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Musiker Magazin 02/2015

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Pasquale Aleardi – Deutscher TV-Kommissar tauschte zeitweilig die Kanone gegen Mikrofon und Tanzschuhe – und überzeugte in der Hauptrolle des Musicals „Chicago“ Deutscher Rock & Pop Preis 2015 – Anmeldung Alina Sebastian – Preisträgerin des Deutschen Rock & Pop Preises 2014 in der Kategorie „Singer“ Interview mit Laura Neubauer, Gründerin des Labels „Lacave records“ Alexander und Maximilian Blume – Blues- und Jazzmusik mit Intention Stage Band – Musik der 60er-, 70er- und 80er-Jahre Peter Reimer – Mit „Entschleunigungskonzerten“ gegen den Zeitgeist Max – Pop-Punk auf Deutsch Sarah Straub – Die große Pop-Neuentdeckung Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 2: CANNED HEAT – Boogie On Interview mit Dónal ó Ceallaigh Bürger7 – Eine Widmung an Siebenbürgen Der erfolgreiche Video-Release GEMA: Rechtsstaatswidrig? – Teil 2 Instrumentenversicherung Mach aus deinem Bandnamen eine Marke

36 STORIES TEIL 2:

36 STORIES TEIL 2: CANNED HEAT – Boogie On „Boogie With Canned Heat“ war meine zweite LP nach „Rubber Soul“ von den Beatles – von einem Klassenkameraden empfohlen ein Voll treffer einer Band, von der ich noch nichts gehört hatte. Damit hat sich mir 1968 die Welt des Blues und des Blues Rock geöffnet. Wie oft ich das Album seither gehört habe, weiß ich nicht mehr. Als wir zum nächsten Musikunterricht unsere Lieblings - schall platten mitbringen sollten, hatte ich „Boogie With Canned Heat“ im Gepäck. Der Lehrer hatte allerdings ganz andere Mitbringsel seiner Klasse erwartet. Nachdem er schon zur Single „Hanky Panky“ von Tommy James and the Shondells aus dem Jahr 1966 seine Augen verdreht hatte, kam ich an die Reihe. Keine Minute lief das erste Stück, da stürzte er wutschnaubend an den Platten - spieler, riss die LP herunter, ohne den Tonarm zu heben. Dadurch zog sich ein tiefer Ratscher über die LP-Seite, und vor versammelter Klasse ließ mich der Pädagoge wissen, dass Eltern, die ihren Kindern erlaubten, solche Musik zu hören, mit einem nassen Lappen erschlagen gehörten. Was hätte er wohl gesagt, wenn er auch noch ge - wusst hätte, dass Canned Heat die aus denaturiertem Alkohol hergestellte giftige Brennpaste Sterno bezeichnet, die arme Teufel schon in den 1920er-Jahren mit Wasser verdünnten und als Schnapsersatz tranken? Entmutigt hat mich der gymnasiale Musikunterricht zum Glück nicht: Ich kratzte mein Taschengeld zusammen, kaufte mir die Platte noch einmal und freute mich auf das nächste Album der Band. Und bis 1971 reihte sich ein originelles Canned-Heat-Album an das andere. Vielfalt und Energie pur! Was hatte den Lehrer so in Rage gebracht? Es war das energiegeladen pulsierende Stück „Evil Woman“ auf einem Album mit vielen Schmuck - stücken, das mit einem Showcase der Band endet, dem „Fried Hockey Boogie“, in dem sich jedes Mitglied gleichermaßen charakteristisch wie banddienlich präsentiert: Alan „Blind Owl“ Wilson, Bob „The Bear“ Hite, Henry „Sunflower“ Vestine, Larry „The Mole“ Taylor und Adolfo „Fito“ de la Parra. Dazwischen liegen das mitreißende „Am- phetamine Annie“ mit Hite als Leadsänger und „On the Road Again“, das als Single veröffentlicht und Canned Heats erster internationaler Hit wurde. Der wippende Rhythmus, Wilsons gleichförmig anmutender Falsett-Gesang und seine Blues- Mund harmonika sind bestimmt nicht die Zutaten typischer Hitparadenmusik, aber der Song geht unter die Haut. 1965 gegründet, stehen Canned Heat für rockenden Boogie, mit dem sie ab „Boogie With Canned Heat“ unter anderem den Boogie à la John Lee Hooker revitalisierten und als Antwort auf den britischen Blues-Boom für Furore sorgten. Nach ihrem Auftritt auf dem legendären Monterey Pop Festival wurde 1967 das offizielle Debüt- Album „Canned Heat“ veröffentlicht. Der Durch - bruch aber kam erst mit der LP, die meinen Lehrer aus der Fassung hatte geraten lassen. Denn erst ab da spielte anstelle des doch ziemlich uniform klingenden Drummers Frank Cook der Mexikaner de la Parra. Gemeinsam mit Taylor sorgte er für den treibenden, häufig explosiven Rhythmus. Außerdem hatte sich Vestines Gitarrensound grund legend verändert. Nun klang seine Lead gi - tarre fett und schneidend, seine Soli wurden mitreißend, und sie ergänzten sich wunderbar mit Wilsons unverwechselbar klingender Gibson – ein Sound, den es sonst nirgends zu hören gab. Wilson beherrschte das Slide-Spiel und war Blues- Mundharmonika-Spieler par ex cellence. Mit seinem Falsett-Gesang drückte er das quälende Verlorensein des Blues aus und stand im starken Kontrast zu Hites voluminösen, erdigen Organ, ebenfalls wie geschaffen für den Blues, dessen musiker MAGAZIN 2/2015

