte FIETE – „Sie hört Musik“ SOLO – Seit 2011 machen die fünf Indie-Rocker zusammen Musik. Solo, aber nicht allein „Mit anderen Augen“ – Liedermacher, Songpoet und Gitarrist Volkwin Müller lädt ein zur Seelenschau eines Mannes mit Gefühl Von Bracken Duo – eingängige Songs von Jazz bis Pop Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 5: Unvergleichlich – Rory Gallagher Black Penny Records – Interview mit Kristian Pohlmann Das nackte Hören – Kann man als MusikerIn das Hören abstellen? Improvisation (auf der Gitarre) Musik-Charts – Welchen Einfluss haben sie noch auf die Musikplanung im Radio?

46 MUSIKBUSINESS

46 MUSIKBUSINESS IMPROVISATION (auf der Gitarre) Der Begriff Improvisieren geht auf das lateinische Wort improvisus zurück und be - deutet in etwa so viel wie unvorhergesehen oder unerwartet. Unvorhersehbare und unerwartete Ele mente in einem Vortrag, ganz gleich ob auf einer Theaterbühne, im Bundestag oder in einem Konzert, sind ein wichtiges Mittel, um ein Publi - kum zu unterhalten und einen direkten Draht zu ihm zu entwickeln. So ist die Fähigkeit zur Impro - visation eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit als Unterhaltungskünstler, ob als Talkmaster, Musi - ker, Schauspieler oder Comedian. Eine Darbie - tung wird erst lebendig, wenn ein Künstler auf eine bestimmte Atmosphäre oder Gefühlslagen und Stimmungen situativ reagieren kann. Mit Improvisation in der Musik verhält es sich genauso. In allen lebendigen, also sich weiterentwickelnden Musikrichtungen und Genres, ist Improvisation ein wichtiges Element. Improvi sierte Teile oder zumindest Elemente sind oft das Salz in der Suppe und manchmal sogar noch mehr. Improvisationen finden sich nicht nur in westlicher Musik, sondern auch in der indischen Musik (besonders der nordindischen) oder der orientalischen Musik (hier werden sie Taksim genannt). Es gab Improvisation (über Ostinatobässe) früher auch in der Renaissance und im Barock. Impro - visation ist wahrscheinlich das Wesens merkmal des Jazz, ist aber auch in verwandten populären Musikrichtungen wie Blues, Blues Rock, Classic Rock (Jimi Hendrix, Eric Clapton, Pink Floyd etc.) und dem Jazzrock zu Hause. ✱ HISTORIE DER IMPROVISATION In der europäischen Musik seit der Re nai s - sance oder solcher Musik, die zumindest von europäischer Musikkultur beeinflusst ist (wozu auch Jazz, Blues und Rockmusik zählen), liegt der Improvisation meist ein harmonisches Gerüst (also eine bestimmte Akkordfolge) zugrunde. Die Improvisation in der europäischen Musik des Mittelalters basierte zumeist nur auf Melodien, die durch Verzierungen, Variationen und Impro vi - sationen ausgeschmückt wurde. Harmonik im engeren Sinn war damals noch unbekannt. In der Musik anderer Kulturkreise (z.B. orientalischer und indischer Musik) ist dies im Wesentlichen noch heute so. In diesen Musikrichtungen wird häufig durch eine bestimmte Skala der tonale Rahmen für Improvisationen vorgegeben. Diese Ton leitern werden in der indischen Musik als Ragas be zeich - net, in der arabischen Musik heißen sie Maqam (Einzahl) oder Maqamat (Mehrzahl). Sie geben (neben den rhythmischen Mustern bzw. Metren) den Improvisationen ihre Farbe, Stim mung und Struktur. Im Extremfall wird Improvisation als vollkommen voraussetzungsloses spontanes Spiel verstanden, wie in bestimmten Formen des Free Jazz. Etabliert hat sich dieser Ansatz nie. Offen - musiker MAGAZIN 3/2016

