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Musiker Magazin 03/2015

REVOLVERHELD – Immer in Bewegung "Wir sind keine Band, die ein Kunstprodukt ist und affektiert auf der Bühne steht." Deutscher Rock & Pop Preis 2015 78Twins – "Fast Beinahe Bekannt" Viola Tamm & Band – Samtig grell und anmutig dreckig! Nobody Knows – Postmoderne, bundesrepublikanische Folklore mit nordwesteuropäischer Note und ostokzidentaler Rhythmik Lady Moustache – Rauer und energiegeladener Sound Saris– Durch die Nische zum Erfolg DCseven – Mal rockig, mal funky, und dabei immer selbst gemacht Matthias Weisheit – Gitarrist, Singer-Songwriter, Bassist, Komponist, Textdichter, Produzent/Arrangeur, Lehrer/Dozent April Art – Kickender Crossover/Alternative Rock mit weiblicher Powerstimme und garantiert feinstem Abgehpotenzial Interview mit Paul-Gerhard Lange Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 3: Johnny Winter – Wintertime Again Es geht auch ohne Plattenfirma – aber nicht ohne deren Arbeit Als Musiker reicht mir doch eine Privathaftpflicht, oder?

58 CD-REZENSIONEN

58 CD-REZENSIONEN CHRISTIN KIEU »Christin Kieu« Die 7-fache Preisträgerin des 31. Deutschen Rock & Pop Preises 2013 brachte damals ihr Album „Big Star“ heraus. Jetzt schiebt sie ihre selbst betitelte EP mit fünf neuen Songs nach. Wie gewohnt ist der Pop-Faktor sehr hoch und die Ohrwürmer geben sich die Klinke in die Hand. Der ge - diegene Schlusstrack „Wellblechdach“ macht einem klar, dass es sich hier eher um einen Soundtrack von Christin Kieus Erlebtem handelt als um ein simples Soloalbum ohne Leitfaden. Sonst hätte das schmucke Stück wohl keine Be - rechtigung auf dieser Langrille. Besonders gut ist Christin Kieu dann, wenn sie die Bandbreite ihrer Stimme ausreizt, die Instrumentierung im Hintergrund leise schwelt und folglich eine unbehaglich-wohlige Atmosphäre Einzug hält. Die EP „Christin Kieu“ ist nichts weniger als eine hochklassige Bestätigung für Christin Kieus Songwriting-Talent, das keinerlei Frischzellenkur bedarf. Der Mut für ein Album voller stimmiger Popsongs, die ganz offensichtlich eine Herzens - angelegenheit darstellen sollen, sei ihr hoch angerechnet. www.christin-kieu.com M.D. MAX »Zurück auf Jung« Das Trio MAX aus Geretsried und Garmisch-Partenkirchen liefert uns mit „Zurück auf Jung“ eine luftige und gute Laune bringende Pop-Punk-Platte. Dass die Jungs viel Green Day, Simple Plan oder Sum 41 hören, ist nicht von der Hand zu weisen. Der erste Eindruck enttäuscht jedoch ein wenig: Hallen die Klänge von „Geradeaus“ oder bei „Die Opfer bleiben stumm“ noch im Gedächtnis nach, finden die anderen Lieder den Weg direkt ins Herz. Bis das aber einer bemerkt, vergeht ein wenig Zeit. Deswegen wäre es ratsam, dem Album mindestens eine zweite Rotation zu gönnen. „Zurück auf Jung“ ist über weite Strecken ein vertonter Glücks - moment, eine Liebeserklärung an das schönste aller Leben, dessen plötzliche Leichtigkeit und Unbeschwertheit den ganzen Herzblutzoll vergessen macht und dieses Album zu einem still schreienden Manifest deutscher Pop-Punk-Musik werden lässt. Genau deswegen ist ihre Musik ein so ungewohntes Erlebnis. Zwischen „Ich“ und „Wir“, zwischen Kommen und Gehen, zwischen Denken und Handeln erfüllen sie den Raum mit Verbundenheit, obwohl keiner da ist. Und am liebsten möchte man die Jungs umarmen. Man hat das Gefühl, sie wollen sagen: Ja, Ihr seid wie wir! Ja, das kenne ich auch! www.bandmax.de M.D. PAPERSTREET EMPIRE »Heat« Schon alleine die Bezeichnung Indie-Rock wird ja heutzutage fast von jeder zweiten Band benutzt, obwohl über die Hälfte der Bands dieses Genres die Bezeichnung nicht verdient hätten. Aber bei den aus Duisburg kommenden PAPER- STREET EMPIRE kriegt das Genre wieder seine Würde zurück. Diese Jungs springen nicht einfach nur auf einen Trend- Zug auf, sondern bringen viel Eigenständigkeit