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Musiker Magazin 02/2015

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Pasquale Aleardi – Deutscher TV-Kommissar tauschte zeitweilig die Kanone gegen Mikrofon und Tanzschuhe – und überzeugte in der Hauptrolle des Musicals „Chicago“ Deutscher Rock & Pop Preis 2015 – Anmeldung Alina Sebastian – Preisträgerin des Deutschen Rock & Pop Preises 2014 in der Kategorie „Singer“ Interview mit Laura Neubauer, Gründerin des Labels „Lacave records“ Alexander und Maximilian Blume – Blues- und Jazzmusik mit Intention Stage Band – Musik der 60er-, 70er- und 80er-Jahre Peter Reimer – Mit „Entschleunigungskonzerten“ gegen den Zeitgeist Max – Pop-Punk auf Deutsch Sarah Straub – Die große Pop-Neuentdeckung Die Historie der Rock- & Popmusik: Teil 2: CANNED HEAT – Boogie On Interview mit Dónal ó Ceallaigh Bürger7 – Eine Widmung an Siebenbürgen Der erfolgreiche Video-Release GEMA: Rechtsstaatswidrig? – Teil 2 Instrumentenversicherung Mach aus deinem Bandnamen eine Marke

26 STORIES PETER REIMER

26 STORIES PETER REIMER Mit „Entschleunigungskonzerten“ gegen den Zeitgeist MM: Peter, du giltst als Allrounder und be - gnadeter Gitarrist. Du mischst Musikstile und Spieltechniken und verwendest Looper auf der Bühne, um Klangwelten zu schaffen. Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen und warum reichen dir ein Stil oder die Grund - tech niken nicht? PETER: Der Wunsch, Musiker zu werden, kam schon mit etwa sieben Jahren. Initialzünder war für mich „Disco 71“ mit Ilja Richter, insbesondere die damaligen Auftritte von „T. Rex“. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ein Pfadfinderlager, bei dem am Lagerfeuer Lieder gesungen wurden. Durch meine älteren Brüder kannte ich einige Stücke, aber dieses Erlebnis als kleiner Junge am Lagerfeuer war gigantisch. Der Mann mit der Gitarre war später mein erster Gitarrenlehrer. Es folgten einige Jahre, in denen ich autodidaktisch viel Fingerstyle spielte. Dazu kamen Klavier stun - den und meine erste Band, mit der wir zehn Jahre lang eigene Stücke spielten. Es schlagen musikalisch mehrere Herzen in meiner Brust: eins für Blues, Rock und alles, was elektrisch und laut ist, eins für Lieder und deren Texte, eins für die klassische Musik der letzten 700 Jahre und eins für Volksmusiken aus aller Welt. Das lässt sich auch gar nicht alles voneinander abgrenzen. Diese Viel falt, Liebe und Offenheit für verschiedenste Musik erklärt mein stetiges Ausprobieren von Neuem und das Ausloten von Grenzen. Der Looper und das Delay haben zusammen mit den verschiedenen klassischen und modernen Spiel techniken meine Ausdrucksmöglichkeiten enorm erweitert, da ich damit Dinge tun kann, die man mit nur einer Gitarre nicht tun kann. Das macht Spaß und setzt bei mir viel Kreativität frei. MM: Gibt es musikalische Vorbilder, die dich besonders geprägt haben? PETER: Oha, da würde die vollständige Auf zäh - lung den Rahmen sicherlich sprengen. Sagen wir, ich habe meine Hausaufgaben gemacht, ob klassische oder populäre Musik im weitesten Sinne. Initialzünder waren Marc Bolan von T.Rex und Chuck Berry, aber auch Reinhard Mey, Cat Stevens und Simon & Garfunkel waren frühe Vorbilder, wenn es um Songs und Inhalt geht. Wichtige Einflüsse für das, was ich aktuell mache, sind sicherlich auch bei David Lindley und Mike Oldfield zu finden. Gitarristisch natürlich große klassische Interpreten wie Manuel Barrueco oder John Williams und Fingerstyler wie Michael Hedges oder Kaki King sowie Chapmanstick- Spieler wie Jan Laurenz. Filmmusik begeistert mich schon immer. Hier mag ich die Sound tracks von Carter Burwell und Ennio Morricone sehr. MM: Du bietest verschiedene Konzert for mate an. Unter anderem „Modern Multistyle & Loop Guitar“ und deine „Entschleuni gungs kon - zerte“. Was ist das Besondere bei einem Multitsyle-& Loop-Konzert? PETER: Modern Multistyle & Loop Guitar beinhaltet verschiedene Stilistiken und bietet auf unterhaltsame Weise eine Umschau auf das, was man mit einer Gitarre alles machen kann – für Gitarre solo, mit und ohne Gesang, mit und ohne Effekten wie Delay, Looper und Octaver. Dazu ge - hören die klassischen Tech niken wie Strum ming, Flat-Picking, Percussion und das Integrieren der Effekte. Ich verwende das Delay als Rhyth mus - instrument, der Octaver gibt mir die Möglichkeit, Basslinien gleichzeitig mit Gitarren sounds zu spielen. Mit dem Looper biete ich dem Zuhörer einen Ensemblesound. Im Gegen satz zu Mu - sikern, die den Looper als Playbackpartner mit kurzen Phrasen verwenden, spiele ich eher lange Parts ein, mit denen ich große Arrange ments aufbaue. Der Looper hilft mir, komplexere Kompo - sitionen in Echtzeit darzustellen. Ich verwende dabei kein einziges vorgefertigtes Play back, son- musiker MAGAZIN 2/2015