MUSIKBUSINESS 47 »Die Fähigkeit zur Impro visation ist eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit als Unterhaltungskünstler. Eine Darbie tung wird erst lebendig, wenn ein Künstler auf eine bestimmte Atmosphäre oder Gefühlslagen und Stimmungen situativ reagieren kann.« bar sind (stilistische) Spielregeln und Strukturen für den Zuhörer von so großer Bedeutung, dass sich diese Versuche nie wirklich durchsetzen konnten. Wie sich am Jazz oder auch an der indi - schen Musik zeigen lässt, sind diese Spielregeln und Elemente tatsächlich so wichtig, dass im - pro visierende Musiker zum einen außerordentlich viel Zeit in das Studium des von ihnen verwendeten Materials investieren und zum anderen Mu - siker mit einem wirklich originären Individualstil von einem kundigen Hörer anhand charakteristischer Elemente sofort erkannt werden können. ✱ IMPROVISATION IM JAZZ In keinem anderen Musikstil allerdings spielt die Improvisation eine so herausragende Rolle wie im Jazz. Die Improvisation gilt geradezu als DAS konstituierende Merkmal des Jazz. So hat sich im Jazz ein ausgeklügeltes System entwikkelt, das durch die arbeitsteilige Aufgaben ver - teilung erst das kollektive improvisierende Zu - sammenspiel in einer Gruppe ermöglicht. In der typischen Besetzung eines klassischen Jazz- Quartetts sieht die Besetzung und Aufgaben ver - teilung in etwa so aus: das Schlagzeug, das einzig und alleine rhythmische Aufgaben wahrnimmt und tonal nicht mit anderen Instrumenten in Konflikt geraten kann; der (Kontra-)Bass in der tiefen Lage; Klavier (oder Gitarre) als Akkordinstrument in der mittleren Lage sowie ein einstimmiges Me lodie - instrument in relativ hoher Lage (Saxo phon, Trom - pete). Alle Instrumentalisten können im Rahmen der ihnen zugewiesenen Aufgaben improvisieren, wobei immer das Aufeinandehören Voraus - setzung für das Funktionieren ist. ✱ IMPROVISATION IN DER ROCKMUSIK Die Wurzeln der Improvisation in der Rock - musik liegen im Blues. In der Rockmusik wurde Improvisation ab ca. 1967 im Zuge des britischen Blues Revivals der 1960er-Jahre vor allem im Blues Rock und Psychedelic Rock (Acid Rock) sehr bedeutend. Pink Floyd, Soft Machine oder die deutsche Band Can verwendeten häufig Im - pro visationstechniken, die Spielweisen aus dem Blues mit Klangexperimenten und Live-Elektronik verbanden. Bei näher am Blues orientierten Bands, wie Deep Purple und Cream, be kamen die Improvisationen einen vergleichbaren Stellen - wert wie im Jazz. Hier konnten sich die Solisten mit langen Soli ausgiebig profilieren. Jimi Hendrix kann dabei als der Protagonist und Pionier in beiden Genres angesehen werden (u.a. mit seinem Album „Electric Ladyland“), der mit zu den über - zeugendsten Ergebnissen gelangte. Einen entsprechenden Stellenwert hat die Improvisation in der Rockmusik dann leider nicht behalten. Der Blues Rock mit Schwerpunkt Im - pro visation auf der E-Gitarre verband sich kulturell mehr und mehr mit dem Jazzrock (Prota go - nisten dieser Richtung sind Gitarristen wie Jeff Beck, Eric Johnson, Carl Verheyen und Scott Henderson) und wurde zu einer eher unkommerziellen Nebenströmung, während zwei andere, weitaus kommerziellere Strömungen in der Rock musik weitgehend ohne Improvisationen aus kamen. Einerseits war das die Entwicklung des Heavy Metal mit der eindimensionalen Fokussierung auf Geschwindigkeit und „Dampf- hammer-Riffs“ und der damit einhergehenden Not wendig keit zur Vorbereitung von fest ausgearbeiteten (Solo-)Passagen, andererseits die auch in anderen Bereichen des Rock (vor allem dem Progressive Rock) zu beobachtende Ent - wick lung, immer mehr auf Kosten der Impro visa - tion durchzukomponieren und durchzuarrangieren (wie bei Yes, Genesis, Queen); auch da, wo künst lerisch außerordentlich profilierte und stilbildende In stru mentalisten mitwirkten, wie z. B. Brian May in der Gruppe Queen. Trotzdem gab und gibt es auch im Rock - bereich außerordentlich versierte und eigenständige Improvisatoren wie Eric Johnson oder Jeff Beck. Um zu zeigen, aus welchen Elementen sich so ein eigenständiger (über die Jahre natürlich auch weiter entwickelnder) Stil bestehen kann, möchte ich an dieser Stelle eine kleine Stil ana lyse von Jeff Beck und Eric Johnson vornehmen: ✱ JEFF BECKS GITARRENSTIL Jeff Beck kam 1965 als Nachfolger für Eric Clapton zu den Yardbirds und wurde später mit der Jeff Beck Group (in der anfangs Rod Stewart sang) bekannt. Jeff Beck hat immer wieder andere Pedale und Gitarreneffekte benutzt, ohne dass sich sein markanter Sound dadurch substantiell verändert hätte. Das zeigt, dass Sound in erster Linie im Kopf und mit den Fingern des Spielers erzeugt wird und nicht mit den verwendeten Gi - tarren, Verstärkern oder Effektgeräten. Zu Becks unverwechselbarem Stil und Marken zeichen ge - hören folgende „Trademark-Techniken“: Beck spielt wie Mark Knopfler mit den Fingern und nicht mit dem Plektrum. Im Gegensatz zu Knopfler ist sein Stil aber viel rauer. So lässt er auch gerne mal die Saiten wie ein Bassist beim Poppen auf das Griffbrett fatzen und erzeugt damit sehr expressive Sounds. Er benutzt den Lautstärkeregler der Gitarre häufig für sogenannte Volume Swells, also um den Attack der Noten zu unterdrücken und so ein violinartiges Einschwingen des Tons zu er zeugen. Er verwendet den Lautstärkeregler der Gitarre (wie viele andere Gitarristen übrigens auch), um den Verzerrungsgrad zu regulieren. Im Umgang mit dem Tremolo-Arm (Whammy Bar) ist Jeff Beck einer, wenn nicht gar der Groß - meister auf der E-Gitarre. Er benutzt ihn sowohl für sanftes Vibrato, Mikrotöne, als auch für thea- 3/2016 musiker MAGAZIN

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