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Musiker Magazin 03/2014

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Deutscher Rock & Pop Preis 2014 Y'AKOTO - Kunst bedeutet für mich spielen. Interview mit der Komponistin und Texterin Irene Paul über die Zusammenarbeit mit Wolfgang Petry Colin B - Gitarrist & Songwriter aus Leidenschaft verschafft sich Gehör! Vanessa Balscher - Mit Herz und Spaß zum Erfolg Bastian Korn - Was zählt, ist Qualität Nicefield - Ein Feuerwerk der Gefühle Dagmar Bunde - Mein Jazz Andy Lang - Bodenständig, fränkisch, keltisch und spirituell Christines Leidenschaften POND - Interview mit Wolfgang Paule Fuchs über die Anfänge in der DDR und die aktuellen Projekte Red Cat Entertainment - Interview mit Dr. Andreas Kassel Proberäume oder "Welche Sicherheiten können Sie uns bieten?" Music Licensing - die eigene Musik in Film, TV und Werbung Image? Brauch' ich nicht! - Die Angst der Musik, ins zweite Glied zu rutschen

16 STORIES (Ziel:

16 STORIES (Ziel: Lehramt) und wurde dabei neugierig auf die Musik meiner zukünftigen Schüler. Also bin ich auf ein Rock festival gegangen – und war sofort hin und weg. Das war das absolute Schlüss elerleb nis. Be sonders gitarrenlastige Hardrock-Songs à la AC/DC, Deep Purple und Scorpions haben es mir angetan – lag ja nahe nach meiner Klassik- Vergan gen heit! Da gab’s nur eins: E-Gitarre und Verstärker kaufen, üben, Band suchen! Ich hatte unheimlich Spaß daran, mir Stücke auszudenken. Auch die ganze Technik und was man musikalisch alles damit machen kann, fand ich sehr spannend: Mischpulte, Effekte, Tonbandgeräte. Dann kamen Midi und die ersten erschwinglichen polyphonen Synthesizer und, noch später, Musik-Computer, Software-Sequenzer, Cubase … Ich habe mich in all das reingestürzt, mir nach und nach ein kleines Tonstudio eingerichtet und angefangen, selber auch zu produzieren. (Ach ja, das Studium habe ich mehr schlecht als recht bis zum Schluss durchgezogen.) Damals wie heute mag ich Musik, die melodisch ist und viel Power hat. Und das gibt’s auch im Schlager – z. B. bei Wolfgang Petry. Ich bin kein eingefleischter Schlagerfan, wollte ursprünglich eigentlich internationale, englischsprachige Musik machen. Ich hab’s aber nicht geschafft, damit Geld zu verdienen. Dann kam die Chance, für Petry zu schreiben. Seine Songs, die hatten was, damit konnte ich was anfangen, auch mit seiner rauen Stimme und seiner ungekünstelten Art zu singen. Also habe ich zugegriffen, bin sehr stolz drauf und habe es nie bereut. MM: Wie entstehen deine Komposition und Texte? IRENE PAUL: Es ist nicht so, dass mir die neuen Ideen zufliegen, z.B. unter der Dusche oder beim Kochen oder Autofahren. Und ich springe nicht mitten in der Nacht aus dem Bett und ans Key - board, um schnell eine Melodie festzuhalten, die mir im Traum erschienen ist. Ich muss ins Studio gehen und mich konzentrieren, mich sozusagen auf Musikmodus schalten. Viele Ansätze enden in einer Sackgasse und es dauert manchmal ziemlich lange, bis mich eine Idee so fesselt, dass ein ganzes Stück daraus wird. Aber ich bin ziemlich hartnäckig: Wenn ich z.B. einen guten Refrain habe, dann bleibe ich so lange dran, bis die Strophe dazu stimmt, auch wenn es mal eine Woche oder länger dauert. Im Prinzip weiß ich am Anfang nie, was dabei am Ende rauskommen wird. Wenn ich eine erste Idee habe, dann lasse ich ihr Raum, probiere dies und jenes damit aus und gucke, wohin sie sich entwickelt. Es kann sein, dass ich eigentlich ein flottes Lied im 130er Tempo schreiben wollte, und stattdessen wird eine Ballade draus, oder auch umgekehrt. Ein neuer Sound, auf den ich zufällig stoße, kann das ganze Stück umkrempeln. Das finde ich ungeheuer spannend. So gehe ich auch vor, wenn ich arrangiere und produziere: Immer offen sein für neue Impulse und dem Zufall eine Chance geben. Das ist etwas an meiner Arbeit, was mich immer total begeistert hat. MM: Wie würdest du deine Songs beschreiben? IRENE PAUL: Sie müssen einfach und geradlinig sein, einen klaren Aufbau haben. Eingängig sein, aber nicht so, dass man nach den ersten drei Tönen schon die restlichen dreißig weiß. Jedes Stück ist für mich eine Einheit, die in sich stimmig sein muss. Deshalb versuche ich, möglichst nicht nach dem zu schielen, wie es andere machen. Und lieber gar keine Bridge als eine, die nicht wirklich reinpasst. Viel Melodie und viel Atmosphäre und natürlich, wie gesagt, eine Portion Power. „Einmal noch“ hat all das, mit Schwerpunkt auf der Einfachheit, es ist ja fast wie ein Volkslied. Wenn ich das bei einem Song hinkriege, dann bin ich happy, dann sieht man mich zu meiner eigenen Musik im Studio herumtanzen. Und bei den Texten ist es ähnlich: ich versuche, mit einfachen Worten zu arbeiten, möglichst anschaulich zu schreiben, Gefühle in Hand lun gen WOLFGANG PETRY „Einmal noch!“ VÖ: 21.02.2014 WWW.WOLFGANGPETRY.DE auszudrücken, die jeder von sich selber kennt. „Ich sehne mich nach deiner Zärtlichkeit“ – kein normaler Mensch würde sich so ausdrücken. Aber wenn man es eilig hat, weil man verliebt ist, dann ignoriert man tatsächlich schon mal eine rote Ampel. Es macht mir Spaß, solche Dinge möglichst umgangssprachlich und unkitschig auszudrücken. Lieber „ich hab noch jede Menge Liebe“ als „ich liebe dich unendlich“, lieber „du hast mein Herz geklaut“ als „mein Herz gehört dir“. Und ich versuche, Worthülsen zu vermeiden, die man schon hunderttausendmal gehört hat und die deshalb eigentlich gar nichts mehr bedeuten. MM: Wie genau funktionierte die Zusam men - arbeit mit Petry? IRENE PAUL: Mit Petry hatte ich beim Schreiben wenig zu tun, das lief alles über seinen Produ - zen ten Helmuth Rüssmann. Nach „Sehnsucht nach Dir“ sagte der mir jedes Mal Bescheid, wenn ein neues Album anstand. Dann habe ich mich hingesetzt und Stücke geschrieben, textlich und musikalisch möglichst auf Petry zugeschnitten. Die Vocals habe ich mit einem Studiosänger bei mir im Studio aufgenommen, das Ganze als Demo produziert und an Helmuth geschickt. Das waren musiker MAGAZIN 3/2014

