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Musiker Magazin 03/2016

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Deutscher Rock & Pop Preis 2016 Annina Struve & HUGOONION – Funkustic Rock ’n’ Soul „Tanzmucke ade, willkommen eigene Pläne“ – Interview mit Linda Schinkel MAGISTARIUM – Eine internationale deutsche Metalband KLIMA – Irgendwann ist jetzt CENTURY LETTERS – Eine musikalische Reise durch Erfahrungen, eingebunden in ehrliche Texte FIETE – „Sie hört Musik“ SOLO – Seit 2011 machen die fünf Indie-Rocker zusammen Musik. Solo, aber nicht allein „Mit anderen Augen“ – Liedermacher, Songpoet und Gitarrist Volkwin Müller lädt ein zur Seelenschau eines Mannes mit Gefühl Von Bracken Duo – eingängige Songs von Jazz bis Pop Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 5: Unvergleichlich – Rory Gallagher Black Penny Records – Interview mit Kristian Pohlmann Das nackte Hören – Kann man als MusikerIn das Hören abstellen? Improvisation (auf der Gitarre) Musik-Charts – Welchen Einfluss haben sie noch auf die Musikplanung im Radio?

38 STORIES Ȇber das

38 STORIES »Über das Auseinanderbrechen von TASTE gibt es unterschiedliche Versionen. Dass Gallagher als Aus nahmetalent mit wachsendem Erfolg von TASTE zielstrebig eine Solokarriere mit angestellten Begleit - musikern verfolgte, um allein zu bestimmen, wird aber kaum von der Hand zu weisen sein.« während Gallaghers Auftritt auf dem Montreux Jazz Festival 1975. Das war alles zu einer Zeit, als der Begriff unplugged für das Musik- Business noch unbekannt war. Als MTV seine „Unplugged“-Konzerte im Jahr 1989 startete, war Gallagher für das breite Musikpublikum leider nicht mehr „in“. Als Drei-Mann-Formation rückten TASTE mit ständiger Bühnenpräsenz für viele in die Nähe von Cream. Siedepunkt war Ende August 1970 der fulminante Auftritt auf dem 3. Isle of Wight Festival. Spielfreude, Abwechslungsreichtum und druckvolle Energie waren unglaublich, Gallagher spielte sich entfesselt die Seele aus dem Leib, das Publikum war aus dem Häuschen und entlockte der Band drei Zugaben. Über viele Jahre war für mich TASTEs Auftritt auf dem Montreux Jazz Festival wenige Tage darauf das bessere Konzert, da es so überzeugend auf dem dritten Album der Band klingt: „TASTE Live“. Im Dokumentarfilm über das Isle of Wight Festival ist Gallagher nur allein mit „Gambling Blues“ zu sehen. Meine Wertschätzung für das Montreux-Konzert hat überhaupt nicht gelitten – ein absolutes Muss für Freunde von TASTE und Gallagher –, aber seit Herbst 2015 lässt sich neu zu bewerten, welch ein Ereignis der TASTE-Auftritt auf der Isle of Wight gewesen ist. Sein größter Teil ist nun auf der DVD/Blu-Ray „What’s Going On – TASTE Live At The Isle Of Wight“ samt der frenetischen Reaktionen der Festivalbesucher zu bewundern. Auf der parallel dazu veröffentlichten CD sind es noch drei Stücke mehr (wobei gegenüber dem Film wiederum der „Gambling Blues“ fehlt). Die Musiker harmonierten offenbar traumwandlerisch sicher miteinander, noch besser als auf den ebenfalls im Herbst 2015 in der 4-CD-Box erstmals veröffentlichten Live-Aufnahmen. Man mag es kaum glauben, dass Ende August 1970 die Auf - lösung der Band bereits beschlossene Sache war. Deswegen verwundert der darauf folgende vor zügliche Montreux-Auftritt noch mehr. Über das Auseinanderbrechen von TASTE gibt es unterschiedliche Versionen. Dass Gallagher als Aus nahmetalent (Gitarrist, Sänger, Songwriter und Performer) mit wachsendem Erfolg von TASTE zielstrebig eine Solokarriere mit angestellten Begleitmusikern verfolgte, um allein zu bestimmen, wird aber kaum von der Hand zu weisen sein. Ohne ihn war TASTE letztlich auch nicht vorstellbar: 2009 belebten McCracken und Wilson TASTE mit dem Gitarristen Sam Davidson auf dem Album „Wall to Wall“ neu, was nicht schlecht geriet, aber ein Schatten der Band blieb, der Gallagher angehört hatte. Bis Ende 1970 hielten TASTE durch, und danach gab es nur noch Rory Gallagher und seine Band. Von 1971 bis 1982 brachte er neun Studio- und drei Live-Alben heraus, prallvoll mit Songs unterschiedlichen Charakters, die den Künstler als einfallsreichen Rockmusik-Vir tuosen ausweisen, der filigrane, melodische und knallharte Soli aus dem Ärmel geschüttelt zu haben schien, ohne dass sie sich in Wiederholungen ergingen. Genau das fesselte Gallaghers Fans, die in seine Konzerte strömten und ihn in Deutschland zu einem Liebling der Rockmusik- Liebhaber machten, der immer wieder Gast im Beat-Club und im Rockpalast war. musiker MAGAZIN 3/2016