STORIES 27 dern spiele alle Parts immer im Konzert ein und improvisiere darüber. Was die Musik angeht, so suche ich immer nach einfachen Grund ideen, die griffig und melodiös sind. Reduktion auf Wesentliches ist dabei der Aus gangs - punkt. Daraus entwickle ich dann meine Stücke. Die Presse nannte mich jüngst einen „Weltmusiker“. So verstehe ich mich selbst schon lange. MM: Deine Entschleunigungskonzerte tragen den Untertitel „Klang- kunst für die Seele. Impulse fürs Leben. Wege zum Wesent lichen“. Was ist das Wesentliche für dich? PETER: Mit den Entschleunigungskonzerten habe ich einen Nerv der Gesellschaft getroffen. Es geht darum, Menschen, die im Hamsterrad laufen, eine Plattform zu bieten, wo sie zu sich kommen und Impulse zu verschiedenen Themen bekommen. Es geht um die Besinnung auf das, was im Leben Bedeutung hat: Familie, Freunde, in geklärten Beziehungen zu leben, achtsam für sich und andere sein, genug Schlaf, gesünderes Essen, mehr Zeit für sich und die Menschen, die einem wichtig sind, bewusst Platz im Kalender für die wichtigen Dinge freihalten, ein zufriedenes Leben führen, sich die Zeit für unverhoffte Gelegenheiten nehmen. Für mich selbst habe ich vor einigen Jahren drei Lebensziele formuliert: erstens die Qualität meiner gelebten Beziehungen steigern, zweitens Menschen mit meiner Musik berühren und verändern, drittens meiner Berufung und Begabung als Musiker und Seelsorger folgen. MM: Warum ist das Thema Entschleunigung deiner Meinung nach wichtig in unserer Gesellschaft? PETER: Das ist eine Frage, für die man weit ausholen müsste. Ich versuche es möglichst kurz. Wir leben in einer Welt, in der sich unser Leben ständig beschleunigt. Dazu kommt, dass die Menschen langsam begreifen, dass die ursprüngliche Verheißung der Moderne, nämlich ein Paradies auf Erden und Wohlstand für alle, nicht eingelöst wird. Es gibt aber eine Reihe von Prozessen, die sich nicht beliebig beschleunigen lassen. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, Saat und Ernte brauchen ihre Zeit, Menschen können nicht immer mehr Dinge noch schneller tun. Es gibt von der Natur gesetzte Grenzen. Wenn wir die nicht einhalten, dann wird uns irgendwann unser Körper sagen: „So nicht!“ Menschen reiben sich auf und brennen aus, weil sie für zu vieles brennen. Es kann sich jeder fragen, wie weit er die Beschleunigung mitmacht oder sich ihr entgegenstellt. Wir haben so viele Optionen wie nie zuvor in der Mensch heits - geschichte. Aber dazu steht uns trotzdem nur eine begrenzte Lebenszeit zur Ver fügung. Ich sehe ständig Menschen, die sich ihre letzten ruhigen Momente am Tag nehmen, indem sie bei jeder Gelegenheit auf ihre Smart - phones schauen, die sich dauernd zerstreuen und Stille und Lang sam - keit nicht aushalten können. Deshalb halte ich eine Gegen be we gung zur stetigen Beschleunigung für notwendig und gesund. MM: Bei den Entschleunigungskonzerten machst du nicht nur Musik, sondern erzählst auch immer kurze Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Wie bist du auf die Idee gekommen, Musik und gelesene Geschichten zu kombinieren und überhaupt mit diesem Konzept auf die Bühne zu gehen? Sicherheit mit einem Dreh: »Ring Lock« »Ring Lock« Stative und Distanzrohre von König & Meyer. Weil die Lautsprechermembran vibrieren soll – und nicht die Box: »Ring Lock« Produkte von König & Meyer bieten Sicherheit beim Gig. Vom Stativ über Distanzrohre bis hin zu Adaptern. Mit einem Dreh am Spannring sitzt jede Box absolut fest auf dem Stativ. Zuverlässig und vibrationsfrei. Highend-Zubehör von König & Meyer. 5 Jahre Garantie · Made in Germany www.k-m.de PETER: Es entstand aus der ursprünglichen Idee, Patientenkonzerte in Kliniken für psychisch angeschlagene und kranke Menschen zu machen. Ich habe für diese Menschen Songs gespielt und zeitgleich mit dem Looper angefangen. Die Resonanz auf diese neuartigen Instrumentalstücke war immens und ich erhalte bis heute positive Rück meldungen. Ich überleg- 8

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