STORIES 17 immer so 2 bis 5 Titel. Und 1 bis 2 sind dann fast jedes Mal mit auf die CD gekommen. Das war richtig harte Arbeit: Denn wenn sie nicht zu Petrys Stil passten oder wenn sie ihm oder Helmuth nicht gefielen, dann kam schon mal der Kommentar „das ist Scheiße“ – Helmuth drückt sich da immer sehr klar und deutlich aus – und damit hatte sich die Arbeit von Monaten in 10 Sekunden erledigt. Aber wenn sie sie ok fanden, dann hat Helmuth sie noch mal bei sich im Studio mit Wolle aufgenommen und produziert. Meine Komposition haben sie dabei praktisch 1:1 übernommen, ab - gesehen von Intros und Gitarrensoli. Auch die Texte blieben unverändert, nur in wenigen Fällen wurde neu getextet. (Dann war ich sauer, denn 1. fand ich meine Texte natürlich gut, 2. ändert sich durch einen neuen Text auch immer einiges am Rhythmus und an der Phrasierung und damit manchmal das ganze Stück. Und 3. gab es für mich dadurch weniger Ruhm und weniger GEMA und das war schließlich auch nicht ganz unwichtig.) Und dann flatterte irgendwann die fertige CD ins Haus und ich war immer sehr gespannt, aber auch angespannt, was aus meinen Songs ge - worden war. Vieles fand ich schön, aber mit dem einen oder anderen war ich auch nicht einverstanden. Das war natürlich Geschmackssache. Wie gesagt, mit der 2014er Version von „Einmal noch“ hat Helmuth den Vogel abgeschossen – die war für mich perfekt, daran hatte ich absolut nichts zu meckern. Ab und zu gab es dann noch ein besonderes Highlight: Gold- und Platin-CDs. Davon haben sich bei mir im Laufe der Zeit so einige angesammelt – wohlgemerkt, mein Name ist darauf eingraviert! Die Alben haben sich ja millionenfach ver kauft. Da kam dann also mit der Post ein Riesenpaket mit Aufkleber „zerbrechlich“ drauf, das ich dann ehrfürchtig ausgepackt habe. Dummerweise hörte das ausgerechnet dann auf, als der Ruhm am größten war – wahrscheinlich regnete es da dermaßen Gold und Platin, dass die gar nicht mehr hinterhergekommen sind oder es zu teuer geworden wäre. Macht aber nichts, ich freue mich tierisch über meine Trophäen, aber wichtiger ist mir die Tatsache, dass so viele Leute meine Lieder hören und schön finden. MM: Hast du Petry überhaupt persönlich kennen gelernt? IRENE PAUL: Klar. Das fing an, als er noch nicht ganz so bekannt war und noch selber im eigenen Auto zu seinen Konzerten fuhr. Da klingelte eines Tages das Telefon, da muss es schon die ersten Handys gegeben haben. Seine Frau war dran und sagte: „Wir sind gerade auf der Durch - fahrt und würden gerne mal bei dir reinschauen. Passt es in zwanzig Minuten?“ Da war aber dann was los bei uns! Das eine Mal haben wir dann bei uns am Esstisch gesessen, weil meine kleine Tochter noch gefüttert werden musste. Und beim nächsten Mal haben wir noch schnell einen Baby - sitter organisiert und sind mit Rosi und Wolfgang ins Steakhaus gegangen. Ich war so was von stolz und dachte die ganze Zeit, dass im nächsten Moment das ganze Personal bei uns am Tisch Schlange stehen würde für ein Autogramm. Aber so bekannt war er da wohl doch noch nicht – oder sie haben sich nicht getraut. Zwei Jahre später wäre das sicher anders abgelaufen. Natürlich sind mein Mann und ich auch zu vielen Konzerten gegangen und hatten jedes Mal Backstage-Pässe. Da konnten wir hautnah miterleben, wie das