STORIES 39 Gallagher hat damit neue Maßstäbe gesetzt. Aus der Fülle der zahlreichen einprägsamen Songs greife ich „Sinner Boy“, „Laundromat“, „In Your Town“, „Souped-Up Ford“, „Secret Agent“ und „A Million Miles Away“ heraus und die akustischen Publikums-Lieblinge „Pistol Snapper Blues“, „As The Crow Flies“, „Out On The Western Plain“, „Going To My Home Town“, „Barley And Grape Rag“ und „Ride On Red“. Dass die Rolling Stones an einem derart hochkarätigen Künstler Interesse zeigten, als 1974 Mick Taylor die Band verließ, nimmt nicht Wunder. Tatsächlich spielte Gallagher mit der Band einige Konzerte. Als Frontmann mit eigener Band war es für ihn auf die Dauer aber kaum verlockend, bei den Stones als zweiter Gitarrist einzusteigen, dem Mick Jagger und Keith Richards nur von Zeit zu Zeit zugestanden hätten, einmal nach vorn zu treten, wohl kaum dann aber auch als Leadsänger. Dennoch blieb Gallagher ein gesuchter Gastmusiker, zum Beispiel an der Seite von Jerry Lee Lewis, Muddy Waters, Albert King, Chris Barber und den Dubliners. Als Publikumsliebling schrieb er mit insgesamt fünf Auftritten von 1976 bis 1990 im legendären Rockpalast TV-Geschichte, die wohl noch mehr als Tony Palmers Konzert-Dokumentar - film „Irish Tour“ von 1974 die Wertschätzung für Rory Gallagher gefestigt haben; sie sind alle auf DVD erhältlich. Welche Spannung lag in der Luft, als für den 23. und 24. April 1977 die erste Rockpalast-Nacht als Eurovisionssendung an - gekündigt wurde, mit parallel im Radio gesendetem Stereoton zu hören, und Rory Gallagher sollte sie eröffnen! Tonbandgeräte einschalten, war die Devise. Meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht, er spielte ein fantastisches Konzert und sprang mitunter wie ein Irrwisch über die Bühne, ohne nur einen Augenblick die Kontrolle über sein Gitarrenspiel zu verlieren. Wieder einmal gab er alles, und natürlich ge - hörte auch der beliebte „Bullfrog Blues“ zum Pro gramm. Staunen mit offenem Mund und unglaubliche Freude. (Überhaupt war diese Rock palast-Nacht, wie künftige auch, bis in die frühen Morgenstunden ein besonderes musikalisches Erlebnis.) Dass er sich im Handum - drehen auf andere Musiker einstellen konnte, zeigt eindrucksvoll sein Rocklife-Konzert in der Kölner Music Hall von 1990, als in der Reihe Ohne Filter auch ein anderes sehenswertes Gallagher-Konzert gesendet wurde. Jack Bruce hatte gerade sein eigenes Konzert in einem anderen Saal der Music Hall beendet und kam zu Gallagher, um mit ihm drei Stücke zu spielen, darunter den Cream-Klassiker „Politician“. Bevor dieser Set startete, sang Gallagher hinter der Bühne kurz diesen Song an, und schon brillierte Gallagher auf der Bühne aus dem Steg - reif mit einem auf das Stück zugeschnittenen Solo. Seine mitreißende Präsenz belegen natürlich auch Aufnahmen für die BBC und ein Live- Mitschnitt von 1979 in dem Set „Notes From San Francisco“, genauso die DVDs The Beat Club Sessions 1971–72“ (mit herrlichen Aufnah - men, die seinerzeit überwiegend nicht im Fern - sehen gezeigt worden waren – unglaublich, was man Jahrzehnte lang im Archiv hatte schmoren lassen) mit der Dokumentation „Ghost Blues“, Gallaghers Konzert aus dem Jahr 1987 im Cork Opera House, und seine fünf Auftritte auf dem Versicherungen für alle Eventualitäten® Eberhard, Raith & Partner GmbH · Assekuranz Makler · Telefon +49-(0)89-54 01 63-0 · info@erpam.com Christian Raith und www.milk-and-honey.de

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