mit ins Spiel bei ihrem Album „Heat“. Schon der gleichnamige Opener ist eine mitreißende Nummer mit einem Refrain, der sich fest ins Hirn bohrt. Dass sie aber auch keine Scheu vor elektronischen Elementen haben, beweisen sie im Song „Annie“. Wenn die Musikwelt gerecht wäre, müsste dieser Song ein Hit werden. Was außerdem positiv auffällt, ist die eher zurückhaltende Studiofrickelei. Klar, Effekte und Kon - sorten finden sich schon, aber PAPERSTREET EMPIRE sind weit entfernt von gimmickhafter Untermalung. „Heat“ ist ein fast ausnahmslos fillerfreies Album, mit glänzenden Rock- Momenten, die moderner und zeitgemäßer, aber auch gleich - zeitig altmodischer kaum sein könnten. Gleichzeitig frisch und spannend klingen, ist ebenfalls nicht jedem gegeben. Im Falle des vorliegenden Albums ein geglücktes Unter fan - gen mit positivem Ergebnis. www.paperstreetempire.net M.D. AHUGA! DAS LIEDERMACHERLABEL »Sampler Nr. 1« Liedermacher Götz Widmann präsentiert uns eine Zusam - menstellung angesagter Liedermacher und Bands des Labels AHUGA. „A-hu-ga! A-hu-ga! Wenn nichts mehr geht – Ahuga geht immer, ist immer für uns da (...)“ heißt es zur Namens - gebung im Booklet und man bezieht sich auf den Song „Love Machine“ der österreichisch-deutschen Rock-Disco- Combo Supermax. Musikalisch geht es in eine ganz andere Richtung. Götz und Musikerfreund Kleinti beschlossen dennoch, diesen tierischen Ausruf für die Benennung des Labels zu verwenden. Ein Rudel illustrer Liedermacher, unter ihnen Billy Rückwärts, Falk und Labelmacher Götz Widmann singen sich durch bundesrepublikanische Gesinnungs step - pen und Moralwüsten. Unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder natürlicher Aromastoffe geht es zielgerichtet ins Delirium. Elektronisch, psychedelisch-da-daistisch klingt es in „Rumpelstilz“ von Mani Terzok, einem kosmischen, von geigenden Streichern angetriebenen Trip. Simon und Jan besingen das Geld, das nicht nur Künstler sich prostituieren lässt. Gefühlvoll, ja melancholisch geht es um Heimweh im Lied „Ich möchte heim“ von Marian Meyer. Auch Götz ist mit von der Partie, mit seiner bissigen, sarkastischen Spra - che. Das Album ist nicht nur für Anhänger neuen Liedgutes eine runde Sache. Kritisch mit einem Hang zum gepflegten Hedonismus klingt der Gesamteindruck. Zum Kennen ler nen der Künstler des Labels bestens geeignet und dabei kann man auch noch krasse Poesie und Satire genießen. Im Unter titel heißt diese Zusammenstellung übrigens schlicht „Sampler Nr. 1“. www.ahuga.ch C.S. SARIS »Curse Of Time« Mit „Curse Of Time“ hat SARIS-Mastermind Derk Akker mann ein typisches Prog-Rock-Album produziert. Heavy Gitarren, Keyboards, orchestrale Streichereffekte, aufwendig komponiert und produziert, klingen klar aus den Membranen. Der Gesang von Thomas Hackmann ist kraftvoll und ausdrucksstark. Gleich der erste Song „The Curse“ ist eingängig und doch vielschichtig. „Falling Leafs“ erinnert an die Progressive- Phase von Genesis. Dann nimmt auch dieser Song Tempo auf. Abwechslung zu den rockigen Songs bietet „A Winter’s Tale“, eine Irish Folk anmutende Ballade, die Anja Günther bezaubernd intoniert. Das Album weiß durch seine überraschenden Wendungen, seine Vielschichtigkeit und die Pro - duktion voll zu überzeugen. Leider haben SARIS wegen des tragischen Todes eines Bandmitglieds ihre US- und Europa- Tour 2006 nicht angetreten. Aktuell sind keine Liveshows geplant. SARIS werden ihre Silberlinge noch häufig in meinem CD Player rotieren lassen können. www.saris.website C.S. SARIS »Until We Have Faces« Progressiver Rock, wie ihn Saga oder Mike Oldfield prägten, begegnet unserem Gehör, wenn wir einen SARIS- Silberling ins Laufwerk legen. Derk Akkermann, Komponist, Arrangeur und Gitarrist, hat kongeniale Mitmusiker um sich, um die seit 1981 währende Geschichte seines AOR-/ musiker MAGAZIN 3/2015