alles ablief, und ihn und seine Frau und die Musiker persönlich begrüßen. Einmal hat er extra für meine Tochter ein Petry-T-Shirt in ihrer Größe organisiert, da war sie, glaube ich, in der 3. Klasse und hat das Teil dann ganz stolz getragen. Ein anderes Mal schenkte ihr der Drummer der Band seine zerfetzten Trommel - stöcke, die hat sie heute noch. Aber schon ein oder zwei Jahre später war Petry bei ihren Alters - genossen nicht mehr so angesagt und ab da war es ihr eher peinlich, dass ihre Mutter solch uncoole Musik machte. Übrigens haben wir bei einem der Konzerte auch Wolfgangs Sohn Achim kennengelernt, der mit seiner Band als Vorgruppe auftrat. Der war damals auch ziemlich erfolgreich, machte aber noch englischsprachige Musik, überhaupt nicht im Stil seines Vaters. Ein klasse Sänger! MM: Als Frau bist du unter den Petry-Song - writern ein Unikum. Was bedeutet das für dich? IRENE PAUL: Im Komponistenteam von Petry spielt das keine Rolle, jedenfalls hatte ich nie den Eindruck. Da zählt nur: ist ein Song gut und passt er zu Petry? Aber ehrlich gesagt, innerlich bin ich immer ziemlich stolz darauf gewesen, dass ich es als Frau geschafft habe, in dieser Branche Fuß zu fassen und ernst genommen zu werden. Es gab (und gibt?) eine Menge Musikerinnen, die nicht wissen, wie man eine E-Gitarre in einen Ver stär - ker einstöpselt – wusste ich zu Anfang auch nicht. Und mir war in der ersten Zeit auch ganz schön mulmig, wenn ich in einen Instrumentenladen ging, um z.B. E-Gitarren auszuprobieren. Da war ich praktisch allein unter Männern, und ich hatte immer Angst, mich zu blamieren. Aber ich wollte ja un bedingt eine Gitarre haben, da gab’s gar nichts, also bin ich da reingegangen. Und irgendwann hatte ich damit auch kein Problem mehr. MM: Was machst du zurzeit musikalisch? IRENE PAUL: Ich arbeite an einem eigenen Schla - ger-Projekt: MAN-FRED! heißt das. Erstklassige Songs – klar, die sind ja von mir :) – präsentiert von einem erstklassigen Sänger, Oliver Fischer. Mit guten Sängern zusammenzuarbeiten, ist für mich übrigens unheimlich wichtig. Ein Lied steht und fällt mit dem Gesang. „Gut“ heißt nicht nur, dass er die Töne trifft und das richtige Timing hat, die Stimme muss ausdrucksstark und für mich attraktiv sein. Schließlich höre ich, wenn ich an einer Produktion arbeite, den Gesang hunderte von Malen und will auch beim tausendstenmal immer noch meinen Spaß haben! Wie gesagt, Olli ist ein klasse Sänger. OLIVER FISCHER – SÄNGER VON MAN-FRED! Alle Lieder von MAN-FRED! sind tanzbar und diskothekentauglich, mal mehr witzig, mal mehr sentimental. Textlich geht es natürlich oft um Liebe, meistens aus einer eher ungewöhnlichen Pers - pektive, aber auch z.B. um Tanzkurse, Kuschel - tiere und Urlaubskatastrophen. Wir arbeiten gerade an einer großartigen Bal - lade, die im Herbst veröffentlicht wird. Übrigens beim Label des DRMV, Rockwerk Re cords. Es lohnt sich auf jeden Fall, mal auf die Homepage zu gehen und dort in die MAN-FRED!-Songs reinzuhören: WWW.MAN-FRED.EU INTERVIEW: OLE SEELENMEYER FOTO I. PAUL: K. JAROLIM-VORMEIER FOTOQUELLE W. PETRY: SONY MUSIC FOTOQUELLE O. FISCHER: JAY-L- ENTERTAINMENT MAN-FRED! „Weil ich dich wiedersehen will“ VÖ: 09.05.2014 WWW.MAN-FRED.EU 3/2014 musiker MAGAZIN

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