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Musiker Magazin 03/2015

REVOLVERHELD – Immer in Bewegung "Wir sind keine Band, die ein Kunstprodukt ist und affektiert auf der Bühne steht." Deutscher Rock & Pop Preis 2015 78Twins – "Fast Beinahe Bekannt" Viola Tamm & Band – Samtig grell und anmutig dreckig! Nobody Knows – Postmoderne, bundesrepublikanische Folklore mit nordwesteuropäischer Note und ostokzidentaler Rhythmik Lady Moustache – Rauer und energiegeladener Sound Saris– Durch die Nische zum Erfolg DCseven – Mal rockig, mal funky, und dabei immer selbst gemacht Matthias Weisheit – Gitarrist, Singer-Songwriter, Bassist, Komponist, Textdichter, Produzent/Arrangeur, Lehrer/Dozent April Art – Kickender Crossover/Alternative Rock mit weiblicher Powerstimme und garantiert feinstem Abgehpotenzial Interview mit Paul-Gerhard Lange Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 3: Johnny Winter – Wintertime Again Es geht auch ohne Plattenfirma – aber nicht ohne deren Arbeit Als Musiker reicht mir doch eine Privathaftpflicht, oder?

38 STORIES »Ein

38 STORIES »Ein Ausnahmemusiker wird an der Lebendig keit, am Einfallsreichtum und an der Virtuosität seiner Interpretationen zu erkennen sein.« Viele Jahre war der WDR die bundesdeutsche Sendeanstalt, die für außergewöhnliche Rock-Konzerte im Fernsehen stand. Die Rockpalast-Nächte und die Open-Air-Konzerte von der Loreley waren für Freunde der Rock musik quasi Pflichtprogramm und Grund zum Feiern. Zu den absoluten Höhepunkten gehörte für mich Johnny Winters Auftritt in der Essener Grugahalle am 22. April 1979 – ein Gitarrenfest, das laut WDR-Redakteur Peter Rüchel viele Gitarristen darüber hat nachgrübeln lassen, ob sie ihr Instrument abgeben sollten. Und tatsächlich hatte Johnny Winter ab den ersten Tönen seines denkwürdigen Konzertes gezeigt, wie an spruchsvoll die moderne Rock-Gitarre sein kein. Dabei ließ er keinen Zweifel daran, dass er der Bluesman war, der sich freilich auch auf fetzigen Rock ’n’ Roll verstand. Angefangen von Freddie Kings Instru - mental-Klassiker „Hideaway“, den Winter über zwölf Minuten lang fantasievoll interpretierte, über eine noch längere, atemberaubende Version des Standards „Suzie Q“ bis hin zum formidablen „Mississippi Blues“ – ein absolut mitreißendes Konzert, über zwei Stunden, mit einer Band, die für mein Empfinden mit die beste war, mit der Johnny Winter je zusammengespielt hatte: Jon Paris (Bass und Mundharmonika) und Bobby Torello (Drums); schade: die offensichtlich total unter Drogen stehende Patti Smith, die mit ihrer zweifelhaften Band vor Johnny Winter aufgetreten war, trötete während seines Konzertes einige Male mit ihrer Klarinette störend ins Mikro fon. Dem Rockpalast-Team gebührt hohes Lob, dass es Winters Auftritt heute auf DVD und CD gibt, der lebhafte Beweis, dass Johnny Winter weit mehr war als ein Gitarrist, der nur Kadenzen „hoch und runter“ spielt – ein Monument in der Erin ne - rung des am 16. Juli 2014 im Alter von 70 Jahren gestorbenen Musikers. Vor diesem denkwürdigen Auftritt waren meine eigenen Erwartungen und Hoffnungen sehr hoch, denn seit Johnny Winter international berühmt geworden war als außergewöhnlicher Gitarrist, musiker MAGAZIN 3/2015