CD-REZENSIONEN 59 Progressive-Projekts SARIS fortzuschreiben. Abwechs lungs - reiche, orchestrale, ausufernde Stücke erwarten den Hörer; rockig und klassisch, gelegentlich metallisch im Stil. Auf dem Album „Until We Have Faces“ solieren E-Gitarren brillant, und Keys bilden Teppiche, die wieder herabfallen, um den Stimmen Raum zu geben. Herausragend fällt die Ge - sangs fraktion aus, die mal episch-theatralisch, mal druckvoll und ausdrucksstark agiert. Herausragende Momente hat das Album, wenn sich die Stimmen in mehrstimmige Choräle vereinen, wie in „Rain“. Unter anderem teilen sich das Gesangsmikrofon Anja Günther, Thomas Hackmann und der Brite Henrik Wager. Textlich wandeln SARIS dabei in sagenhaften und mythischen Welten. Die Produktion erfüllt höchste Ansprüche. Die Protagonisten des Projekts legen mit „Until We Have Faces“ ein Album vor, das abermals die Richtung des Vorgängers „Curse Of Time“ einschlägt und zu einem neuen musikalischen Höhepunkt führt. www.saris.website C.S. THE PRISON BAND »And The Law Won« Sie legen sich musikalisch mit dem Gesetz an: Die gefährlichen Jungs der PRISON BAND. Sogar ihre Namen haben sie geklaut, nämlich aus Elvis’ „Jailhouse Rock“. Sie sind echte Rockabilly-Rebellen. Ihr aktuelles Album „And The Law Won“ ist von Beginn an ein rollendes, swingendes und rockendes Werk. Die vier mit den gegelten Tollen spielen Rockabilly Rock ’n’ Roll in der klassischen Besetzung Gesang, Gitarre, Schlagwerk, Kontrabass. Die Songs werden im Stile der Stray Cats vorgetragen und brauchen sich vor den Genre - helden nicht zu verstecken. Die Stimmfärbung des Sängers Cactus ähnelt sogar der von Brian Setzer. Sie packten neben eigenen Songs auch Klassiker aus Rock und Pop auf das Album, um diese im Rockabilly Style zu interpretieren. Dabei sind Aerosmiths „Walk This Way”, „Jailhouse Rock” und „That’s All Right Mama” vom King of Rock ’n’ Roll in extrem launigen Fassungen. Sogar der King of Pop ist vertreten mit „Black Or White“. Die sympathischen ungarischen Jungs be spielen inzwischen in ganz Europa die Bühnen von Rock - abilly-Festivals und Conventions. Sicher ein heißer Livetipp. Das Album kann man für jede Rock-’n’-Roll-Party wärmstens empfehlen. Klauen lohnt nicht, also Kaufempfehlung! www.prisonband.com C.S. SLEDGE LEATHER »Imagine Me« Mit Metal ging es in den 80er-Jahren los für LEATHER LEONE mit einer Band namens San Francisco und Rude Girl, einer Frauen-Metal-Combo. Nach bewegten Jahren in der Szene mit Co-Support-Shows, u. a. mit Megadeth, Vicious Rumors und Kooperationen mit bekannten Namen der Metal- Familie, wie Ken Mary (Accept, Alice Cooper) oder John Luke Herbert (King Diamond), hörte man von der Shouterin ab 8

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