STORIES 37 »1965 gegründet stehen Canned Heat für rockenden Boogie, mit dem sie ab „Boogie With Canned Heat“ unter anderem den Boogie a ` la John Lee Hooker revitalisierten und als Antwort auf den britischen Blues-Boom für Furore sorgten.« Der eigentümlich leicht gespielte, bluesartige Hit „Going Up the Country“ vom Doppelalbum „Living The Blues“ aus dem Jahr 1969 mit Wilsons Gesang und dem Flötenpart folgte dem Cha rak - ter von „On the Road Again“ und beeinflusste eine ganze Generation. Auf „Living The Blues“ entwickelten Canned Heat sich weiter. Beim langen Stück „Parthenogenesis“ experimentierten sie sogar. Maultrommel und fernöstliche Klänge wurden gelungen integriert, dabei John Mayall am Klavier, der „Godfather of British Blues“, der einige Zeit bei Hite im kalifornischen Laurel Canyon wohnte und Canned Heat 1968 auf seinem Album „Blues From Laurel Canyon“ das Stück „The Bear“ widmete. Ausgerechnet aber der „Refried Boogie“, der die gesamte zweite LP des Doppelalbums aus füllt, und von dem ich hoffte, er werde den „Fried Hockey Boogie“ durch Impro visationen Kaleido scope) und 1973 beim „Montreux Boogie“ auf dem Montreux Jazz Festival. Zum Glück war dies der einzige Wermuts - tropfen während der klassischen Canned-Heat- Zeit, die spätestens 1972 endete. Das Album „Hallelujah“ von 1969 ist gespickt mit Blues-, Boogie- und Rhythm-and-Blues-Perlen, wie zum Beispiel dem wunderbar intensiven Stück „Canned Heat“. Wilsons tragende Stücke sind der Hit „Time Was“ und „Get Off My Back“ mit seinen bemerkenswerten Rhythmuswechseln. Und dieses Mal bereitet der straffe Band-Show - case „Down In the Gutter But Free“, bei dem Taylor und Vestine ihre Instrumente tauschten, enormen Spaß. Die Krönung aber ist ein Jahr später „Future Blues“, prallvoll mit außergewöhnlichen Stücken. Seien es die vorzüglichen Versionen von intime Kenner Hite, Vestine und Wilson waren. Markenzeichen von Canned Heats modern rocken dem Blues- und Boogie-Stil ist daher auch die Song-Auswahl: höchst eigenständige Inter pre - ta tionen fremder Stücke und kompetent konzipiertes eigenes Material. Dazu enorme Spiel freude und hervorragende Arrangements, auf die Wilson sich besonders verstand. Es knisterte vor elektrisierender Spannung. übertreffen, enttäuscht. An Wilsons Solo und Hites Gesang ist nichts auszusetzen, Taylors und de la Parras Soli sind trotz ihrer beträchtlichen Länge immer noch spannend, jedoch verliert das Ganze durch Vestines ausuferndes Gitarrensolo. Denn es verlässt verbindende Strukturen, um sich stattdessen in störenden technischen Spielereien zu gefallen – ähnlich wie beim Refried „Kaleido- Heat“ Boogie von 1970 (mit David Lindleys Band „Sugar Bee“ und „That’s Alright Mama“ oder der Hit „Let’s Work Together“, der „Future Blues“, das Band-Stück „So Sad“, Wilsons einmaliger „London Blues“ über ein Mädchen, das ihn nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt hat, oder sein „Scat“ – mehr Abwechslung auf einem einzigen Album ist schwer vorstellbar. Nachdem Vestine kurz vor Canned Heats leider bis heute immer noch nicht komplett offiziell veröffentlich- 8 Mehr als nur einfache Stecker. In all unseren Produkten stecken mehr als 40 Jahre Fachwissen und unsere ganze Leidenschaft. Egal ob Rockband, Bühnenbeleuchtung, Industrieanwendung oder Fernsehstudio – Neutrik bietet für jede Anwendung innovative Steckverbindungslösungen. ® Join us on facebook www.neutrik.com www.experience-neutrik.com SETTING STANDARDS SINCE 1975

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