TEIL 3: JOHNNY WINTER – Wintertime Again STORIES 39 Blueser, Rockstar, Showman und (aufgrund seines Albinismus) nicht zuletzt auch als Freak, hatten sein Leben und seine Karriere schon eine Achter - bahnfahrt infolge seines Umgangs mit Rausch - mitteln durchgemacht. Der Versuch, die Sucht zu be kämpfen, führte ihn nach dem Aufstieg zum Rock star wieder zurück zum Bluesman, der in den späteren 1970er-Jahren unter anderem sein Idol Muddy Waters würdig und frisch produzieren sollte. Winter trat mit Waters auch live auf – mit das Beste, was es von Waters gibt. Noch ein Tipp: das ebenfalls von Winter produzierte Album „Whoopin’“ des Blues-Mundharmonika-Spielers Sonny Terry von 1984, mit Winter an der Gitarre. Obwohl Johnny Winter 1969 auf dem legendären Woodstock-Festival aufgetreten war, registrierten ihn diejenigen, die das Festival nicht miterlebt hatten, nicht. Denn im Woodstock-Film taucht er nicht auf, sein Woodstock-Auftritt er - schien erst 40 Jahre später erstmals auf CD. Meine erste Begegnung mit dem Ausnahme - musiker hatte ich dennoch 1969, als ich den Blue Horizon/CBS-Sampler „The Blues“ erstand, mit „Be Careful With A Fool“ von Winters erster offizieller Solo-LP. Mir blieb die Sprache weg: Bis dahin hatte ich kein vergleichbares Blues-Stück mit einem derart variationsreichen Gitarrenspiel gehört. Und auch Winters gepresst wirkender Gesang war völlig ungewöhnlich. Das Debüt- Album musste also her, und es enttäuschte mich nicht. Noch überraschender war das Nachfolge- Album „Second Winter“, ein Doppelalbum mit nur drei bespielten Seiten, 1969 aufgenommen unter anderem mit seinem Bruder Edgar. Die Band - breite von Winters modernem Blues (und einigen spannenden Beispielen des Rock ‘n’ Roll, darunter Winters Visitenkarte, der Chuck-Berry-Song „Johnny B. Goode“), die er mit den elf Stücken von „Second Winter“ bot, beeindruckt mit auch heute noch nach all den Jahren. Die Slide-Version von Bob Dylans „Highway 61 Revisited“ ist sogar zu einem Klassiker geworden. Nachgeschoben wurde damals schnell noch die schon 1968 aufgenommene LP „The Progressive Blues Expe ri - ment“, die einen aufhören lässt, darunter Winters „Mean Town Blues“, der viele Jahre zum Reper - toire seiner Live-Auftritte zählte und gemeinsam mit „Johnny B. Goode“ zum Beispiel bei Winters Bremer Beat-Club-Auftritt im Frühjahr 1970 zu sehen war. Der Versuch, Johnny Winter nur an seinen regulären Plattenproduktionen zu messen, lässt vermutlich nicht ermessen, welch großartiger Gitarrist er gewesen ist. An ein solch vielfältiges Studio-Album wie „Second Winter“ hat er leider nie wieder angeknüpft. So manch andere Studio- Produktion wirkt zuweilen durchwachsen, übrigens auch „Raisin’ Cain“ von 1980 mit Paris und Torello. Nach „Second Winter“ war der Wechsel zum dritten Studio-Album „Johnny Winter And“, auf dem seine bisherigen Begleiter durch die Band The McCoys („Hang On Sloopy“) ersetzt wurde, abrupt. Denn damit vollzog Winter den Weg zum Rock Star. Nun dominierte funkiger Rock und Rock ‘n’ Roll, so auch auf dem Live-Album mit dieser Band (1971), das finanziell er folg - reichste Album von Winters Karriere. In seinem Inneren war Winter aber doch nicht der Rock - star, als der er sich auf der Bühne gab. Zuweilen nannte man ihn wegen seiner Sprünge über die 8

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